Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Boris Johnson „Ich werde Großbritannien zum großartigsten Land der Welt machen“

Bescheidenheit ist nicht die Sache des neuen britischen Premierministers Boris Johnson. Er startet mit vollmundigen Versprechen in den Regierungsalltag.
1 Kommentar
Der rituelle Antrittsbesuch des Premierministers bei der Queen. Quelle: imago images / i Images
Boris Johnson und Queen Elizabeth II

Der rituelle Antrittsbesuch des Premierministers bei der Queen.

(Foto: imago images / i Images)

London Von britischer Bescheidenheit keine Spur: Er wolle Großbritannien „zum großartigsten Land der Welt machen“, ruft Boris Johnson bei seiner ersten Ansprache als Premierminister dem Parlament zu. Es liege „hier viel zu viel Pessimismus“ in der Luft, entgegnet er Abgeordneten, denen das Pathos des neuen, starken Mannes nicht geheuer ist.

„Dieses Land wird unterschätzt“, ruft er, wild mit den Armen fuchtelnd. „Es ist sehr wohl möglich, dass das Vereinigte Königreich bis 2050 die größte und erfolgreichste Volkswirtschaft Europas sein wird.“ Wie US-Präsident Donald Trump verbreitet Johnson unverdrossen Optimismus – und seine Fans lieben ihn dafür.

Am Mittwoch hatte Königin Elisabeth II. Alexander Boris de Pfeffel Johnson zum 77. Premierminister Großbritanniens ernannt. Endlich war er da, wo er seit Langem hinwollte. Denn dass Johnson Premier werden wolle, zweifelte in Großbritannien keiner, selbst wenn der früher schon mal kokettierte, er werde eher „als Olive wiedergeboren als einmal Premierminister“.

Noch in der Nacht stand sein neues Kabinett, klar dominiert von Brexit-Hardlinern – wenngleich sich auch für seinen jüngeren Bruder Jo Johnson, der beim Thema Brexit bislang eine moderatere Richtung eingeschlagen hatte, ein Posten als Staatssekretär fand.

Was Johnsons oberste Priorität in seinem Amt sein wird, macht der wie immer verstrubbelte Politiker vor dem Parlament einmal mehr klar: „Am 31. Oktober müssen wir aus der EU ausscheiden“, ruft Johnson, er werde alles Nötige dafür tun – auch wenn er am liebsten mit einem Deal ausscheiden würde. Dieser dürfe jedoch nicht mehr die Vorkehrungen zur Vermeidung einer harten Grenze auf der irischen Insel behalten. Auch eine zeitliche Einschränkung des sogenannten „backstop“ sei keine Lösung.

Der Einwurf, dass die EU keine Bereitschaft zeige, den Brexit-Deal neu zu verhandeln, prallt an ihm ab. „Was soll dieser Defätismus?“, entgegnet er. „Das ist genau die negative Einstellung, die in den vergangenen drei Jahren hier geherrscht hat.“ Es sei doch auch im Interesse der EU, eine Lösung zu finden.

Kasper und Sprücheklopfer

Viele lassen sich von dem Enthusiasmus überzeugen, mit dem Johnson seine Theorien verbreitet und Versprechen macht. Seine Kritiker halten ihn dagegen für einen Kasper, für einen Sprücheklopfer ohne viel Substanz.

Seit Jahren ist der Brexit das Thema, über das sich der Politiker Johnson profiliert. In der Kampagne vor dem EU-Referendum zählte Johnson, damals noch Bürgermeister von London, zu denen, die den Abschied von Europa euphorisch beschworen. „Ohne Boris hätten die Leaver nicht gewonnen“, sagt ein Politiker. Sein überzeugendes Auftreten und seine große Bekanntheit hätten den Ausschlag gegeben, dass eine knappe Mehrheit der Briten für den Bruch mit der Europäischen Union stimmte.

Kritiker unterstellen Johnson, er habe sich nur deshalb für den Brexit eingesetzt, weil es für ihn ein Karriere-Turbo gewesen sei. Als das Referendum dazu führte, dass Premierminister David Cameron im Juni 2016 zurücktrat und die Konservative Partei einen Nachfolger suchte, galt es als sicher, dass Johnson für das Amt kandidieren würde. Doch kurz vor dem Ende der Frist für die Bewerbung, die ihn an die Schwelle von No. 10 Downing Street hätte tragen können, drehte Johnson überraschend bei.

Hinter den Kulissen hatten offenbar Johnsons parteiinterne Gegner gegen ihn gearbeitet und unter der Losung „ABB“ („Anyone But Boris“, zu Deutsch: „Jeder, nur nicht Boris“) versucht, seine Kandidatur zu verhindern. Aber Johnson verschwand nicht lange von der politischen Bühne: Im Juli 2016 ernannte Premierministerin May ihn zum britischen Außenminister – was international für Überraschung sorgte.

Schließlich ist die Liste derjenigen Politiker lang, die Johnson im Laufe der Jahre öffentlich beleidigt hatte – auch US-Präsident Trump. Angesprochen auf die Tatsache, dass er einmal in New York mit dem Amerikaner verwechselt worden sei, erklärte er uncharmant, das sei „der schlimmste Moment in seinem Leben gewesen“.

Doch Johnson schreckt grundsätzlich nicht davor zurück, seine Meinung zu ändern, und so erblühten plötzlich seine Sympathien für den US-Präsidenten, der diese Schwärmerei gern erwiderte. „Ich mag ihn“, säuselte Trump vor wenigen Tagen: „Ich glaube, wir werden großartig miteinander auskommen.“

Mehr: Boris Johnson ist am Mittwoch offiziell zum Premierminister von Großbritannien ernannt worden. In seiner Antrittsrede versprach Johnson ein neues Austrittsabkommen auszuhandeln.

Startseite

Mehr zu: Boris Johnson - „Ich werde Großbritannien zum großartigsten Land der Welt machen“

1 Kommentar zu "Boris Johnson: „Ich werde Großbritannien zum großartigsten Land der Welt machen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dann erwarten wir jetzt den Massenumzug zum grossartigsten Land der Welt. Schade das
    British Airways und Ryanair Streiks angekuendigt haben.

Serviceangebote