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Brexit Boris Johnson: Wenn er will, kann er auch Staatsmann

Auf seiner ersten Europareise als britischer Premierminister gewinnt Boris Johnson an Statur. Doch im Brexit-Streit kommt er nicht weiter.
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Brexit: Boris Johnson: Wenn er will, kann er auch Staatsmann Quelle: Hans Christian Plambeck/laif
Angela Merkel und Boris Johnson

Der britische Premierminister ist von der Kanzlerin in Berlin empfangen worden.

(Foto: Hans Christian Plambeck/laif)

London König der Welt wolle er einmal werden, hat Boris Johnson als Kind gesagt. Und so dürfte sich der britische Premierminister diese Woche fühlen. In Berlin zeigte er sich am Mittwoch beeindruckt vom Empfang mit militärischen Ehren vor dem Kanzleramt. So etwas habe er noch nie erlebt, sagte der 55-jährige Tory-Politiker, der immerhin schon einige Auslandsreisen als Außenminister hinter sich hat.

Noch prächtiger ging es an diesem Donnerstag im Pariser Élysée-Palast zu. Und am Wochenende kann der Brite sich obendrein beim G7-Gipfel in Biarritz im Glanz der Weltenlenker sonnen.

Daheim wurde Johnsons erste Europareise als Regierungschef überschwänglich begleitet. Die „Daily Mail“ feierte seinen Berlin-Besuch als „Triumph“, obwohl Kanzlerin Angela Merkel zum Brexit nur einige diplomatische Nettigkeiten verteilt hatte. In der Sache blieben die Europäer hart.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekräftigte, dass der mit Johnsons Vorgängerin Theresa May ausgehandelte EU-Ausstiegsvertrag nicht verändert werde. Johnson fordert, den Backstop für die irische Grenze zu streichen – doch die EU-27 werden sich nicht darauf einlassen, solange London keine realistische Alternative präsentiert. Allenfalls über Ergänzungen zum Brexit-Deal könne man reden, sagte Macron.

Mit den Bildern vom Kontinent kann Johnson dennoch zufrieden sein. Seinen Gegnern im britischen Parlament, die ihm vorwerfen, das Land mutwillig ins Chaos zu stürzen, kann er nun entgegenhalten, dass er ja noch mit Merkel und Macron im Gespräch sei. Es ist aber fraglich, ob das reicht, um ein Misstrauensvotum gegen seine Regierung zu verhindern, wenn die Abgeordneten im September aus der Sommerpause zurückkehren.

Die Gefahr eines ungeordneten Brexits bleibt schließlich unvermindert hoch. Inhaltlich hat Johnson keinerlei Fortschritte erzielt. Der Verdacht liegt nahe, dass beide Seiten sich derzeit diplomatisch geben, um hinterher nicht zum Sündenbock für einen ungeordneten Brexit gemacht zu werden.

Im französischen Biarritz werden Merkel und Macron genau beobachten, wie sehr Johnson die Nähe zu US-Präsident Donald Trump sucht. Johnson wird sich hin- und hergerissen fühlen zwischen den Europäern und dem Amerikaner. Von beiden Partnern will er ein Freihandelsabkommen – und beide sitzen am längeren Hebel.

Der US-Präsident hat Johnson bereits als „Großbritanniens Trump“ geadelt – das höchste Lob aus dem Mund des selbstverliebten Republikaners – und ein schnelles Freihandelsabkommen versprochen. Doch es sind Zweifel angebracht, wie realistisch dies ist: Die Liste der Streitpunkte zwischen beiden Ländern ist lang. Macron warnte Johnson vorsorglich, sich in die „Vasallenschaft“ Washingtons zu begeben. Die USA könnten die Kosten eines ungeordneten Brexits nicht kompensieren.

Ein Abkommen mit den USA hätte zudem einen hohen Preis. Was der US-Präsident in der Sicherheitspolitik von den Briten erwartet, hatte jüngst Trumps nationaler Sicherheitsberater John Bolton in London deutlich gemacht: Er will das Land aus der europäischen Allianz lösen und es auf eine härtere US-Linie verpflichten – etwa im Atomstreit mit Iran und beim Umgang mit dem chinesischen Telekomausrüster Huawei.

Noch hat Johnson sich zu diesen Fragen nicht positioniert. In der Frage, ob die G7 wieder zur G8 mit Russland erweitert werden soll, stellte der Tory sich jedenfalls klar an die Seite der Europäer: Er teile Merkels Meinung, dass es für eine Rückkehr Russlands zu früh sei, sagte er in Berlin und verwies auf russische „Provokationen“ in der Ukraine und den Giftgasanschlag im englischen Salisbury.

Als Außenminister hatte Johnson in seiner zweijährigen Amtszeit bis 2018 einen ausgesprochen schlechten Ruf: Die Kollegen fanden ihn zwar amüsant, aber er sorgte regelmäßig mit haarsträubenden Äußerungen für Kopfschütteln. Gemessen daran liefen seine Antrittsbesuche nun reibungslos über die Bühne. Wenn er will, kann er also auch den Staatsmann geben.

Mehr: Der britische Premier betont in Paris seinen Willen, sich mit der EU einigen zu wollen. Frankreichs Präsident Macron öffnet ihm die Tür jedoch nur ein bisschen.

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  • Was auch immer vereinbart wurde, in dem Abschlussinterview in Berlin versuchte er sich in, für die englische Zunge nicht einfacher, deutscher Sprache mit dem Satz: "Wir schaffen das". Einen subtilen Humor kann man dem Mann nicht absprechen.

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