Börsen-Absturz Krisentelefonat von Merkel und Sarkozy

Die Talfahrt an den Börsen alarmiert die Politik. Kanzlerin Merkel wird heute mit Frankreichs Präsident Sarkozy und Spaniens Regierungschef Zapatero telefonieren.
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Nicolas Sarkozy und Angela Merkel. Quelle: AFP

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.

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Berlin/Paris/MadridVor dem Hintergrund der weltweiten Börsen-Talfahrt wollen sich Frankreich, Deutschland und Spanien abstimmen. Dazu sei am Freitag ein Telefonat des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit Kanzlerin Angela Merkel und dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero geplant, teilte der Élysée-Palast in Paris am Donnerstagabend ohne weitere Einzelheiten mit. Sarkozy hatte am Mittwoch und Donnerstag mit dem Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, die Situation an den Börsen erörtert. Diese hatten zuletzt weltweit Verluste verzeichnet. Zudem waren Italien und Spanien unter den Druck der Märkte geraten.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte vorgeschlagen, den inzwischen 440 Milliarden Euro schweren Krisenfonds EFSF weiter aufzustocken. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten forderte Barroso die Regierungen zu einer „raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF“ auf: Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds „über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen“.

Eine Sprecherin Barrosos sagte dazu, mit „allen Elementen“ sei auch die Finanzausstattung des bisher über ein Volumen von 440 Milliarden Euro verfügenden Krisenfonds gemeint. „Wir müssen überlegen, wie wir die Effizienz des EFSF und des (ab 2013 an dessen Stelle tretenden) ESM weiter verbessern können, um die derzeitige Ansteckung zu bekämpfen“, schrieb Barroso.

Keine Gegenliebe fand der Vorstoß in Berlin: Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wies die Idee Barrosos zurück und warnte davor, eine Debatte aus der Zeit vor dem Krisengipfel neu zu beleben. Nach einem Zwischenhoch am Vormittag stürzte der Dax am Nachmittag deutlich unter 6400 Punkte - den tiefsten Stand des Jahres. Es war der siebte Handelstag mit Verlusten in Folge.

Die Lage am US-Aktienmarkt verschärfte sich am Donnerstag dramatisch: Der Dow Jones Industrial stürzte um mehr als 500 Punkte ab und fiel erstmals seit Dezember 2010 wieder unter die Marke von 11 400 Punkten. Damit unterbot er deutlich sein bisheriges Jahrestief, dass er im März während der sich zuspitzenden Reaktorkatastrophe in Fukushima erreicht hatte. Laut Händlern führten die Sorgen um das US-Wirtschaftswachstum global zu einer beschleunigten Flucht aus Aktienwerten. Marktteilnehmer warten nun mit besonders großer Anspannung auf den heute anstehenden US-Arbeitsmarktbericht.

Die negative Tendenz an den Börsen setzte sich am Freitagmorgen in Asien fort. Der Nikkei-Index in Tokio verlor bis zur Handelsmitte mehr als drei Prozent. Schwere Verluste erlitten auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong und Australien. Die Rendite der zuletzt stark unter Druck geratenen italienischen Staatsanleihen sank wieder knapp unter die Marke von sechs Prozent.

Die mit Spannung erwartete Rede von Regierungschef Silvio Berlusconi zum Sparpaket stieß allerdings auf ein verhaltenes bis negatives Echo. Das Euro-Krisenland Spanien schaffte am Donnerstag trotz der jüngsten Finanzmarkt-Verwerfungen eine vergleichsweise erfolgreiche Auktion bei seinen Staatsanleihen - allerdings zu den höchsten Preisen seit drei Jahren.

  • dpa
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13 Kommentare zu "Börsen-Absturz: Krisentelefonat von Merkel und Sarkozy"

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  • Merkel: "Sarko ich mag nicht mehr bezahlen". Sarko: "Du musst, sonst lade ich Dich nicht mehr zu Froschschenkeln in den Ellysee ein". Merkel: "Na gut, aber sag dre deutschen Presse, das es alternativlos war". Sarko: "Ui bon bon madame".

  • Die Party ist vorbei Leute...

  • Was soll das ständige Gemecker über Merkel. Wir haben sie 2009 gewählt, wir haben nichts besseres verdient.
    Gute Besserung
    Wolfram007

  • Wir haben erst vor 65 Jahren Millionen von Toten und ein zerstörtes Kontinent wegen des primitivsten allen Gefühlen, des Nationalismus, erlebt, verstanden haben wir anscheinend gar nicht. Ein Teutone bleibt ein Teutone auf ewig, erst wenn es sie nicht mehr gibt wird man in Europa Ruhe haben.

  • Wir brauchen ein Nürnberg 2

  • Nicht vergessen - seit Ende des II. Weltkrieges werden wir hauptsächlich von den USA/UK regiert und die Politikernasen haben zu machen was sie befohlen bekommen !!!!!
    Deutschland als souveränen Staat gibt es nicht !!!!
    Es ist nur Waffenstillstand - es existiert KEIN FRIEDENSVERTRAG !!!

  • dann ist heute mal wieder der Tag für die Planwirtschaft, selbstverständlich nur für die systemkritischen großen Player. Den hochgelobten Kapitalismus begrenzen wir dann auf den kleinen Deppen Ottonormalhamster, der sich im "Wettbewerb" ja weiterhin mit seinen indischen und chinesischen Konkurrenten messen lassen muß, mit wettbewerbsfähigen Hungerlöhnen versteht sich.

  • Rom brennt und die Deutschen sorgen sich um die Inflation!! Die EZB hat als einzige bereits die Zinsen wieder nach oben gebracht und den Bond-Ankauf gestoppt, denn die Deutschen fürchten ein wenig Inflation. Ist euch ein Euro-Staatsbankrott lieber? Die Schweizer, Japaner haben alle nach unten interveniert, die Fed wird bald wieder QE aufstocken und die Engländer vielleicht auch. Nur die EZB glaubt nocht, die heilige deutsche Kuh der Inflation ist zu bewahren, wenn es auch woanders richtig kracht. Unglaublich. Ich hoffe, Frau Merkel ist zufrieden.

  • Warum ist es besorgniserrregend, wenn die Börsen fallen ?
    Warum ? ich dachte, dass ist ein "freier Markt" ?

    Doch nicht so frei das ganze, was ?`Kracht das ganze Kartenhaus zusammen, wenn die Kurse fallen, was ?

    Glaub alles sowieso kein Mensch mehr. Das Finanzsystem ist schon seit 2008 kaputt, jetzt ist nur noch der "Abspann".

    POlitiker, eure Namen sind aufgeschrieben ! Ihr werdet für eure Taten zur Verantwortung gezogen werden !

  • ...man kann nur hoffen, daß die Lage noch schlimmer wird. Wann fällt die Entscheidung des Bundesverfassungsgericht? Im September? Die 8 Richter lesen glücklicherweise ja auch Tageszeitung.
    Beendet endlich den Euro-Spuk, das wird zwar teuer und bitter für Deutschland, aber wir gehen immerhin nicht unter.
    Von Merkerl ist nichts zu erwarten. Die bekommt Ihre Anweisungen aus Frankreich und von Herrn Ackermann.

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