Bohrschiff dreht ab Türkei setzt sich im Gasstreit vorerst gegen Zypern durch

Die Türkei will verhindern, dass Zypern im Meer um die Insel nach Gas bohrt – notfalls mit militärischen Mitteln.
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Zwei Wochen hinderten türkische Kriegsschiffe das Bohrschiff „Saipem 12000“ daran, dass Erkundungsgebiet in Block 3 zu erreichen. Quelle: dpa
Bohrplattform im Mittelmeer

Zwei Wochen hinderten türkische Kriegsschiffe das Bohrschiff „Saipem 12000“ daran, dass Erkundungsgebiet in Block 3 zu erreichen.

(Foto: dpa)

Istanbul/AthenDer Streit um mögliche Gasvorkommen im Meeresboden um die Mittelmeerinsel Zypern droht zu eskalieren. Während die zyprische Regierung darauf besteht, weiter nach möglichen Vorkommen suchen zu wollen, droht die Türkei, eine Gasexploration mit militärischen Mitteln zu verhindern. Offenbar hat sich die Türkei vorerst durchgesetzt.

Das vom italienischen Energiekonzern Eni gecharterte Bohrschiff „Saipem 12000“ hat am Freitagmorgen seine Position in der Nähe eines Forschungsgebietes im Südosten der Hafenstadt Larnaka in Richtung Westen verlassen. Dies berichtete nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa das zyprische Staatsradio.

Die Türkei werde nicht erlauben, dass die zyprische Regierung „unilateral nach Gas sucht“, stellte der türkische Energieminister Berat Albayrak am Donnerstag klar. Albayrak, der gleichzeitig Schwiegersohn von Präsident Erdogan ist, kündigte außerdem an, die Suche nach Erdgas solange zu blockieren, bis ein Plan zu Wiedervereinigung der geteilten Insel vorliege. „Solange es keine konkreten und rationalen Lösungen gibt, werden wir etwas tun “, sagte Albayrak auf einem Energieforum in Istanbul. „Wenn unilaterale Aktionen ausgeführt werden, müssen wir handeln.“

Zypern ist geteilt, seit im Sommer 1974 die Türkei den Nordteil besetzte, um eine Annexion der Insel durch die damalige griechische Obristenjunta und die befürchtete Vertreibung der türkischen Volksgruppe zu verhindern. Ethnische Türken stellen etwa ein Fünftel der Inselbewohner. Bisher sind alle Versuche einer Wiedervereinigung im Sande verlaufen. Der vorerst letzte Anlauf erlitt im Sommer 2017 Schiffbruch.

Die Einigungsverhandlungen im schweizerischen Crans Montana scheiterten vor allem an Differenzen über territoriale Fragen, die Rolle der Türkei als Schutzmacht eines wiedervereinigten Zypern und die Präsenz türkischer Soldaten auf der Insel.

Vor der Süd- und Ostküste Zyperns werden bedeutende Erdgasvorkommen vermutet. Eine Studie der Royal Bank of Scotland bezifferte 2012 den Marktwert der mutmaßlichen Vorräte auf „mehr als 600 Milliarden Euro“. Das wäre ein gewaltiger Bodenschatz für die Insel, die noch 2013 am Rand des Staatsbankrotts stand und mit Hilfskrediten der Euro-Partner gerettet wurde.

Die Republik Zypern hat in den vergangenen Jahren in Verhandlungen mit den Anrainern Israel und Ägypten ihre Wirtschaftszonen abgesteckt. Vor der Süd- und Ostküste hat die Regierung 13 Explorationsgebiete, so genannte Blocks, ausgewiesen und Konzessionen an mehrere internationale Energiekonzerne vergeben. Anfang Februar meldete der italienische Mineralöl- und Energiekonzern Eni einen Gasfund im Block 6. Auch der französische Energiekonzern Total teilte mit, man habe vor Zypern ein vielversprechendes Vorkommen entdeckt.

Die Türkei spricht Zypern das Recht ab, Konzessionen für die Öl- und Gassuche zu vergeben. Ankara fordert nicht nur eine Beteiligung der türkischen Zyprer. Die Türkei erhebt auch selbst Ansprüche auf die von Zypern ausgewiesenen Gebiete. Nach Interpretation Ankaras gehören Teile der Blocks 1, 4, 5, 6 und 7 zur türkischen Wirtschaftszone. Die Türkei erkennt das EU-Mitglied Zypern völkerrechtlich nicht an und respektiert infolgedessen auch nicht die Wirtschaftszone der Republik Zypern.

Die türkische Führung in Ankara reizt derzeit ihre Außenpolitik aus. In Nordsyrien riskiert Ankara durch die Militäroperation „Olivenzweig“ eine Konfrontation mit US-amerikanischen Truppen in der Region. Zur EU pflegt Staatschef Erdogan schon seit längerem ein abgekühltes Verhältnis. Gleichzeitig nähert sich das Nato-Mitglied Russland an. Und in der Ägäis streitet sich Ankara schon seit Jahrzehnten mit Griechenland um eine Handvoll Inseln und die dazugehörigen Hoheitsrechte.

Mit einer Seeblockade hinderten türkische Kriegsschiffe zwei Wochen das Bohrschiff „Saipem 12000“ daran, ein Erkundungsgebiet in Block 3 zu erreichen. Dort sollte das Schiff im Auftrag des italienischen Energiekonzerns Eni nach Gas suchen. Die Türkei begründete die Blockade formal mit Marinemanövern in der Region. Sie sollten eigentlich am Donnerstag zu Ende gehen. Ankara verlängerte die Manöver aber bis zum 10. März. Damit dürfte die geplante Bohrung zeitlich nicht mehr durchführbar sein.

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