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Bildung Pflichtfach Informatik: Wirtschaft beklagt eklatanten Lehrer-Engpass

Als sechstes Bundesland will Niedersachsen ab 2023 Informatik flächendeckend unterrichten. Dabei fehlt es an ausgebildeten Lehrern.
04.02.2020 - 16:01 Uhr Kommentieren
Laut einer Studie neigen Jugendliche eher zu traditionellen Berufen, IT-Jobs haben an Attraktivität verloren. Quelle: obs
Schülerin beim Programmieren

Laut einer Studie neigen Jugendliche eher zu traditionellen Berufen, IT-Jobs haben an Attraktivität verloren.

(Foto: obs)

Berlin Ab dem Schuljahr 2023/24 wird Informatik in Niedersachsen Pflichtfach in der 10. Klasse aller allgemeinbildenden Schulen. Pro Woche soll das Fach eine Stunde unterrichtet werden – allerdings zusätzlich zum bisherigen Pensum. 2024/25 wird das neue Fach dann auch für die Neuntklässler zur Pflicht.

„Im digitalen Zeitalter sind IT-Kenntnisse so wichtig wie Lesen und Schreiben. Niedersachsen wird ab 2023 erst das sechste Bundesland sein, das Informatik als Pflichtfach einführt. Diesem Beispiel müssen alle übrigen Bundesländer folgen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes Bitkom, Achim Berg, dem Handelsblatt.  

Nicht jeder sollte später einmal Informatiker werden. so Berg, „aber ausnahmslos alle sollten in die Lage versetzt werden, sich selbstbewusst und selbstbestimmt in der digitalen Welt zu bewegen und digitale Technologien produktiv einzusetzen“. Um die Digitalisierung aller Fachbereiche zu fördern, müssen alle Schulen flächendeckend zu Smart Schools mit digitaler Infrastruktur, digitalen Curricula und digitalkompetenten Lehrern ausgebaut werden.“

Ein Schulfach Informatik in allen Ländern fordert auch der Bildungsexperte Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) - parallel zur „zügigen Umsetzung des Digitalpaktes. Denn obwohl zuletzt die Absolventenzahlen an den Hochschulen gestiegen seien, führe der Zusatzbedarf im Zuge der Digitalisierung zu „Rekordständen an Engpässen an Informatikern“. Daran habe auch die etwas nachlassende Konjunktur nichts geändert, die bei anderen Mint-Kräften – also für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik – für etwas Entspannung am Arbeitsmarkt geführt habe.

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    Der jüngste internationale Kompetenztest ICILS 2018 hatte gezeigt, dass die Defizite bei der Bildung in dem Bereich Digitalisierung bereits in den Schulen entstehen. Deutschland konnte sich im Vergleich zu ICILS 2013 bei den IT-Kompetenzen nicht signifikant verbessern. Rund ein Drittel der getesteten Achtklässler hat nur rudimentäre Computerkenntnisse. Der soziale Hintergrund der Schüler wirkt sich dabei besonders stark auf die computer- und informationsbezogenen Kompetenzen aus. „Damit droht eine soziale Kluft in den für die Zukunft besonders wichtigen IT-Kompetenzen“, warnt Plünnecke. 

    Bisher findet Informatik in der Schule zudem frühestens in der Sekundarstufe I, also in der Mittelstufe ab Klasse fünf, statt. Eigentlich müsste das für die Digitalisierung der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft so entscheidende Fach bereits in der Grundschule flächendeckend unterrichtet werden, hatte EFI gefordert. 

    120.000 Stellen unbesetzt

    Doch selbst wenn die Länder das wollten, an den nötigen Lehrern fehlt es jedoch. Derzeit sind in Deutschland mehr als 120.000 Stellen für IT-Fachleute unbesetzt. Und für die Einführung eines Wahlpflichtfachs Informatik ab der achten Klasse würde man zusätzlich 4000 IT-Lehrer benötigen, rechnet Axel Plünnecke vom IW vor.

    Deshalb geht es auch in Niedersachsen „im ersten Schritt erst einmal um die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften“, sagt Kultusminister Hendrik Tonne (SPD). Denn in ganz Niedersachsen gibt es aktuell nur 500 Informatiklehrer. Tonne lässt daher interessierte Lehrer anderer Fachrichtungen nun berufsbegleitend zwei Jahre lang schulen. Ein erster Kurs mit 25 Interessenten ist angelaufen, ein zweiter startet im März. 

    Bisher spielt Digitalisierung bei den Berufswünschen der Jugendlichen auch kaum eine Rolle - trotz der exzellenten Chancen. Nach einer Sonderauswertung des jüngsten Pisa-Tests, der unlängst beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt wurde, streben die 15-Jährigen der OECD-Länder vor allem traditionelle und etablierte Berufe an wie Ärztin, Lehrer, Polizist oder Manager.

    In Deutschland sieht es zumindest bei den Jungen etwas besser aus: Bei ihnen stand 2018 der IT-Spezialist als Wunschberuf ganz oben – allerdings nannten ihn nur 6,7 Prozent. Es folgten Industrie- und Automechaniker mit gut 5 Prozent.

    Neben den Lehrern ist auch die IT-Ausstattung  der Schulen nach wie vor mangelhaft. Der 2019 verabschiedete Digitalpakt sieht zwar fünf Milliarden Euro des Bundes dafür vor, bisher sind aber nur wenige Millionen bewilligt worden. Und EFI hatte bereits klargemacht, dass die fünf Milliarden auf Sicht nicht ausreichen werden, um die Schulen wirklich digital fit zu machen.

    Mehr: Digitale Fähigkeiten deutscher Schüler sind nur mittelmäßig, das zeigt eine Studie.

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