Brasilien Präsidentschaftskandidaten rufen nach Ausschreitungen zur Mäßigung auf

Eine Eskalation der politischen Gewalt überschattet den Wahlkampf in Brasilien. Jair Bolsonaro und sein Rivale Fernando Haddad versuchen ihre Anhänger zu beruhigen.
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Bolsonaro spricht sich gegen Gewaltausbrüche nach der Präsidentschaftswahl aus. Quelle: dpa
Jair Bolsonaro

Bolsonaro spricht sich gegen Gewaltausbrüche nach der Präsidentschaftswahl aus.

(Foto: dpa)

Rio de JaneiroAngesichts vieler Fälle politisch motivierter Gewalt in Brasilien haben die beiden im Rennen verbliebenen Präsidentschaftskandidaten ihre Anhänger zur Mäßigung aufgerufen. Der ultrarechte Spitzenreiter in den Umfragen, Jair Bolsonaro, verurteilte die Exzesse am Donnerstag – und richtete dabei Drohungen an Täter.

„Selbst wenn sie meine Unterstützer sind, werde ich sie dafür büßen lassen, wenn sie dem Gesetz nicht gehorchen“, sagte er am Donnerstag bei einem Treffen mit Kongressabgeordneten in Rio den Janeiro. Tage zuvor hatte ihm die linke Arbeiterpartei um Herausforderer Fernando Haddad vorgeworfen, bei Attacken seiner Anhänger auf Andersdenkende ein Auge zuzudrücken.

Auch Haddad forderte ein Ende der Brutalität. Die Parteien müssten das Problem gemeinsam angehen. Zudem regte Haddad an, mit Bolsonaro einen Pakt zu unterzeichnen, der eine Ächtung von Gewalt vorsieht.

Viele der Gewaltakte werden Bolsonaros Anhängern zugeschrieben, doch wurde der Rechtspopulist Anfang September selbst Opfer. Bei einem Wahlkampfauftritt wurde er von einem Mann niedergestochen, der angab, Gott habe ihm das aufgetragen. Ende September wurde Bolsonaro aus der Klinik entlassen.

Am vergangenen Wochenende lag er bei der Präsidentschaftswahl mit großem Abstand vor seinen Rivalen, verfehlte aber die absolute Mehrheit und muss am 28. Oktober gegen Fernando Haddad in die Stichwahl. Bolsonaro, ein früherer Heeresoffizier, sprach im Wahlkampf wohlwollend über die Militärdiktatur von 1964 und 1985. Zudem kündigte er eine harte Hand gegen Kriminelle an. Über Frauen, Schwarze und Homosexuelle äußerte er sich zudem abfällig.

Am Donnerstag wies Bolsonaro zudem Verbindungen zum amerikanischen Politaktivisten Stephen Bannon zurück. Berichte über Kontakte zum ehemaligen Chefstrategen im Weißen Haus seien „typische Fake News“, sagte Bolsonaro zu Fragen, die sich um seinen Sohn Eduardo drehten.

Dieser hatte erst im August auf der Online-Plattform Instagram ein Foto gepostet, das ihn mit Bannon zeigt. In der Bildunterschrift hieß es, sie hätten ein großartiges Treffen gehabt. Zudem würden sie ihre „Kräfte gegen kulturellen Marxismus“ bündeln.

Im selben Monat zitierte das Magazin „Epoca“ Eduardo Bolsonaro zudem mit den Worten, Bannon habe „sich zur Verfügung gestellt, um uns zu unterstützen“. Dazu sagte sein Vater, wenn es ein Treffen zwischen seinem Sohn und Bannon gegeben habe, haber er davon nichts gewusst. Bannon wird eine zentrale Rolle bei Donald Trumps erfolgreicher Präsidentschaftskampagne 2016 zugeschrieben.

  • ap
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