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Bildungspolitik in den USA Washington stärkt umstrittene private Hochschulen

Studenten werden in den USA oft ordentlich zur Kasse gebeten – und in manchen Fällen ist ihr Abschluss am Ende kaum etwas wert. Die Klagen nehmen zu.
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Tausende Dollar müssen US-Studenten oft für ihr Studium bezahlen. Quelle: dpa
US-Unis

Tausende Dollar müssen US-Studenten oft für ihr Studium bezahlen.

(Foto: dpa)

WashingtonBildung ist in den USA ein Milliardengeschäft. Entsprechend kann es kaum verwundern, dass die Anbieter neben dem Wohl der Absolventen auch den eigenen Profit im Blick haben. Weil das Streben nach Gewinnmaximierung in einigen Fällen jedoch überhand nahm, ließ Ex-Präsident Barack Obama vor einigen Jahren die Regeln verschärfen. Nun, unter Donald Trump, kündigt sich eine Kehrtwende an.

Mehrere private US-Hochschulen müssen sich derzeit vor Gericht verantworten. Eine davon ist die kalifornische Ashford University. Ihr wird vorgeworfen, falsche Versprechungen und fehlerhafte Informationen verbreitet zu haben, um Studenten mit Anspruch auf finanzielle Unterstützung des Staates anzulocken. Die öffentlichen Gelder sind die wichtigste Einnahmequelle der Einrichtung. Die konkreten Vorwürfe streitet die Ashford University ab.

Ähnliche Klagen laufen gegen die bereits insolventen Hochschulketten Corinthian Colleges und ITT Technical Institute. Aus Unterlagen des Bildungsministeriums, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen, geht darüber hinaus hervor, dass in der Zeit vom Amtsantritt Trumps am 20. Januar 2017 bis zum 30. April 2018 von Studenten knapp 24.000 Betrugsbeschwerden eingereicht wurden. In fast allen Fällen richteten sich diese gegen gewinnorientierte Anbieter - mehr als 3.600 betrafen die DeVry University und etwa 1.100 die University of Phoenix.

Gegen die University of Phoenix ermittelt parallel dazu die US-Wettbewerbsbehörde FTC (Federal Trade Commission). In der noch unter Obama eingeleiteten Untersuchung geht es um mutmaßlich irreführende und unlautere Geschäftspraktiken. In einem weiteren Streit steht das US-Ministerium für Kriegsveteranen der Ashford University gegenüber. Hintergrund ist hier die Frage, ob staatliche Zuwendungen für ehemalige Soldaten als Studiengebühr an die Hochschule fließen dürfen.

Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben dem Ruf des Sektors stark geschadet. Staatliche und gemeinnützige Hochschulen wie die Western Governors University, bei der ein online-basiertes Studium nur 6.500 Dollar (5.600 Euro) pro Jahr kostet, erlebten einen Aufschwung. Bei der privaten Konkurrenz ging die Zahl der Einschreibungen dagegen zurück. Die DeVry University, bei der die Gebühren mehr als doppelt so hoch sind, verzeichnete zuletzt einen Rückgang um 20 Prozent.

Der Kurswechsel von Bildungsministerin Betsy DeVos macht vielen kommerziellen Universitäten nun wieder Hoffnung. Branchenvertreter betonen, dass sie auch im Weißen Haus wieder deutlich freundlicher empfangen würden, seit Trump an der Macht sei.

„Die Haltung uns gegenüber hat sich erheblich verändert“, sagt Steve Gunderson, Leiter des Verbands Career Education Colleges and Universities. „Unter Obama hat man unserer Branche den Krieg erklärt. Wir mussten um unser Überleben kämpfen.“

Die Lobby-Ausgaben der gewinnorientierten Hochschulen lagen nach Angaben der vom Center for Responsive Politics betriebenen Website „Open Secrets“ seit 2015 bei jährlich etwa 5,6 Millionen Dollar. Im Vergleich zu dem, was sich andere Branchen die Kontaktpflege in Washington kosten lassen, sind das keine allzu großen Summen. Nun, da sie die Regierung auf ihrer Seite haben, werden die Hochschulen aber wohl noch weniger in Lobbyarbeit investieren müssen.

Eine 2014 eingeführte Regelung sollte verhindern, dass staatliche Gelder an private Institute fließen, bei denen das Verhältnis zwischen der Verschuldung der Absolventen und dem mit einem Abschluss absehbaren Einkommen besonders schlecht ist.

Das Bildungsministerium hat nun vor wenigen Tagen vorgeschlagen, diese Regelung rückgängig zu machen. Bereits im Juli präsentierte das Ministerium Pläne zur Aufweichung einer weiteren Maßnahme aus der Obama-Zeit, die „betrogenen“ Studenten eine Möglichkeit gab, Studienschulden annullieren zu lassen.

Hintergrund der beiden Initiativen waren vor allem die zahlreichen Beschwerden über Corinthian Colleges und ITT Technical Institute. Tausende Studenten hatten den Ketten vorgeworfen, bezüglich ihrer Jobvermittlungsquoten gelogen und aggressive Rekrutierungsmethoden eingesetzt zu haben. Obwohl die beiden Bildungsunternehmen ihren Betrieb noch während Obamas Regierungszeit einstellen mussten, richtete sich auch etwa die Hälfte der seit Januar 2017 eingegangenen Betrugsbeschwerden gegen sie.

Das Ministerium von DeVos erklärte, es wolle die Studenten besser in Schutz nehmen, gleichzeitig aber auch die privaten Bildungsanbieter vor falschen Anschuldigungen bewahren. Gunderson und sein Verband begrüßten die Pläne.

Studenten-Organisationen kritisieren hingegen, DeVos setze die falschen Prioritäten. „Die kommerziellen Hochschulen sind die großen Gewinner“, sagt Debbie Cochrane vom Institute for College Access and Success. „Für deren Standpunkte zeigt sich das Ministerium sehr viel aufgeschlossener.“

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