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Brasilien Nach einem Staudammunglück drohen dem Tüv Süd hohe Schadensersatzforderungen

In Brasilien birst ein Rückhaltebecken von Vale. Der Erzkonzern verweist darauf, dass der Tüv Süd den Staudamm noch im September als sicher eingestuft habe.
Update: 28.01.2019 - 09:41 Uhr Kommentieren

Zahl der Todesopfer steigt auf 58 – Hunderte Menschen werden noch vermisst

SalvadorVor drei Jahren riss eine Schlammlawine nach einem Staudammbruch im Bergland Brasiliens 19 Menschen in den Tod und verseuchte die Flüsse und die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen. Jetzt hat sich das Unglück nur 130 Kilometer weiter östlich wiederholt: Beteiligt ist erneut der Bergbaukonzern Vale, der größte Eisenerzproduzent der Welt.

Ein schon länger inaktives Rückhaltebecken war am Freitagnachmittag in der Nähe der Ortschaft Brumadinho gebrochen und hat in Folge auch andere Becken überlaufen lassen. Die Schlammlawine begrub die Kantine des Bergbaukonzerns unter sich, in der die Angestellten gerade zu Mittag aßen. Auch eine Pension und mehrere Wohnhäuser wurden unter dem Schlamm begraben.

Noch immer werden 300 Menschen vermisst. Bis Montagmorgen konnten 58 Tote geborgen werden. Präsident Jair Bolsonaro traf an der Unglücksstelle ein und ernannte ein Komitee mit Ministern, welche die Rettungsmaßnahmen begleiten werden.

Fabio Schvartsman, Präsident des Bergbaukonzerns Vale erklärte, dass man nicht wisse, wie es zu dem Bruch kommen konnte. Die Schäden für die Umwelt seien dieses Mal wohl geringer als vor drei Jahren in Mariana, erklärte Schvartsman. Das Abraummaterial sei trockener gewesen, weshalb der Schlamm nicht über lange Strecken fließen werde.

„Der Umweltschaden dürfte nun wesentlich geringer sein, die menschliche Tragödie ist jedoch fürchterlich“, erklärte Schvartsman, der vor zwei Jahren angetreten war, um den Bergbaukonzern Vale nach dem Unglück wieder neu aufzustellen. Im börsennotierten Eisenerzkonzern hat der brasilianische Staat über die Aktienanteile staatlicher Pensionsfonds einen starken Einfluss.

Die brasilianische Justiz blockierte bei Vale eine Milliarde Reis (etwa 265 Millionen Dollar) für Rettungsmaßnahmen und Entschädigungszahlungen. Der Schaden für Vale könnte jedoch weit größer ausfallen. Die Aktien des Unternehmens verloren an der Wall Street zeitweise fast 16 Prozent ihres Wertes. Der Konzern legt die geplante Dividenden, Aktienrückkäufe und Manager-Boni auf Eis, wie am Montag bekannt wurde.

Im Minenkomplex um die Unglücksstelle baut Vale etwa sieben Prozent seines gesamten Erzes ab, also etwa 26 Millionen Tonnen im Jahr. Ursprünglich gehörte der Minenkomplex zu Ferteco, einer Tochter von Thyssen-Krupp in Brasilien. 2001 hatte der deutsche Stahlhersteller den Erzproduzenten an Vale verkauft.

Die schwierige Suche nach der Verantwortung

Die Frage nach der Verantwortung für das Unglück dürfte jedoch schwierig werden. Davon betroffen sein wird jedoch auch der deutsche Zertifizierer Tüv Süd. Vale-CEO Schvartsman erklärte, dass das Prüfungsunternehmen aus München noch im September 2018 den Staudamm als sicher eingestuft habe.

Tüv Süd bestätigt auf Anfrage, dass es im Auftrag von Vale Inspektion des Dammes durchgeführt habe. „Dabei wurden nach unserem momentanen Kenntnisstand keine Mängel festgestellt“, erklärte ein Sprecher. Aufgrund der laufenden Ermittlungen werde der Konzern keine weiteren Auskünfte geben. 

Inzwischen haben brasilianische Medien herausgefunden, dass es noch im Dezember wegen der Verlängerung der Betriebslizenz und einer Ausweitung des Abbaus zu heftigen Diskussionen bei den zuständigen Behörden gekommen sei. Julio Cesar Dutra Grillo, der Vertreter der Umweltbehörde Ibama, habe gegen die Betriebslizenz gestimmt. In den Konferenzunterlagen warnt er vor dem hohen Risiko eines erneuten Dammbruchs und einer Kettenreaktion – genauso wie sie jetzt stattgefunden hat.

Bei der Tragödie von Mariana, an die der aktuelle Vorfall erinnert, kam es ebenfalls zu einem Dammbruch am Rückhaltebecken eines Eisenerzbergwerks. Etwa 60 Millionen Kubikmeter Abwasser strömten in der größten Umweltkatastrophe der brasilianischen Geschichte in den Rio Doce, mehrere Nebenflüsse und bis in den Atlantik.

Diesmal haben sich nach Schätzungen etwa zehn Millionen Kubikmeter Schlamm ausgebreitet. Auch in der betroffenen Ortschaft Brumadinho mit seinen 40.000 Einwohnern wird nun eine Umweltkatastrophe befürchtet. Laut Vale ist der Klärschlamm nicht giftig. Beim Bruch vor drei Jahren wurden jedoch im Schlamm und den Flüssen giftige Schwermetalle nachgewiesen.

Dass es nur drei Jahre nach dem Katastrophe von Mariana erneut zu einem Staudammbruch gekommen ist, stellt auch für den am 1. Januar angetretenen Präsidenten Jair Bolsonaro ein Problem dar. Schließlich ist der Vorfall hinderlich sein für seine Pläne, den Bergbau in Brasilien massiv zu fördern. Dafür will er Umweltstandards lockern und die Vergabe von Lizenzen erleichtern.

Umweltgruppen und Aktivisten kritisierten ihn dafür bereits heftig. „Der gleiche Unfall mit den gleichen Beteiligten zeigt, dass sich in Brasilien nichts geändert hat“, sagt der Bergbauingenieur Carlos Barreira Martinez von der Universität Minas Gerais. „Die Geschichte wiederholt sich“, twitterte die frühere Umweltministerin Marina Silva. Es sei inakzeptabel, dass die Regierung und Bergbauunternehmen nichts gelernt hätten.

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