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Bill Browder Vom Star-Investor zum Menschenrechtsaktivisten - wie Bill Browder Wladimir Putin bekämpft

Der Ex-Milliardär kämpft seit dem Tod seines Anwalts in Russland für neue Sanktionen gegen die Elite des Landes. In den USA hatte er damit bereits Erfolg.
Update: 20.11.2018 - 15:41 Uhr Kommentieren
Enkel eines einstigen Kommunistenführers in den USA und war als CEO von Hermitage Capital einer der größten Finanzinvestoren in Russland. Quelle: action press
Bill Browder

Enkel eines einstigen Kommunistenführers in den USA und war als CEO von Hermitage Capital einer der größten Finanzinvestoren in Russland.

(Foto: action press)

Chicago In der Spitze 4,5 Milliarden Dollar waren seine Investments in Russland 2005 wert. Bis er sich mit dem vom Kreml kontrollierten Gazprom-Konzern und Wladimir Putin anlegte und alles verlor.

Aber Bill Browders Kampf gegen Putin und für Gerechtigkeit für seinen in Moskauer Untersuchungshaft zu Tode gekommenen Anwalt Sergej Magnitski geht weiter. Am Dienstag kommen EU-Vertreter in Den Haag zusammen, um über ein neues europäisches Sanktionsregime zu beraten. Angetrieben von dem ehemaligen Finanzhai, der sich zum Menschenrechtsaktivisten gewandelt hat.

Der heute 54-Jährige aus Chicago führt mit der politischen und juristischen Schlacht um Menschenrechts-Sanktionen den Kampf seines ohnehin kaum geradlinigen Lebens. 1964 in Chicago als William Felix Browder geboren als Enkel von Earl Browder. Der war Generalsekretär der Kommunistischen Partei Amerikas und womöglich auch Verbindungsmann zum KGB.

Bill Browder startete deshalb seine Karriere nicht nur, aber auch aus diesen Gründen, in England – unter anderem bei der inzwischen von der Citigroup geschluckten Investmentbank Salomon Brothers, bei der auch Michael Bloomberg anfing, und der Boston Consulting Group.

Als Co-Founder und CEO von Hermitage Capital wurde Browder in den 1990er-Jahren zu einem der größten Finanzinvestoren in Russland. Doch ab 2005 fiel er in Ungnade wegen seines anhaltenden Kampfes gegen millionenschwere Korruption bei teilprivatisierten Staatskonzernen wie Gazprom.

Er kam auf die schwarze Liste, die Einreise wurde ihm verweigert. Einer seiner Anwälte, Sergej Magnitski, warf im Zuge von Steuerhinterziehungsermittlungen gegen Browders Hermitage Capital hochrangigen russischen Beamten vor, den Staat um 230 Millionen Dollar betrogen zu haben. Kurz darauf kam wurde er von Mitarbeitern eben jener Offiziere des Innenministeriums festgenommen, die er zuvor belastet hatte.

In seinem ebenso beeindruckend wie ergreifenden und fesselnd wie ein James-Bond-Script geschriebenen Buch „Red Notice. Wie ich Putins Staatsfeind Nr.1 wurde“ berichtet Browder vom Leiden Magnitskis. Er starb 2009 nach fast einem Jahr U-Haft in einem Moskauer Gefängnis, wo er misshandelt worden sein soll und ihm dringend nötige medizinische Hilfe vorenthalten worden sein soll.

Seine Häscher, das belegen Videos im Internet, besitzen Immobilien im Wert vom Vielfachen ihres Einkommens. Zur Rechenschaft wurden sie nie gezogen, während Magnitsky der erste Russe ist, der noch posthum wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde.

Auch eine dubiose russische Anwältin mit Trump-Kontakten hat ihre Finger im Spiel

Browder ließ dies nicht ruhen und so kämpft er nun seit Jahren dafür, „dass auch die EU ein Gesetz erlässt wie den Magnitsky Act in den USA“, durch den in ihrer Heimat vom Regime gedeckte Menschenrechtsverletzter im Westen Sanktionen ausgesetzt werden. Magnitskis Verfolgern wurden in den USA die Einreise verweigert, ihre offensichtlich illegal erworbenen Vermögen eingefroren. Der Kreml reagierte mit einem Verbot für Amerikaner, russische Kinder adoptieren zu dürfen.

Denn Moskau wollte das 2012 von Barack Obama abgezeichnete Gesetz verhindern. Und vor allem, dass der ‘Sergei Magnitsky Rule of Law Accountability Act’ den Namen des von Moskaus politisch gedeckten Offizieren in den Tod getriebenen Wirtschaftsprüfers und Anwalts trägt.

Dafür wurde die in den USA aktive russische Anwältin Natalia Veselnitskaya eingesetzt, die jetzt mit im Mittelpunkt der vom Sonderermittler Robert Mueller steht. Sie hat laut seinen Nachforschungen die Verbindungen des Kremls zum jetzigen US-Präsidenten Donald Trump wesentlich koordiniert.

Auch heute will Browder verhindern, dass – wie im holländischen Vorschlag eines neuen Menschenrechts-Sanktionsrechts ¬ der Name des zurückhaltenden, aber äußerst prinzipientreuen Juristen Magnitski gestrichen wird. „Für mich ist er wie Nelson Mandela oder Andrej Sacharow ein großer Kämpfer für Prinzipien gewesen“.

So forderte Browder im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass auch in Europa ein solches Gesetz, mit dem in der Heimat geschützte Menschenrechtsverbrecher ihr Eigentum in der EU konfisziert bekommen und sie keine Einreise mehr erhalten, den Namen seines toten Anwalts tragen solle.

Nachdem bereits Großbritannien und die drei baltischen Staaten einen Magnitsky Act haben und das Europaparlament dies für die EU fordert, soll nun am Dienstag von den EU-Regierungen darüber beraten werden. Seit Jahren kämpft Browder nun dafür, dass diejenigen, die für den Tod seines Anwalts verantwortlich sind, vor Gericht gestellt werden.

Vor allem Deutschland als größter Handelspartner Russlands spiele dabei eine zentrale Rolle, ist Browder überzeugt, der seine Job als Investor an den Nagel gehängt hat und nun als „Full-Time-Campaigner“ aktiv ist.

Aber ein entsprechendes Menschenrechtsgesetz ohne Magnitskis Namen zu beschließen, lehnt Browder ab: „Das wäre ein „schreckliches unmenschliches Verbrechen“, sagte Browder dem Handelsblatt. Und es würde Russlands Staatschef Wladimir Putin in die Hände spielen, „ein unmoralischer Diktator, der Menschen in Salisbury, in der Ukraine, in Syrien umbringt und sich in amerikanische und europäische Wahlen einmischt“.

Dass am Ende die EU auch einen Magnitzky Act, ein Gesetz zur Sanktionierung von Menschenrechtsverletzern, bekommt, davon ist Browder zutiefst überzeugt: „Ich habe den selben Kampf geführt in den USA und Kanada. Und dort wurde jeweils ein Magnitzky Act beschlossen.“ Europa solle dies nun auch schnell tun.

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