Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Bitcoin-Alternative EU will den digitalen Euro

Kommissionsvize Dombrovskis sieht die mögliche Bitcoin-Alternative als zusätzliches Zahlungsmittel. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit der EZB nimmt die Arbeit auf.
21.01.2021 - 08:23 Uhr 6 Kommentare
Nun soll innerhalb von fünf Jahren der digitale Euro kommen. Hinter den Kulissen in Brüssel ist das Projekt offenbar schon länger in Arbeit. Wie das genaue Design des digitalen Euros aussehen soll, ist noch nicht bekannt. Quelle: dpa
Zur Einführung des Euros 1999

Nun soll innerhalb von fünf Jahren der digitale Euro kommen. Hinter den Kulissen in Brüssel ist das Projekt offenbar schon länger in Arbeit. Wie das genaue Design des digitalen Euros aussehen soll, ist noch nicht bekannt.

(Foto: dpa)

Brüssel Die EU-Kommission fordert die Einführung des digitalen Euros, um die europäische Währung weltweit zu stärken. „Wir brauchen einen digitalen Euro. Das erfordert die Digitalisierung der Wirtschaft und des Finanzwesens“, sagte Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der EU-Kommission, am Mittwoch in Brüssel.

„Wir beobachten, dass die Bedeutung des Bargeldes schrittweise zurückgeht. Ein digitaler Euro ist eine zusätzliche Möglichkeit zum Bezahlen und Sparen.“ Er solle das Bargeld allerdings nur ergänzen, nicht ersetzen.

Die EU-Exekutive erwartet die Einführung des digitalen Euros in den nächsten Jahren. Einen genauen Zeitplan wollte der Vertraute von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aber nicht nennen. „Wir haben noch keinen festgelegten Zeitplan für den digitalen Euro“, sagte Dombrovskis.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hatte vor Kurzem ebenfalls eine digitale Version der Gemeinschaftswährung angekündigt. „Wir werden einen digitalen Euro haben“, sagte die oberste Währungshüterin. Sie hoffe, dass dies nicht länger als fünf Jahre dauern werde.

Die EU-Kommission arbeitet bei der Einführung des digitalen Euros engstens mit der EZB zusammen. „Wir rufen eine gemeinsame Expertengruppe ins Leben, um die institutionellen, rechtlichen und praktischen Aspekte zur Schaffung eines digitalen Euros zu klären“, sagte Dombrovskis. „Wir brauchen ein koordiniertes Vorgehen zwischen der Kommission und der EZB.“

Digitaler Euro soll Bargeld nicht ersetzen

Sowohl Brüssel als auch Frankfurt gehen dabei behutsam vor. „Es müssen noch viele Fragen der Implikationen eines digitalen Euros – beispielsweise auf das Währungssystem oder auf den Bankensektor – in allen Details geprüft werden“, sagte Dombrovskis.

In Brüssel gibt es bereits konkrete Vorstellungen über die Aufgaben der künftigen Bezahlmöglichkeit. „Die Einrichtung eines digitalen Euros soll nicht das Bargeld und elektronische Zahlungsweisen ersetzen. Es wird ein zusätzliches, vertrauenswürdiges Instrument für Bürger und Unternehmen auch in der Realwirtschaft sein“, sagte Dombrovskis in einer Runde, an der das Handelsblatt als einziges deutschsprachiges Medium teilnahm.

Hinter den Kulissen ist das Projekt offenbar schon länger in Arbeit.

Grafik

„Seitdem ich die EU-Kommission bei der EZB vertrete, kann ich wirklich sagen, dass wir Fortschritte in Richtung eines digitalen Euros gemacht haben“, sagte der frühere lettische Regierungschef in Brüssel. Auf Anfrage wollte er keine weiteren Details zum Stand der Diskussion zwischen der Kommission und der EZB nennen.

„Zum jetzigen Zeitpunkt können wir das genaue Design des digitalen Euros noch nicht benennen. Denn die Diskussion beispielsweise über einen Einsatz im Handel läuft noch“, berichtete Dombrovskis und ergänzte: „Ich sehe keine offensichtlichen Hindernisse, einen digitalen Euro einzuführen.“

Ein digitaler Euro könnte die Alternative zu privatwirtschaftlichen Initiativen wie Bitcoin oder das maßgeblich von Facebook getragene Projekt Diem (zuvor: Libra) sein. Der entscheidende Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen würde ein digitaler Euro durch die EZB beaufsichtigt.

EU will Rolle des Euros im internationalen Handel stärken

Die EU-Kommission will die internationale Rolle der europäischen Währung nicht zuletzt mit einer digitalen Version global stärken. „Der Euro ist die weltweit zweitwichtigste Währung“, sagte Dombrovskis selbstbewusst. Allerdings habe der Euro als Reservewährung im vergangenen Jahrzehnt keinen durchschlagenden Erfolg gehabt.

Für einen Bedeutungszuwachs sollen die Anleihen der EU zur Finanzierung des Corona-Wiederaufbaufonds, intern „Next Generation EU“ genannt, und des Beschäftigungsprogramms Sure sorgen.

„Das Programm Next Generation EU mit 750 Milliarden Euro wird 30 Prozent mit grünen Anleihen finanziert. Das wird die Position der europäischen Währung im Anleihemarkt weiter stärken“, erwartet Dombrovskis. „Wir sehen im Markt dafür ein großes Interesse. Das wird dem Euro als Reservewährung international helfen.“

Der Vizepräsident der EU-Kommission plädiert für einen digitalen Euro in den nächsten Jahren. Quelle: dpa
Valdis Dombrovskis

Der Vizepräsident der EU-Kommission plädiert für einen digitalen Euro in den nächsten Jahren.

(Foto: dpa)

Die Bonds werden angesichts der langen Laufzeiten in den Märkten über Jahrzehnte eine Rolle spielen. „Diese Tatsache wird das Denken in der Zukunft beeinflussen“, ist sich der Kommissionsvize sicher.

Zudem will die EU-Exekutive die Rolle des Euros bei Transaktionen im internationalen Handel und im Rohstoffhandel stärken. Beispielsweise wurden laut Kommission im vergangenen Jahr 64 Prozent der Erdgaslieferungen bereits in Euro abgerechnet. Vor zwei Jahren seien es noch 38 Prozent gewesen. Neue Märkte wie zum Beispiel Wasserstoff oder erneuerbare Energien sollen der europäischen Währung helfen.

In Europa schaut man bei den Digitalwährungen insbesondere nach China. Peking ließ innerhalb von fünf Jahren eine Digitalwährung schaffen.

Zudem will die EU-Exekutive die Rolle des Euros bei Transaktionen im internationalen Handel und im Rohstoffhandel stärken. Quelle: dpa
Währungssymbole – von Euro bis Dollar

Zudem will die EU-Exekutive die Rolle des Euros bei Transaktionen im internationalen Handel und im Rohstoffhandel stärken.

(Foto: dpa)

Die Bundesbank hatte zuletzt damit gerechnet, dass China schon im laufenden Jahr mit einer neuen Digitalwährung flächendeckend an den Start gehen könnte. „Ich weiß, dass wir auf die Nachfrage in Europa antworten müssen, und wir haben eine Nachfrage“, sagte EZB-Chefin Lagarde vor wenigen Tagen.

Mehr: EU will den Euro weltweit stärken

Startseite
Mehr zu: Bitcoin-Alternative - EU will den digitalen Euro
6 Kommentare zu "Bitcoin-Alternative: EU will den digitalen Euro "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich bin auch für viel mehr unterschiedliche Währungen. Am Besten hat jeder Mensch seine eigene Währung. Und jeder akzeptiert nur noch seine eigene Währung. Damit sind alle Probleme gelöst. :D

  • Ich halte den Bit-Coin in jeder Hinsicht fuer brandgefaehrlich. Wahrscheinlich hat die
    Mehrheit der Foristen noch garnicht begriffen, wie er funktioniert.
    Und ich halte es fuer richtig eine Alternative zu entwickeln, und das ist die Aufgabe
    der EZB. Die andere Aufgabe der EZB ist uns unabhaengig vom Dollar zu machen,
    und da wird diese neue Waehrung helfen.

  • Die EZB sollte Ihre Aufgaben erledigen und zwar genau wie vereinbart.
    Alles Andere sollte strikt verboten werden.
    Aber wie alle Mitarbeiter in der EU macht jeder was er will! ...Wie immer schon......

    Wo kein Kläger, da kein Richter.

    Aber bitte beachten: Sie A L L E leben von unseren Steuergeldern.

  • @Hr. Staesser: voll ins Schwarze getroffen!!

    Genau das ist der Grund, warum keiner einen digitalen Euro benötigt. Bedeutet, dass wir noch gläserner werden, als wir ohnehin schon sind. Dazu gerne mal schauen, was passiert, wenn jemand kontaktlos zahlt und wer im Hintergrund noch mit daran verdient. Wenn man das weiß, zahlt man gerne weiter in bar.

    Tether wird u.a. in China genutzt, da diese nur max. 50.000 $ jährlich (Yuan --> Dollar) umtauschen dürfen. Mit Tether hebeln sie dies aus. Also ein praktischer Nutzen, um in den Dollar zu flüchten. In Europa erschließt sich mir der Nutzen nicht.

    Aber man möchte natürlich "mit der Zeit" gehen.

    Aber, wie unten bereits gut erläutert, wird dieses Vorhaben im Leben keine Gefahr oder gar Konkurrenz für die Kryptos darstellen!

  • "Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen würde ein digitaler Euro durch die EZB beaufsichtigt."

    Und genau dadurch werden entscheidende Vorteile des BitCoin gegenüber den Fiat-Währungen zunichte gemacht: die Unabhängigkeit von Dritten (Bürokraten) und Wertstabilität. Während die permanente Ausweitung der Geldmenge die Bürger schleichend enteignet, ist die maximale Summe der BitCoins auf 21 Millionen gedeckelt.

    Eine von der europäischen Zentralbank kontrollierte Kryptowährung ist Unsinn - trotzdem werden viele darauf hereinfallen.

  • "Niemand hat die Absicht, das Bargeld abzuschaffen!"...

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%