Boni-Debatte in der Schweiz Attacke gegen die Abzocker

Die ausufernde Vergütung von Managern sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Ausgerechnet die liberalen Schweizer wollen nun eine einmalige Regelung beschließen – das dürfte auch die Debatte in Deutschland anheizen.
Update: 03.03.2013 - 15:22 Uhr 31 Kommentare
Viele Schweizer haben genug von üppigen Vorstands-Boni.

Viele Schweizer haben genug von üppigen Vorstands-Boni.

ZürichEs ist diese Tage nicht leicht, Thomas Minder zu erreichen. Sein Telefon im Büro in der von ihm geleiteten Trybol AG, einem mittelständischen Hersteller von Zahnpasta und Mundwasser, ist ständig besetzt. Denn Minder gibt Interviews am laufenden Band; skandinavische, amerikanische und auch russische Medien wollen ihn sprechen; denn Minder ist der Mann hinter der so genannten „Abzocker-Initiative“. Am Sonntag stimmten die Schweizer über seinen Text ab, mit dem er das Schweizer Aktienrecht grundlegend geändert wird.

Die zur Abstimmung stehende Verfassungsänderung umfasste 24 Punkte. Eine Obergrenze für Boni oder Gehälter sieht Minders Initiative nicht vor. Kernpunkt ist stattdessen, dass die Aktionäre jedes Jahr über die Gesamtsumme der Gehälter von Vorstand und Verwaltungsrat abstimmen müssen. Die Mitglieder des Verwaltungsrates sollen sich zudem jedes Jahr der Wiederwahl stellen. Antritts-Zahlungen oder Abgangs-Entschädigungen sollen verboten werden. Bei Zuwiderhandlungen drohen den Verantwortlichen Geld- oder gar Gefängnisstrafen.

„Ich habe nie gesagt, dass ich Gehälter limitieren will. Ich will den Willen der Aktionäre stärken“, sagt Minder zu Handelsblatt Online. Die in der Schweiz wichtigen Pensionskassen sollen daher verpflichtet werden, auf Hauptversammlungen abzustimmen und anschließend sollen sie ihre Voten offen legen.

Damit Privatanleger leichter ihre Stimmrechte wahrnehmen können, sollen Unternehmen elektronische Abstimmungen ermöglichen. Das in der Schweiz noch übliche Depot-Stimmrecht will Minder abschaffen. Bisher müssen Banken im Sinne der Konzernführung stimmen, wenn der Depot-Kunde keinen Stimmauftrag erteilt hat.

Ob die Initiative ihre Ziele erreicht, ist unklar
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31 Kommentare zu "Boni-Debatte in der Schweiz: Attacke gegen die Abzocker"

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  • @FatFinger: Deutschland wäre links?

    Deutschland ist so radikal links, dass selbst die CDU vor 150 Jahren noch als linksextrem bezeichnet worden wäre.

    Aber möglicherweise ist es hilfreich kurzzeitig die Begriffe links und rechts zur Seite zu lassen und sich statt dessen auf den Begriff 'Eigenverantwortung' zu konzentrieren.

    Denn IMO ist das der Kern des Liberalismus: Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich.

    Und nun Sie: Rund 20% aller Menschen in Deutschland leben ausschließlich von staatlichen Zuwendungen (Hartz4, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld). Rund die Hälfte aller Arbeitnehmer arbeiten direkt oder indirekt für den Staat (Staatsquote in Deutschland rund 50%). Finanziert wird der Spaß dadurch, das Angestellte rund 80% ihres Einkommens (Rente+KV+Steuer+MwSt) an den Staat abführen.

    Wo bitte haben wir in Deutschland Kapitalismus? Was wir haben ist Sozialismus mit einem eingeschränkten Recht auf Privateigentum.

  • Gewissen zu beleiden klingt beim ersten Hören extrem sarkastisch. Allerdings nur bei ersten Hören.

    Gewissen ist ein halbbewusste Denkmuster, welche über Ideologien und Religionen implementiert werden. Und IMO will kein geistig gesunder Mensch sowas haben.

    Die Alternative zum Gewissen ist der Verstand. Ein Mechanismus der rational bewerten kann.

    In der Praxis wird das Gewissen regelmäßig von Ideologen und Religionen benutzt um Leuten ein schlechtes Gewissen zu machen. Um sie dafür zu verdammen, wenn sie das tun was sie tun. Zum Beispiel wenn sie versuchen beruflich erfolgreich zu werden.

    Üblicherweise ist ein schlechtes Gewissen mit einer Auflage verbunden. Man kann sich von seinem schlechten Gewissen frei kaufen. Etwa indem man Betrag xy an abc (der Kirche, der richtigen Partei, dem Kollektiv, ...) überweist.

    Eine andere Variante dem schlechten Gewissen zu entgehen, ist es ein lebenslanges Opfer zu bleiben. Denn Opfer sind ja niemals Schuld an etwas... Sagt jedenfalls die Kirche oder die persönliche Ideologie.

    Ganz nüchtern könnte man aber auch sagen: Ein Opfer hat seinen Opferstatus gewählt. Und ist damit selbst verantwortlich. Und wer für sein eigenes Handeln (oder auch Nicht-Handeln) verantwortlich ist, braucht kein Mitleid.

    Daher: Auch ich habe kein schlechtes Gewissen. Ein schlechtes Gewissen wird von Leuten gemacht, die mir meine Lebenskraft, mein Geld, meine Energie, meinen Mut und meine Kreaktivität rauben wollen.

  • Nur das die Wirtschaft in diesem Punkt gar nicht so frei ist ... Oder wurden Sie als Aktionär schon einmal gefragt, wieviel sie einem Manager-Bewerber zahlen wollen ? Die Aufsichtsräte, i.d.R. selbst Manager in einem anderen Unternehmen, stecken doch mit den Managern unter einer Decke und plündern gemeinsam Beschäftigte und Aktionäre aus.

  • @RRef

    Auch in diesem Punkt täuschen Sie sich.

    Aber Sie machen ja ansonsten den Eindruck eines ausgewiesenen Experten und rechten Schlaumeiers. Da sind Sie sicherlich ohne jede Mühe und Risiko zu Wohlstand gekommen. Als Kind einfacher Leute musste ich leider den schwierigen Weg zum Erfolg wählen.

  • Nein, das war kein Sarkasmus.
    Ich bemitleide Menschen mit einem Gewissen wirklich.

  • Das Aktiengesetz muß neu geregelt werden
    und dabei die Manager und Aufsichtsratgehälter
    auf z.B. das 20-fache oder 30-fache des Durch-
    schnittsgehalts in der Firma begrenzen, dann
    gibts keine Probleme mehr.

  • Wegen Durchgriffshaftung? Wohl eher nicht. Oder wären die 25.000 € Ihr gesamtes Vermögen gewesen?

  • Stimmt -- die Manager haben sich eine Position verschafft, die ihnen nicht zusteht.

  • @RRef

    In meinem Fall hätte ich mit meinem gesamten Vermögen haften müssen.

  • Wird auch Zeit, dass dem Wahnsinn endlich einmal ein Riegel vorschoben wird.

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