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Bis zu 150 Euro Geldstrafe Österreich macht Burkas zum Tabu

Österreich bittet ab Oktober voll verschleierte Frauen zur Kasse. Bundeskanzler Kern verteidigt die harte Linie, doch die Angst in der Tourismusbranche ist groß. Gelten Gäste aus dem Nahen Osten doch als zahlungskräftig.
Burka-Verbot: Österreich macht Verschleierung zum Tabu Quelle: dpa
Burka

Als drittes EU-Land erlässt Österreich ein Verbot.

(Foto: dpa)

WienIm Goldenen Quartier, der Luxusmeile in Wien, sind muslimische Frauen mit Burkas im Sommer nicht zu übersehen. Die Kundinnen aus den reichen Golfstaaten verbringen in der österreichischen Hauptstadt mit ihren Familien gerne und oft ihren Sommerurlaub. Sie sind als konsumfreudige Besucher in der Donaumetropole hoch willkommen. Ob das Geschäft mit den Muslimen aber auch in Zukunft so boomt, steht in den Sternen.

Denn Österreich wagt ein Experiment: Ab dem 1. Oktober werden muslimische Frauen in der Alpenrepublik ihre Burka ablegen müssen. Sonst droht ihnen eine Ordnungsstrafe von bis zu 150 Euro. Das neue Gesetz gegen den traditionellen Gesichtsschleier trifft vor allem muslimische Touristinnen. Denn die in Österreich lebenden Musliminnen tragen in der Regel weder Nikab, den Gesichtsschleier mit Augenschlitz, noch Burka, den vollständigen Körperschleier.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) verteidigt das Vorgehen in Österreich. „Ich halte das für eine richtige symbolische Geste“, sagte der Regierungschef vor der Auslandspresse in Wien. „Ich bin absolut im Reinen mit dem Burka-Verbot“. Zur Erklärung fügte Kern an: „Ich stehe auf dem Boden der Toleranz und Liberalität. Was in Wahrheit passiert, ist eine massive Unterdrückung von Frauen. Vor diesem Hintergrund finde ich es richtig, Grenzen zu ziehen.“

Das Verschleierungsverbot sieht allerdings auch Ausnahmen im Alltag vor. Beispielsweise darf man im Fasching auch in Österreich eine Maske tragen. Auch Clowns dürfen ihr Gesicht bedecken. Und Mundschutzmasken, wie sie vor allem Touristen aus Ostasien gegen die Luftverschmutzung gerne tragen, sind weiter erlaubt.

Ob sich das Burka-Verbot im Alltag wie die Bestrafung von Falschparken durchsetzen lässt, ist allerdings offen. „Für die Polizei ist die Durchsetzung vor Ort sehr schwierig“, warnt der Tiroler Tourismusexperte Bernhard Wallmann.  

In der Tourismusbranche sind die Ängste vor einem Gästeschwund groß. „Wir haben schon sehr lange arabische Touristen ohne Probleme. Was soll ein Burka-Verbot denn bringen? Ich halte es für töricht. Die Gäste sollen anziehen, was sie wollen“, sagt Tourismusexperte Wallmann. Das neue Gesetz würde nur arabische Touristen verärgern. Auch in Wien hält sich die Begeisterung für das Burka-Verbot in engen Grenzen. „Das Gesetz ist zu akzeptieren. Gäste aus dem arabischen Raum zählen aber zu einer wichtigen Gästegruppe und sind weiterhin stets willkommen“, sagte Norbert Kettner, Tourismuschef in Wien, diplomatisch. „Wien war immer und ist eine multiethnische und multikulturelle Stadt, in der Lebensstile, so sie andere nicht beeinträchtigen, weder be-  noch verurteilt werden. Daran wird sich auch jetzt nichts ändern.“

Für Zell am See im Bundesland Salzburg ist das Burka-Verbot ein sehr ernstes Thema – unter Umständen sind die Auswirkungen für die Stadt dramatisch. Zieht die beschauliche Bezirkshauptstadt Touristen aus dem Nahen Osten seit Jahren geradezu magisch an. Junge Männer in kurzen Hosen, Baseball-Kappen auf dem Kopf, ein paar Meter dahinter tief verschleierte Frauen mit kleinen Kindern an der Hand – ein gewohntes Bild in der Fußgängerzone der Gemeinde. Mit cleverem Marketing hat es das Städtchen, eine gute Stunde südlich von Salzburg gelegen, zum Fixpunkt auf den Reiserouten der Araber geschafft. Mehrere Zehntausend bevölkern jedes Jahr die Hotels. Zell am See hat sich auf die arabischen Gäste eingestellt. Da lockt die Shisha-Lounge, und die Supermärkte führen arabische Waren.

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