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Blutige Proteste Ägypten im Griff der Gewalt

In mehreren Landesteilen regierte in der Nacht auf Samstag die nackte Gewalt. Hunderte Verletzte, zahlreiche Tote: Bis zum Morgen tobten Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mursi.
06.07.2013 Update: 06.07.2013 - 13:39 Uhr 11 Kommentare
„Tag des Zorns“ in Ägypten
huGO-BildID: 31884445 Supporters and opponents of Egypt's ousted President Mohammed Morsi clash near Maspero, Egypt's state tv and radio st
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Anhänger folgten dem Aufruf der Muslimbrüder, sich zu einem „Tag des Zornes“ zu versammeln. Auf einer Brücke vor dem Tahir-Platz trafen sie auf Gegner des gestürzten Präsidenten.

(Foto: ap)
Protesters, who are against former Egyptian President Mohamed Mursi, demonstrate near pro-Mursi supporters, near Tahrir Square in Cairo
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Beide Lager bewarfen sich mit Steinen, auch Schüsse fielen. Das Staatsfernsehen berichtete von zwei Toten und 70 Verletzten.

(Foto: Reuters)
huGO-BildID: 31884478 Egyptian military convoy arrives at the site of clashes between the supporters and opponents of the ousted President Mohammed M
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Nachdem die Lage zu weiter eskalieren drohte, wollte das Militär dazwischen gehen. Ein Armeesprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Wir beziehen keine Seite.“ Die Anhänger Mursis und seine Gegner sollte jedoch getrennt werden.

(Foto: ap)
Egyptians after the presidency handover in Egypt
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Die Wut auf beiden Seiten kannte kaum Grenzen. Die Protestteilnehmer und die Unterstützer des Militärputsches waren bewaffnet mit Stöcken und Steinen.

(Foto: dpa)
Egyptians after the presidency handover in Egypt
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Militärhelikopter kreisten am Nachmittag über Kairo, hier über dem Tahrir-Platz.

(Foto: dpa)
Egyptians after the presidency handover in Egypt
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Das Militär markierte den ganzen Tag starke Präsenz.

(Foto: dpa)
Egyptians after the presidency handover in Egypt
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Armeeflieger flogen über dem Tahrir-Platz am Nachmittag Formationen.

(Foto: dpa)

Kairo/Washington Offener Machtkampf am Nil: Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi liefern sich Anhänger und Gegner des Islamisten blutige Straßenschlachten mit vielen Toten und Verletzten. Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 30 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden am Abend oder in der Nacht zum Samstag verletzt. Der von den Islamisten ausgerufene „Freitag der Ablehnung“ endete im Chaos. Mursis Anhänger wollen so lange mobil machen, bis ihr gestürzter Präsident wieder im Amt ist.

Bei der Berichterstattung über die Unruhen wurde der britische BBC-Journalist Jeremy Bowen angeschossen. Im Kurznachrichtendienst Twitter wurde ein Foto des Fernsehreporters veröffentlicht, das ihn mit einem Kopfverband zeigt. „Ich bin von ein paar Gewehrkugel-Splittern getroffen worden“, schrieb Bowen via Twitter.

Die meisten Opfer gab es in der Hafenstadt Alexandria, wo nach Berichten der Nachrichtenagentur Mena allein 12 Menschen starben und weitere 200 verletzt wurden. Unterdessen nahmen Sicherheitskräfte in Kairo den stellvertretenden Führer und Hauptfinanzier der Muslimbruderschaft, Chairat al-Schater, fest. Ihm wird Anstachelung zur Gewalt vorgeworfen.

Zuvor hatte am Freitag der Chef der Bruderschaft, Mohammed Badie, die Stimmung zwischen den verfeindeten Lagern aufgeheizt. In einer kämpferischen Rede vor einer Kairoer Moschee forderte er, Mursi freizulassen und wieder als Präsidenten einzusetzen. Dafür sei es auch wert, sein Leben einzusetzen. Das Militär rief er auf, nicht auf das Volk zu schießen. Ohnehin seien die Demonstranten mächtiger als Panzer: „Unsere nackte Brust ist härter als Kugeln.“ Sein Auftritt kam überraschend. Denn am Donnerstag hatte es in Sicherheitskreisen noch geheißen, Badie sei festgenommen worden.

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    Blutige Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern Mursis, der seine Wurzeln in der Muslimburderschaft hat, wurden neben Alexandria auch aus Kairo, Suez sowie aus den Nil-Delta-Provinzen Damietta und Beheira gemeldet. Schwere Zwischenfälle ereigneten sich auch auf der Halbinsel Sinai. Nach Angaben von Ärzten wurden bei mehreren Angriffen insgesamt fünf Polizisten getötet. Hier war aber unklar, ob eine direkte Verbindung zum Sturz des Präsidenten bestand. Das Gebiet ist seit der Revolution, die den langjährigen Machthaber Husni Mubarak 2011 zu Fall brachte, extrem unsicher. In der Nacht beruhigte sich die Lage in allen Landesteilen.

    In Alexandria konzentrierten sich die Krawalle am Abend auf den Stadtteil Sidi Gaber. Starke Einheiten von Armee und Polizei hätten versucht, Gegner und Anhänger des Islamisten Mursi zu trennen, berichtete die Onlineausgabe der staatlichen Zeitung „Al Ahram“.

    Drei Tote gab es Medienberichten zufolge in der Hauptstadt Kairo. Zwei Mursi-Unterstützer wurden vor einem Offiziersheim der Republikanischen Garde im Stadtteil Heliopolis in der Nähe des Präsidentenpalastes getötet, wie „Al Ahram“ meldete. Ein weiteres Todesopfer gab es nach Angaben des staatlichen Fernsehens am Abend bei Straßenschlachten im Zentrum Kairos. 66 Menschen seien dort verletzt worden.

    USA verurteilen die Gewalt
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    Mehr zu: Blutige Proteste - Ägypten im Griff der Gewalt
    11 Kommentare zu "Blutige Proteste: Ägypten im Griff der Gewalt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ Ludwig500

      Fast alles richtig bis auf:

      "Statt Glück im Jenseits..."

      Dieser Spruch wurde erfunden, um den Menschen das durch Herrscher jeglicher Art und ihre Gier aufdoktrierte karge Dasein schmackhaft zu machen und sie ruhig zu halten, indem man ihnen ein besseres Leben nach dem Tod verspricht. ;-)

      Streben sollte man nach einem erfüllten Leben, Frieden und Freiheit im Diesseits, nicht im "erfundenen" Jenseits.
      Leider wird einem das nicht beigebracht, das muss man selber erkennen und das ist nicht immer leicht. Schließlich wird man ja, egal wo man lebt, ab der Geburt in eine bestimmte Richtung konditioniert. Diese Konditionierung muss man erst durchbrechen, um sich selbst zu finden ;-)

    • Ja ja, die Religionen, gäbe es sie nicht, man sollte sie nicht erfinden. Die ach so vorbildliche Demokratie Europas huldigt den Göttern Wachstum, Märkte, Schulden und Zins. Statt Glück im Jenseits strebt man nach Macht und Ansehen im Diesseits, erzeugt durch Geld, "Liebe deinen nächsten" heisst jetzt "Rette deine Banken", Beruhigung der Märkte und Schutz einer Währung statt Frieden und Nahrung für das Volk. Und auch der Fanatismus der Prediger unterscheidet sich nicht.

    • @ Freiheit

      Ja, so sieht es aus.

      Das hat aber nichts mehr mit Religion zu tun, sondern mit Fanatismus. Die "Religion" ist hier nur vorgeschoben um Kampf und Tod zu rechtfertigen und andere Unterdrücken und Beherrschen zu können.

    • Hier ein paar Hintergrundinformation die selten den Weg in unsere Medien finden:

      Muslimbrüder:
      Nach Wikipedia lauten die Leitsätze der Muslimbrüder wie folgt: „Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Dschihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.“ Diese Leitsätze verwenden die Muslimbrüder bis zum heutigen Tag als Motto.

      Mursi:
      Mursi war ein Präsident, der seine Landsleute aufforderte "unsere Kinder und Enkelkinder zum Hass auf die Juden und Zionisten zu erziehen" und der Juden als "Nachfolgen von Affen und Schweinen" bezeichnet (Quelle: MEMRI TV).

    • Mursi ist sunnitischer Muslim. Er ist seit 1979 verheiratet mit seiner elf Jahre jüngeren Cousine Naglaa Ali Mahmoud, welche zum Zeitpunkt der Hochzeit siebzehn Jahre alt war.[9][10] Drei Tage nach der Hochzeit ging Mursi in die USA, wo er bis 1982 an der University of Southern California promovierte.[2] Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, zog seine Frau zu ihm nach Los Angeles. Dort wurden die ältesten beiden der fünf Kinder des Ehepaares geboren, die somit neben der ägyptischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen.[11][10]
      Nach seiner Promotion war Mursi als Dozent an den Universitäten Kairo und Südkalifornien und an der California State University in Northridge tätig. 1985 ging er mit seiner Familie endgültig zurück nach Ägypten, um eine Professur an der Universität Zagazig anzunehmen, welche er bis 2010 innehatte. Er war dort Direktor der Abteilung für Materialwissenschaft.[2][8] Um nebenher zusätzliches Geld zu verdienen, reiste Mursi wie viele ägyptische Professoren umher und unterrichtete unter anderem von 1988 bis 1992 an einer libyschen Universität.[10]

    • @pool
      In keiner Relegion steht geschrieben, das man den "Glauben" mit Gewalt "verteilen" muss oder andersglaubende Unterdrücken darf/soll/muss. Leider "interpretieren" das viele Glaubensanhänger aller Religionen aber so. Das haben die Christen mit den Kreuzzügen versucht oder mit den Missionaren, das haben auch die Islamisten schon mehrmals versucht und so weiter und so fort. Dabei sind sowohl die Bibel als auch der Choran und die Sharia etc. nicht von irgendwelchen Göttern geschrieben worden, sondern von Menschen. Und nun kann man ja mal raten, warum?

      1. früher und auch heute benötigen viele Menschen einen "Glauben", weil sie sich sonst verloren vorkommen in der Unendlichekeit von Raum und Zeit. Menschen können sich einfach nicht vorstellen, das es keinen Anfang und kein Ende gibt. Ergo benötigen viele einen "Gott", der den Anfang symbolisiert und ein besseres Leben nach dem Tod, damit ihr Leben nicht wie umsonst erscheint ;-)
      2. wurde und wird Religion seit je her zur Unterdrückung und Machterhaltung verwendet (auch schon die alten Götzen/Götter). Macht über Menschen indem man ihnen Privilegien, und sei es nach dem Tode, verwehrt oder zuspricht. Und natürlich dazu Menschen aufeinander zu hetzen im Namen von "Gott" und dessen Willen.

      Allerdings habe ich in keiner Religion Kriege und Unterdrückung als "Gottes Willen" gefunden. Sehr wohl aber in allen sowas wie "liebe und achte deinen Nächsten" etc. Da hält sich nur leider niemand so wirklich dran.

      Und somit ist auch nicht die "Demokratie" des Westens Schuld daran, sondern der Starrsinn der Ägypter und ihrer Interpretation der Religionen. Eigentlich müssten nämlich fast alle Religionen friedlich miteinander leben können, wenn sie sich an die eigenen Worte halten würden, die in den Religions"Büchern" geschrieben stehen. Das dem nicht so ist zeigt, das Religion verblendet und den Verstand abschaltet.
      Also liebe Ägypter - achtet eure Nachbarn, auch wenn sie anderen Religionen angehören.

    • Genau so ist es.

      Es war abzusehen, dass aus dem "arabischen Frühling" ein "blutiger Sommer" werden wird.

      Seit Jahrhunderten die gleichen Spiele von Politik, Mächtigen der Finanzwelt und den Religionen.

      Opfer sind die ganz normalen Menschen, die ja eigentlich nur in Frieden und in auskömmlichem Wohlstand leben wollen.

    • "Mord und Totschlag sind das Resultat der westlichen Politik."

      Nein, nicht nur. Schuld ist er jeweilige "Glaube".
      Die Ansicht das Glauben unvereinbar sind, und man sich gegenseitig durch Tod für Glaubensprediger überzeugen muß, das ist der Grund für Kriege seit Jahrtausenden.
      Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Katholiken, Protestanten u. a., alle haben Krieg im Namen des Glaubens geführt, aber dienten doch nur dem jeweiligen Macht- und Militärregime zur Machterhaltung.
      Den hurenden Päpsten genauso wie den Taliban. Die Geschichte ist voll davon. Und Geschichte hört nie auf, sie wird jeden Tag neu geschrieben.
      Mal sehen ob Ägypten es schafft. Ich drücke die Daumen.

    • HB:"„Alles was Rechtsstaatlichkeit angeht, also Gewaltenteilung zwischen Justiz, Parlament und Regierung, da hat Deutschland gute Erfahrungen. Dazu können wir Experten nach Ägypten schicken“.

      Die "Experten" werden wohl nicht benötigt. Man wird in Ägypten schon wissen, wie die westliche Demokratie - insbesonere in der Bundesrepublik - funktioniert.
      Dem Islam ist die westliche Demokratie "ungewohnt".
      Hier liegt das Problem und es werden Experten benötigt, die Islamisten zu Demokraten umerziehen.
      Ob das funktioniert ???

    • (...)
      Mord und Totschlag sind das Resultat der westlichen Politik.

      Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.


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