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BMW, Mercedes, Porsche Türkei erhöht Steuer auf Neuwagen: Deutsche Luxusautos kosten nun das Dreifache

Durch die Steuererhöhung für importierte Fahrzeuge bittet Ankara Neuwagenkäufer noch stärker zur Kasse. Die Regierung verdient damit viel Geld, riskiert aber einen Marktkollaps.
02.09.2020 - 10:09 Uhr 2 Kommentare
Steuererhöhung Türkei: VW, BMW & Co. ab jetzt teurer Quelle: dpa
BMW 7er

Mit der Steuererhöhung kostet das Fahrzeug jetzt in der Türkei 264.600 Euro. Der deutsche Grundpreis beträgt 87.300 Euro.

(Foto: dpa)

Istanbul Wer sich in der Coronakrise einen Neuwagen leisten kann, der ist vermutlich wohlhabend. Wer sich in diesen Zeiten in der Türkei einen Neuwagen zulegt, der muss reich sein. Die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat eine Sondersteuer für bestimmte Konsumgüter erhöht, die vor allem bei importierten Luxusfahrzeugen wirkt.

Für Fahrzeuge über zwei Liter Hubraum und einer Bemessungsgrundlage von über 170.000 Lira steigt die Steuer sogar von 160 auf 220 Prozent. Das heißt: Auf den Netto-Listenpreis kommt mehr als das Zweifache nur für die Luxussteuer oben drauf. Anschließend wird noch die Mehrwertsteuer berechnet, die in der Türkei 18 Prozent beträgt.

Die Steuer gilt analog auch für Hybridfahrzeuge mit Verbrenner- und Elektromotor. Für reine Elektrofahrzeuge werden deutlich weniger Steuern fällig: Bis zu einer Leistung von 85 Kilowatt sind es drei Prozent, bis 120 Kilowatt sieben Prozent und darüber 15 Prozent. Zum Vergleich: Der BMW i3 hat je nach Motor eine maximale Leistung zwischen 125 und 135 Kilowatt.

Der VW Passat gehörte bisher zu den meistverkauften Importmodellen in der Türkei. Während der Grundpreis für das Einstiegsmodell mit 1,5 Litern Hubraum in Deutschland bei rund 30.200 Euro liegt, musste man in der Türkei bis Ende August umgerechnet rund 36.200 Euro bezahlen. Mit der neuen Steuererhöhung kommen noch einmal 4500 Euro obendrauf: Der Neuwagenpreis ohne Sonderausstattung beträgt ab sofort 40.700 Euro.

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    Noch deutlicher wird es bei hochpreisigen Luxusautos wie der BMW 7er-Serie. Dem deutschen Grundpreis von 87.300 Euro stand in der Türkei bisher ein Listenpreis von 198.000 Euro für das Einstiegsmodell gegenüber. Mit der Steuererhöhung kostet das Fahrzeug jetzt in der Türkei 264.600 Euro – ohne Sonderausstattung. Ausgenommen von der Steuer sind wie in der Türkei üblich lediglich Kriegsveteranen, Kriegsgefallene sowie ihre Verwandten und Menschen mit einer Behinderung.

    Die „spezielle Konsumsteuer“ (türkisch „Özel Tüketim Vergisi“, ÖTV) existiert seit 2002 und besteuert vor allem Luxusgüter, zu denen Autos, aber auch Kühlschränke gehören. Seit 2017 wurde sie im Zuge der wirtschaftlichen Talfahrt regelmäßig erhöht. Mit dem Präsidialdekret vom 31. August ist sie nochmals angehoben worden.

    Für Autos mit einem Hubraum unter 1,6 Litern und einer Bemessungsgrundlage von unter 130.000 Lira ist die Luxussteuer von 60 auf 80 Prozent angehoben worden. Für Autos bis zwei Liter Hubraum und einer Bemessungsgrundlage von bis zu 170.000 Lira beträgt die Steuer nun 150 statt 110 Prozent.

    Regierung will inländischen Produzenten helfen

    Bei Autos mit kleinen Motoren und niedrigerem Listenpreis gibt es hingegen eine kleine Entlastung. Der niedrigste Steuersatz von 45 Prozent gilt nun für Fahrzeuge bis zu einem Netto-Verkaufspreis bis 85.000 Lira. Vorher lag diese Grenze bei 70.000 Lira.

    Der Fahrzeugabsatz ging bis zum Beginn der Covid-19-Pandemie kaum zurück. Auch Importfahrzeuge liefen bis dahin gut. Das Ziel der Aktion ist jedoch klar: Einerseits braucht der türkische Staat Geld. So hat die Regierung von Staatschef Erdogan auch auf Alkoholprodukte sowie Zigaretten zuletzt die Steuern massiv erhöht.

    Andererseits will die Regierung in Ankara die Konsumenten dazu drängen, kleinere und lokal produzierte Autos zu kaufen. Deswegen ist die Steuererhöhung eine schlechte Nachricht für Produzenten kraftvoller Automobile wie Volkswagen oder BMW, aber eine gute Nachricht für lokale Hersteller wie Fiat, Renault oder den türkischen Hersteller Tofas. Dessen Aktien stiegen nach der Ankündigung der neuen Steuersätze um bis zu zehn Prozent.

    Weil diesmal der Preiszuwachs immens ist, könnte der Markt aber gehörig durcheinandergewirbelt werden. Alper Kanca, Präsident des Verbands der türkischen Automobilzulieferer (Taysad), geht davon aus, dass die Steuererhöhung den Markt für Automobile in der Türkei verkleinern wird. Andererseits akzeptiert er auch die Herausforderung, vor der der Staat jetzt steht.

    Wegen der Covid-19-Pandemie gingen ohnehin die Steuereinnahmen zurück, während der Staat gleichzeitig mehr für Krankenhäuser und Kurzarbeitsregelungen ausgeben muss. „Wer in so einer Phase noch Fahrzeuge kaufen kann, ist wohlhabend“, schlussfolgert Kanca, „und soll dann auch höhere Steuern zahlen“.

    Auch der Präsident des Automobilverbands Oyder, Murat Sahsuvaroglu, warnt vor einer Implosion beim Neuwagenmarkt. Von zehn verkauften Autos in der Türkei seien sechs Importfahrzeuge mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von über 130.000 Lira, betont er. Er fürchtet, dass Kunden, die bereits eine Anzahlung geleistet haben, diese zurückziehen könnten.

    Branche hat ihre Prognosen gesenkt

    Insgesamt hat die Branche jetzt ihre Prognosen wegen der Steuererhöhung angepasst. Gingen die Sektor-Lobbyisten zuletzt noch von einem Gesamtabsatz von 750.000 Fahrzeugen bis zum Jahresende aus, so liegt die Prognose jetzt bei ungefähr 600.000, meldet die türkische Wirtschaftszeitung Dünya. „Die erhöhte Luxussteuer hat unmittelbar für Stornierungen von Neufahrzeugen gesorgt, die erst nach Inkrafttreten der neuen Steuersätze ausgeliefert werden und bezahlt werden müssen“, schreibt die Zeitung.

    Der Türkei-Chef von Peugeot, Ibrahim Anac, glaubt wiederum an eine Verschiebung des Marktes, hin zu kleineren günstigeren Fahrzeugen. „Es wird ein neues Gleichgewicht geben.“ Der Vizedirektor von Ford in der Türkei, Özgür Yücetürk, ist der Meinung, dass Werbekampagnen und spezielle Finanzierungsangebote die Branche retten könnten.

    Zuletzt hätten Staatsbanken im Zuge der Coronakrise äußerst günstige Konsumkredite vergeben. Doch diese Aktion wurde nun eingestellt, nachdem der Wert der Lira durch die vielen neuen Kredite verwässert worden war. „Wir wollen unsere günstigen Finanzierungsangebote fortführen“, kündigt Yücetürk an.

    Mehr: Türkische Wirtschaft bricht nicht so stark ein wie erwartet – zum Preis einer schwachen Währung.

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    2 Kommentare zu "BMW, Mercedes, Porsche: Türkei erhöht Steuer auf Neuwagen: Deutsche Luxusautos kosten nun das Dreifache"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Kriegsgefallene sind also von der Luxussteuer ausgenommen? Das nenne ich Glück im Unglück!

    • Um eine staatlich gelenkte Devisen-Wirtschaft zu umgehen, kann man auch auf Zölle ausweichen. Das Wort Devisen-Zwangs-Bewirtschaftung mag das moderne Kapitalismus-Denken nicht. Es macht auah! In den Nachkriegsjahren nach 1945 hatte jedoch das Verständnis von Kapitalismus kein Problem mit festen Wechselkursen und Devisen-Zuteilung. Damals wuchs die Wirtschaft prächtig. Wertvolle Devisen für Luxus zu verschwenden ist töricht. Devisen für Vorleitungsgüter, die eine Wirtschaft aus dem Ausland braucht, sind ein wertvolles Gut und müssen gewinn-maximiert eingesetzt werden. Hallo Kapitalismus/Marktwirtschaft, Devisen-Kontrolle ist Gewinn-Maximierung pur. Wollen wir etwas den erfolgreichen Kapitalismus abschaffen?

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