Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Brexit-Folgen aktuell

Welche Folgen hat der Brexit? – das wären mögliche Folgen eines harten und eines geregelten Brexits für Großbritannien, Deutschland & EU.

(Foto: AFP)

Brexit 2019 Das sind die Brexit-Folgen für Großbritannien, Deutschland und die EU

Der britische EU-Austritt wirft seine Schatten voraus. Das wären die Folgen eines harten und eines geregelten Brexits für Großbritannien, Deutschland und die EU.
Update: 11.04.2019 - 13:42 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Die Brexit-Debatte beherrscht seit Jahren nicht nur im Vereinigten Königreich das Tagesgeschehen – auch in der Europäischen Union (EU) sind die Sorgen wegen des EU-Austritts Großbritanniens groß.
Britische Regierungsvertreter und EU-Diplomaten konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Austrittsvertrag einigen. Nun wird zumindest das Austrittsdatum bis zum 31.10.2019 nach hinten verschoben. Die Gefahr eines harten Brexits ist aber immer noch nicht gebannt.
Die Unsicherheit über das zukünftige Verhältnis der Briten zur EU veranlasst viele Unternehmen bereits, ihre Produktion auf das Festland zu verlegen.

Brexit Folgen – Das könnten die Folgen eines harten und eines ungeregelten Brexits sein

Folgen des Brexits für Großbritannien

Ein harter Brexit ohne Austrittsabkommen hätte für Großbritannien und die Briten weitreichende Folgen. Das Vereinigte Königreich würde bei einem ungeordneten Austritt die Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt und auch in der Zollunion verlieren.
Experten gehen davon aus, dass das britische Pfund bei einem ungeordneten EU-Austritt bis zu 25 Prozent an Wert verlieren würde. Ein ungeordneter Brexit könnte allerdings nicht nur für Großbritannien schwerwiegende Folgen haben, sondern auch für die EU und Deutschland.

Schwerwiegende Folgen für Großbritanniens Wirtschaft

Großbritanniens Exporte wären von einem ungeordneten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ebenfalls stark betroffen. Zum Beispiel exportiert Großbritannien über 40 Prozent der auf der Insel gefertigten Autos in die EU. Von den 190.000 Arbeitsplätzen in dieser Sparte könnten in zehn Jahren nur noch die Hälfte bestehen. Viele internationale Unternehmen bereiten sich derweil schon auf einen ungeordneten Brexit vor.
Einige wichtige Firmen haben Großbritannien bereits den Rücken gekehrt und ihre Standorte in ein anderes EU-Land verlagert, was für einige Briten auch mit dem Verlust des Arbeitsplatzes verbunden ist. In der Finanzbranche haben laut einer Studie von New Financial etwa 270 Firmen Teile ihres Geschäfts in andere EU-Staaten verlagert oder planen dies. Von den Umzügen sind bisher etwa 4.900 Arbeitsplätze betroffen.
Darüber hinaus ist eine enorme Schwächung der britischen Wirtschaft durch einen möglichen harten Brexit zu befürchten. Aufgrund dieser Befürchtungen haben einige Unternehmen Importe gehortet, welche sie für ihre Produkte benötigen. Inwieweit die Verbraucher einen EU-Austritt ohne Vertrag spüren würden, bleibt allerdings abzuwarten.

Es drohen Grenzkontrollen durch „No-Deal-Brexit“

Sollten sich die Briten und die EU auf kein Austrittsabkommen einigen können, droht ein „No-Deal-Brexit“. Waren und Personen müssten dann wieder an den Grenzen überprüft werden. Allein den Hafen von Dover nutzen jeden Tag mehr als 10.000 Lkw – nur vier Prozent davon müssen zur Zeit durch den Zoll. Sollte sich das ändern, droht der Hafen zu verstopfen. Gleiches gilt auch für Häfen in der EU. Des Weiteren wäre dann auch der Reiseverkehr von Zollkontrollen betroffen.
Die europäischen Fluggesellschaften würden ihre Lizenzen verlieren, um von und in das Vereinigte Königreich zu fliegen. Zwischen der EU und Großbritannien wurden Übergangsregeln vereinbart, welche bis Ende 2020 gültig wären und dafür sorgen sollen, dass der Flugverkehr wie bisher weiterlaufen kann. Vor große Probleme wäre auch die Automobilindustrie gestellt, da sich lange Wartezeiten am Zoll negativ auswirken würden.
Ein Brexit, welcher durch ein Abkommen geregelt wird, hätte für Großbritannien weniger gravierende Folgen als ein EU-Ausstieg ohne Austrittsabkommen. In diesem Fall könnten sich die EU und Großbritannien zum Beispiel auf eine einheitliche Regelung der Grenzkontrollen einigen – die Wirtschaft könnte sich auf diese in einem Abkommen festgelegten Regeln einstellen.
Großbritanniens neuer Premierminister Boris Johnson forciert einen Brexit bis zum 31. Oktober 2019 – mit oder ohne ein Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Die Gefahr eines „No-Deal-Brexits“ – und damit einhergehend die Gefahr vor möglichen Grenzkontrollen – ist somit weiterhin gegeben.
Die möglichen schwerwiegenden Folgen für Großbritannien, Deutschland und die EU, die ein solcher harter Brexit mit sich bringen könnte, bestehen demnach weiterhin.

Die Grenzfrage zwischen Irland und Nordirland

Ein Abkommen wäre des Weiteren auch für die Frage von großer Bedeutung, wie man die Grenze zwischen der Republik Irland und der britischen Provinz Nordirland behandelt. Bei einem ungeregelten Brexit würde zwischen der Republik Irland und Nordirland eine EU-Außengrenze entstehen.
Bei einem geregelten Brexit könnte durch eine Übergangsphase Zeit gewonnen werden, um die Umsetzung des EU-Austritts voranzutreiben und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen.

Folgen des Brexits für die EU

Für die EU wäre der Austritt ihres drittgrößten Mitgliedslandes ein enormer Verlust. Für sie ist es von größter Bedeutung, dass diesem Beispiel nicht noch andere Mitgliedsstaaten folgen. Die Brexit-Befürworter führten für den Austritt Großbritanniens aus der EU vor dem Referendum immer wieder das Argument an, das Vereinte Königreich zahle jede Woche die enorme Summe von 350 Mio. Pfund an die Europäische Union.
Großbritannien ist durchaus der zweitgrößte Nettozahler in der EU – die tatsächliche wöchentliche Summe, die an die Europäische Union überwiesen wird, beläuft sich aber auf rund 160 Millionen Pfund – was rund sechs Prozent des EU-Budgets darstellt.
Der Brexit wird demnach direkte Auswirkungen auf den EU-Haushalt haben, da das Vereinigte Königreichs seine Zahlungen an die Europäische Union nach einem Austritt einstellen wird. Dies würde die EU in Form von Ausgabekürzungen, oder aber durch eine Einnahmenerhöhung spüren, die sich dann auf die übrigen Mitgliedsstaaten verteilen würde.
Die Zukunft der in Großbritannien lebenden EU-Bürger ist vorerst geklärt. Alle, die bis zum Brexit in das Vereinigte Königreich gezogen sind, haben bis zum 30. Juni 2021 Zeit, um das dauerhafte Bleiberecht zu beantragen und dürfen auch weiterhin arbeiten. Die Personen, welche bereits länger als fünf Jahre in Großbritannien leben, erhalten sofort nach dem Antrag das dauerhafte Bleiberecht. Alle anderen erhalten dieses, wenn sie die Fünf-Jahres-Schwelle erreichen.
Für die mehr als 1,2 Millionen in der EU lebenden Briten hätte ein harter Brexit weitreichende Folgen, da die Freizügigkeitsregel der EU wegfallen würde, wovon das Aufenthalts- und Arbeitsrecht betroffen sind. Auch bei anderen Leistungen wie etwa von Krankenkassen würden Probleme entstehen. Bei einem geregelten EU-Austritt von Großbritannien würde die Freizügigkeit bis mindestens Ende 2020 bestehen bleiben.

Folgen des Brexits für Deutschland

Ein Brexit ohne Abkommen hätte auch für Deutschland gravierende Auswirkungen. Dabei geht es besonders um die Exporte. Die so wichtige deutsche Autoindustrie wäre wohl stark davon betroffen und es könnten tausende Jobs wegfallen, da kein anderes Land der Welt mehr Autos aus deutschen Werken importiert als Großbritannien mit 770.000 Pkw im Jahr 2017.
Aber Deutschland kann in gewissen Branchen auch von einem Brexit profitieren. So ziehen laut einer Studie von New Financial etwa 40 Finanzfirmen von London nach Frankfurt am Main, wodurch neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen werden.
Auch deutsche Fluggesellschaften könnten von einem EU-Austritt Großbritanniens profitieren, wenn Passagiere, welche zuvor über London-Heathrow geflogen sind, die deutschen Drehkreuze wie München und Frankfurt nutzen, falls Einschränkungen bei den Flugrechten zwischen der EU und Großbritannien in Kraft treten. London Heathrow ist mit etwa 78 Millionen Reisenden pro Jahr der größte Flughafen in Europa.

Lesen Sie im Brexit-Newsticker den aktuellen Stand und die neusten Meldungen zum EU-Austritt Großbritanniens.

Mehr: Lesen Sie hier welche Folgen ein Brexit für Großbritannien, Deutschland und die EU haben könnte.

Startseite

Mehr zu: Brexit 2019 - Das sind die Brexit-Folgen für Großbritannien, Deutschland und die EU

0 Kommentare zu "Brexit 2019: Das sind die Brexit-Folgen für Großbritannien, Deutschland und die EU"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote