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Brand des Pariser Wahrzeichens Experten entdecken Schwachstellen in Notre-Dame-Gewölbe

Nach ersten Erkenntnissen sind einige Teile der Notre-Dame einsturzgefährdet. Daher werden fünf Wohnhäuser in der unmittelbaren Nachbarschaft geräumt.
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„Das Gebäude ist noch sehr heiß. Es besteht die Gefahr, dass Steine herunterbrechen“

Paris, DüsseldorfÜber Stunden schlugen am Montagabend Flammen aus dem Dachstuhl des Pariser Wahrzeichens Notre-Dame, über dem monumentalen Sakralbau war eine riesige Rauchsäule zu sehen. Mittlerweile ist der Brand zwar gelöscht, doch die Bilanz ist verheerend – der Wiederaufbau wird Jahre dauern.

Experten und Architekten untersuchten am Morgen, wie die Feuerwehr ihre Arbeit fortsetzen kann und ob die Kathedrale nun stabil ist. Nach ersten Erkenntnissen haben Fachleute „einige Schwachstellen“ im Gebäude entdeckt, sagte Innen-Staatssekretär Laurent Nuñez am Dienstag. Diese betreffen vor allem die Gewölbe. Im Ganzen halte die Struktur aber gut, fügte er hinzu.

Dennoch waren das nicht unbedingt beruhigende Nachrichten, denn zuvor sprach die Pariser Feuerwehr davon, dass die Struktur der beiden Türme eigentlich geschützt sei. Im Zuge der Absicherung der historischen Kirche wurden nun fünf Wohnhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft geräumt. Die Häuser liegen in einer schmalen Straße nördlich des Gotteshauses. Die Absicherungsarbeiten für die gefährdeten Gebäude-Decken werden rund 48 Stunden dauern, teilte Nuñez mit.

Der Grund für das Feuer ist hingegen weiter unklar. Die Pariser Staatsanwaltschaft geht weiter davon aus, dass der verheerende Brand in der Kathedrale Notre-Dame auf einem Unfall beruht. „Nichts weist derzeit in die Richtung einer vorsätzlichen Tat“, sagte der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits in der Nacht bestätigt, dass sich die Ermittlungen um eine „unbeabsichtigte Zerstörung“ durch Feuer drehen.

Laut Heitz werden auch Zeugen angehört. Dazu gehören Arbeiter, die bei den Renovierungsarbeiten in der Kathedrale beschäftigt waren. Laut Heitz suchen zur Stunde rund 50 Ermittler nach der Brandursache.

Bevor die Feuerwehr ausrückte, habe es am Montag zwei Mal Alarm gegeben: Einmal um 18.20 Uhr, dabei seiner aber bei einer Überprüfung kein Feuer entdeckt worden. Der zweite Alarm wurde um 18.43 Uhr ausgelöst - dann sei der Brand im Dachstuhl entdeckt worden.

Das Feuer hatte sich in der Folge schnell auf rund 1000 Quadratmeter ausgebreitet, wie der Feuerwehrsprecher Gabriel Plus erläuterte. Der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen; über Paris bildete sich eine gigantische Rauchwolke. Der kleine Spitzturm in der Mitte des Dachs stürzte ein, die beiden Haupttürme konnten jedoch gerettet werden. Plus zufolge wurde befürchtet, dass die Konstruktion geschwächt würde und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten.

Das Risiko konnte mittlerweile beseitigt werden, allerdings wurden nach ersten Erkenntnissen drei Menschen verletzt. Dabei handelt es sich um zwei Polizisten und einen Feuerwehrmann, teilte die Feuerwehr mit.

Der Brand hatte ein weltweites Echo ausgelöst. Papst Franziskus schrieb am Dienstag: „Ich wünsche mir, dass die Kathedrale Notre-Dame dank eines Wiederaufbaus und der Mobilisierung aller wieder dieses schöne Schmuckstück im Herzen der Stadt werden kann, Zeichen des Glaubens derjenigen, die sie erbaut haben, Mutter-Kirche eurer Diözese, architektonisches und spirituelles Erbe von Paris, Frankreichs und der Menschheit“.

Feuer in Kathedrale Notre-Dame ausgebrochen

Der englische Thronfolger Prinz Charles äußerte sein Mitgefühl und verwies auf Parallelen mit dem Großbrand auf Schloss Windsor bei London vor 27 Jahren. Auch Bundeskanzlerin Merkel, EU-Kommissionpräsident Juncker und US-Präsident Trump reagierten bestürzt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach umgehend den Wiederaufbau der Kirche – auch wenn das ein schwieriger Prozess werden wird. Premierminister Édouard Philippe rief am Dienstag eine Ministerrunde zusammen, um darüber zu beraten.

Michel Delaluche, Historiker und Chef der Touristenführer von Notre-Dame, sagte vor der noch brennenden Kirche stehend, dass man heute kaum noch die geeigneten Handwerker finde, um einen so gewaltigen hölzernen Dachstuhl zu bauen. Der von Notre-Dame stammte zum großen Teil noch original aus dem 13. Jahrhundert. Er bestand aus dem Holz von 1300 Eichenstämmen, das entspricht mehreren Hektar Wald.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Bürger Deutschlands und Europas auf, den Wiederaufbau zu unterstützen. „Es ist nicht nur ein großes Bauwerk, es ist ein großes europäisches Wahrzeichen, Wahrzeichen europäischer Kultur und ein wichtiges Dokument europäischer Geschichte“, sagte Steinmeier in Berlin. „Frankreich ist in dieser Stunde nicht allein. Die Franzosen sind uns Europäern in dieser Stunde besonders nahe.“

Erste Großspender stehen schon bereit: Die Familie des französischen Unternehmers und Milliardärs Bernard Arnault kündigte über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH an, sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Zuvor hatte die französische Milliardärsfamilie Pinault 100 Millionen Euro versprochen. Die superreichen Franzosen Arnault und Pinault sind als Kunstliebhaber, Mäzene und Konkurrenten bekannt.

Mit Agenturmaterial.

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