Botschafter in London Wie Russland die Welt im Skripal-Fall von seiner Unschuld überzeugen will

In London beteuert der russische Botschafter, dass sein Land nicht an dem Giftanschlag auf den Ex-Spion beteiligt war. Zugleich äußert sich erstmals Skripals Tochter.
Update: 06.04.2018 - 02:30 Uhr 8 Kommentare

Russischer UN-Botschafter: „Großbritannien, das wird Ihnen noch leid tun“

LondonMan könnte es als eine Art Charmeoffensive sehen: Am Donnerstag lud der russische Botschafter Dutzende Journalisten zu einer Pressekonferenz in seine prachtvolle Dienstvilla im Londoner Süden ein. Über eine Stunde versuchte Alexander Jakowenko dann, die Öffentlichkeit von der Unschuld Russlands zu überzeugen – und ließ mehrfach Andeutungen fallen, dass andere Nationen an dem Giftanschlag beteiligt sein dürften.

Russland habe nie das Nervengift Nowichok hergestellt oder besessen, beteuerte der Top-Diplomat mehrfach. Es seien doch auch zahlreiche andere Länder in der Lage, das Nervengift herzustellen, fügte er an. Und das erste Mal sei Nowichok schließlich in den Berichten amerikanischer Wissenschaftler erwähnt worden.

Nowichok wurde, davon ist die britische Regierung überzeugt, bei dem Giftanschlag vor gut einem Monat im englischen Salisbury eingesetzt, um den Ex-Spion Sergej Skripal auszuschalten. Hinter dem Vorfall stecke „höchstwahrscheinlich Russland“, erklärte die britische Premierministerin Theresa May und löste damit eine diplomatische Krise aus, die zunehmend über Großbritannien und Russland hinaus geht.

Nachdem Großbritannien 23 Diplomaten des Landes verwies, mussten auch 23 britische Diplomaten Russland verlassen - sowie weitere Vertreter anderer Länder, die zuvor dem Beispiel Großbritanniens gefolgt waren.

Skripal ist noch immer im Krankenhaus in Behandlung. Seine Tochter Julia, die ebenfalls der Chemikalie ausgesetzt war, ist offenbar wieder bei Bewusstsein und ansprechbar. Laut einer Pressemitteilung der britischen Polizei ist die 33-Jährige auf dem Weg der Besserung.

„Ich bin vor einer Woche aufgewacht“, wird sie in der Pressemitteilung zitiert. „Seitdem spüre ich, wie die Kraft immer mehr zurückkommt. Ich bin sehr dankbar über die Aufmerksamkeit, die mir zukommt, und die vielen Besserungswünsche, die mich erreicht haben.“

Der russische Botschafter erklärte, er sei sehr froh zu hören, dass es Julia wohl wieder besser gehe und er wünsche auch ihrem Vater gute Besserung. Russland betrachte den Ex-Agenten, der sowohl für den russischen als auch für den britischen Geheimdienst gearbeitet hatte, nicht als eine Person, die man umbringen müsse.

Skripal sei schließlich für seine Taten in Russland zu einer Gefängnisstrafe verbüßt worden, die er abgesessen habe, erklärte Jakowenko. Skripal habe zuletzt als Privatmann in Großbritannien gelebt. Aber auf der Insel, sagte der Botschafter mit schwer zu deutendem Unterton, seien „in den vergangenen zehn Jahren ja viele Russen unter seltsamen Umständen ums Leben gekommen“.

Russland sei in keiner Weise involviert in den Vorfall in Salisbury, erklärte er. Und sein Land habe - anders als in den Medien dargestellt - Fragen der britischen Regierung beantwortet. Andererseits erhalte man jedoch keine Antworten, kritisierte Jakowenko.

Er forderte, dass man Russland in die laufenden Untersuchungen der Briten und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen OPCW einbinden müsse. Die für kommende Woche erwarteten Ergebnisse des OPCW müssten Russland und der Öffentlichkeit präsentiert werden – dann werde man entscheiden, wie Russland weiter vorgehe. „Das ist eine sehr ernste Sache, wir müssen die Wahrheit wissen“.

Bei einem Treffen der OPCW am Mittwoch hatte Russland den Kürzeren gezogen. Bei der Abstimmung, ob eine weitere Untersuchung der Giftattacke im englischen Salisbury stattfinden solle, wurde gegen den Antrag Russlands gestimmt. Doch als Schlappe will man das in Moskau nicht betrachten: Der größte Teil der Welt habe sich doch enthalten oder gegen die Briten gestimmt, sagte der Botschafter.

Der Streit zwischen Russland und Großbritannien hat nicht nur das Verhältnis der beiden Länder zueinander verändert, sondern auch dazu geführt, dass sich zahlreiche Nationen aus der EU und die USA hinter Großbritannien stellten.

In Großbritannien geriet derweil Außenminister Boris Johnson unter Druck, nachdem britische Experten dessen Äußerungen, man könne die verwendete Chemikalie zweifelsfrei auf russische Quellen zurückverfolgen, widerlegten. Ein entsprechender Tweet aus dem britischen Außenministerium wurde gelöscht – eine Tatsache, auf die der Botschafter nun mit sichtlicher Genugtuung hinwies.

Doch an der Einschätzung der britischen Regierung, dass Russland hinter dem Vorfall stehe, ändere sich nichts, berichteten britische Medien am Morgen. Man habe schließlich auch Beweise, die nicht der Öffentlichkeit bekannt seien – auch nicht dem Führer der Opposition, Jeremy Corbyn, der heftige Kritik an Johnson geäußert hatte.

Für Donnerstagabend hat Russland eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates zu dem Thema einberufen. Von dem russischen Vorgehen, das „schamloser Zynismus“ sei, werde sich die Welt aber nicht täuschen lassen, twitterte der britische Außenminister zuvor.

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8 Kommentare zu "Botschafter in London: Wie Russland die Welt im Skripal-Fall von seiner Unschuld überzeugen will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Günter Weidner
    06.04.2018, 12:44 Uhr
    Und ich dachte immer, dass die Schuld bewiesen werden muß, also kurz, die Unschuldsvermutung in Ländern gilt, die sich demokratisch nennen. Aber die Zeiten ändern sich.....

    ......................

    Früher gab es einen Aufkleber worauf stand :

    " Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin ! "

    HEUTE SCHREIBE ICH MIR MEIN EIGENER PICASSO FÜR MEINE WAND worauf es steht :

    " STELLT EUCH VOR ES GIBT AUF DER WELT DEMOKRATIE, NUR WIR IN EUROPA DÜRFEN ES NICHT IM ORIGINAL BETREIBEN ! "

  • Herr Günter Weidner
    06.04.2018, 12:44 Uhr
    Und ich dachte immer, dass die Schuld bewiesen werden muß, also kurz, die Unschuldsvermutung in Ländern gilt, die sich demokratisch nennen. Aber die Zeiten ändern sich.....

    ......................

    Sie könnten Recht haben mit Ihrer Vermutung, ABER DIESE EUROPÄISCHE UNION IST NICHT DEMOKRATISCH !

    Sonst hätte der Rest der 370 MILLIONEN EU-WAHLBERECHTIGTE die nach Abzug der britischer Wähler übrig bleibt EBENSO EIN DEMOKRATISCHEN RECHT BEKOMMEN EINEN REFERENDUM HABEN ZU KÖNNEN WONACH MAN WÄHLEN KÖNNTE OB EXIT AUS DER EU AUCH FÜR ALLE ANDERE ÜBRIG IN DER EU VERBLEIBENDE MITGLIEDSSTAATEN AUCH EBENSO GELTEN WÜRDE !!!

    SELBST DIE KRIM BEKAM EIN REFERENDUM und Angeblich ist Rußland an und für diese EU nicht Demokratisch genug !


  • Und ich dachte immer, dass die Schuld bewiesen werden muß, also kurz, die Unschuldsvermutung in Ländern gilt, die sich demokratisch nennen. Aber die Zeiten ändern sich.....

  • Wenn man ins internet schreiben würde daß man " ASPIRININ " zu kaufen suchen würde, dieses aber mit Aspirin nichts zu tun hätte, dann wäre man in Minuten schnelle als Roteste der Rote Listen aufgeführt bei Interpol, FBI, KGB/FSB,MI-6, oder sonstige Polizeiliche Computer weltweit !

    ...................................

    WIE ?
    ASPIRININ ?
    Wegen dem Routieren jetzt alle Computer aller Internationale Geheimdienste und suchen was dieses für eine Substanz ist !

    ANTWORT : Von mir erfundener Name !

    Sucht lieber den Täter als nach solche begriffen !

  • Wenn wir nicht einmal wissen was und wie viel und wo wir etwas haben ?

    Wissen unsere Staatsoberhäupter überhaupt was diese uns gegenüber an Pflichterfüllungen haben und was alles dazu gehört ???
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    Wenn man ins internet schreiben würde daß man " ASPIRININ " zu kaufen suchen würde, dieses aber mit Aspirin nichts zu tun hätte, dann wäre man in Minuten schnelle als Roteste der Rote Listen aufgeführt bei Interpol, FBI, KGB/FSB,MI-6, oder sonstige Polizeiliche Computer weltweit !

    Doch wer da alles in dieser Welt bewaffnet mit Höchste Giftige Substanzen oder Viren spazieren geht auf dem Globus, dafür haben selbst die staaten die diese Personen beauftragt haben keine eigene Personal Listen ?

    Warum überprüft man seine Krieger dann nicht jetzt schnell wer ausser der reihe getanzt ist ???



  • https://www.focus.de/politik/ausland/giftanschlag-auf-ex-spion-fall-skripal-welche-fragen-offen-sind_id_8720222.html

    "Dreckige Spiele"
    "Wir haben unseren britischen Kollegen gesagt, dass sie mit dem Feuer spielen und das noch bereuen werden", sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja und warf Großbritannien "dreckige Spiele" vor. "Diese ganze zweifelhafte Sache ist eine Erfindung oder eine Provokation der übelsten Sorte." Russland habe mit der Vergiftung der Skripals nichts zu tun, es gehe nur darum, "unsere politische Legitimität grundsätzlich in Frage zu stellen".
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    DAS GANZE ALS SPIEL egal welcher Art zu Titulieren ist nicht gerade überzeugender Hoher " IQ " !

    Einen besseren beweis von " HOHEN IQ " wäre " INTERNATIONALER BESSERE INVENTUR DER EIGENE GIFTE, VIREN UND SUBSTANZEN DAFÜR ! "

    DIE GRÖßTE FRAGE DABEI BLEIBT :

    Warum werden wir International nicht aktiver diese Bestände besser zu registrieren und besser Aufzulisten als auch dieses da sein dann des öfteren zu kontrollieren ?

    DANN ABER WOLLEN WIR DEN INTERNATIONALEN TERRORISMUS IN DIE SCHRANKEN WEISEN ? WIE DENN ?

    Wenn wir nicht einmal wissen was und wie viel und wo wir etwas haben ?

    Wissen unsere Staatsoberhäupter überhaupt was diese uns gegenüber an Pflichterfüllungen haben und was alles dazu gehört ???



  • Russland muss niemand von seiner Unschuld ueberzeugen - GB muss eine evtl Schuld
    beweisen! Der britische Botschafter sagte, GB habe nichts zu verstecken. Richtig ist
    GB hat nichts vorzuweisen!

  • BOTSCHAFTER IN LONDON
    Wie Russland die Welt im Skripal-Fall von seiner Unschuld überzeugen will
    In London beteuert der russische Botschafter, dass sein Land nicht an dem Giftanschlag auf den Ex-Spion beteiligt war. Zugleich äußert sich erstmals Skripals Tochter.

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    WER GEWINNT DABEI WENN RUSSLAND SICH MIT ENGLAND IM STREIT BEFINDET ???

    WER VERKAUFT DANN IMMER MEHR WAREN AN RUSSLAND DABEI ???

    Und dann muß man auch an Russland fragen :
    WER HATTE ALLES EVENTUELLE MUSTER DES GIFTES ERHALTEN ?
    IST KONTROLLIERT WORDEN OB DIESE NOCH VORHANDEN SIND, falls noch vorhanden auch nicht gestreckt oder ersetzt wurde ???

    Ein Anwalt ist in eigene Sache immer ein schlechter Anwalt !



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