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Brexit Briten empört über Salzburg-Gipfel – „Dreckige EU-Ratten“ schreibt die „Sun“

Die Empörung über Theresa Mays Demütigung auf dem EU-Gipfel in Salzburg ist in ihrer Heimat groß: Britische Medien feuern aus allen Rohren Richtung Kontinent.
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Brexit: Briten empört über Salzburg-Gipfel – „Dreckige EU-Ratten“ Quelle: Reuters
Emmanuel Macron und Theresa May in Salzburg

Die Briten empören sich über Macron und Tusk, weil sie sich nicht für die britischen Pläne einsetzen.

(Foto: Reuters)

London Mit Humor können die Briten gewöhnlich gut umgehen, gerade auch, wenn er auf ihre Kosten geht. Das Instagram-Foto von Donald Tusk ging vielen jedoch zu weit. Der EU-Ratspräsident hatte am Donnerstag ein Foto von sich und der britischen Premierministerin Theresa May am Kuchen-Buffett gepostet und in der Bildunterschrift kommentiert: „Ein Stück Kuchen vielleicht? Sorry, keine Kirschen.“

Das Foto traf die Stimmung beim informellen EU-Gipfel in Salzburg, bei dem 27 europäische Regierungschefs ihre britische Kollegin abblitzen ließen. Mays Brexit-Plan wurde als Rosinenpickerei (englisch „cherry picking“) abgelehnt. Doch das Lachen über Tusks Scherz blieb den Briten im Hals stecken. Es wurde als billige Verhöhnung empfunden und als Beweis für die Arroganz der Europäer.

Voller Empörung schlugen die britischen Medien am Freitag zurück. „Dreckige EU-Ratten“, titelte das Boulevardblatt „The Sun“. „Die Euro-Gangster locken May in einen Hinterhalt“. Der britischen Regierungschefin sei eine faire Anhörung versprochen worden, stattdessen sei sie vorgeführt worden.

Die Zeitung erregte sich auch über Ratschläge aus Malta und Tschechien, einfach ein zweites Referendum abzuhalten. „Sie wollen, dass wir dieses Mal ‚richtig‘ wählen“, schäumte der Leitartikel. „Keine Chance.“ Die Europäer seien offenbar „von der Realität abgekoppelt“ – ein Vorwurf, der auf dem Kontinent gern Richtung Insel gemacht wird.

Von einer „Demütigung“ ist auf anderen Titelseiten die Rede, und vom „Salzburg-Desaster“. Die Zeitung „Metro“ druckte groß „Nein, Nein, Nein“ auf das Cover - auch wenn der Gegenwind diesmal nicht primär aus Deutschland kam. Es war eine Anspielung auf Margaret Thatchers „No, No, No“ im Streit um den Briten-Rabatt.

Tusk habe May „das Messer bis zum Griff in den Körper gerammt“, lamentierte der „Daily Telegraph“. Das Blatt attackierte auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der gesagt hatte, das britische Volk habe sich von Lügnern zum Brexit verleiten lassen. „Der französische Präsident denkt, er sei der neue Tony Blair. Er sollte sich anschauen, was mit Blair passiert ist, der jetzt der Inbegriff des Elitismus ist.“

Der Leitartikel beinhaltete eine klare Botschaft an die europäischen Verhandler: „Wir werden uns nicht in die Knechtschaft mobben lassen.“

Nun war es allerdings keine Überraschung, dass die Europäer den Brexit-Vorschlag der Premierministerin ablehnen. Seit das britische Kabinett den Plan im Juli auf dem Landsitz Chequers verabschiedet hat, lässt EU-Chefunterhändler Michel Barnier durchblicken, dass der Plan die vier Freiheiten des Binnenmarkts untergrabe und daher nicht akzeptabel sei. Tusk wiederholte in Salzburg nur diese Einschätzung.

Doch die Art und das Timing brachte die britische Delegation auf. Erst die Premierministerin zur Dinner-Rede einzuladen und sie dann am nächsten Tag zurückzuweisen, sei die „Art von Brutalität“, die nicht so schnell vergessen werde, kommentierte der Chefredakteur des „Spectator“, Fraser Nelson.

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Die Downing Street trug eine erhebliche Mitschuld an dem PR-Desaster. Sie hatte gehofft, dass die EU-Regierungschefs sich flexibler zeigen würden als Barnier, und hatte die Journalisten entsprechend gebrieft. Nur so konnte das Gefühl entstehen, hintergangen worden zu sein.

May selbst hatte zur Eskalation beigetragen, weil sie seit Tagen kompromisslos verkündete, es sei ihr Deal oder kein Deal. Das führte zur harschen Antwort der Europäer. Die Abfuhr in Salzburg ist nicht unbedingt von Nachteil, wenn May in einer Woche auf dem Parteitag vor die konservative Basis tritt.

Zwar schwächt es ihr Argument für den Chequers-Plan, der von Europäern und Brexiteers gleichermaßen abgelehnt wird. Doch innenpolitisch hat es einem britischen Premierminister noch nie geschadet, auf Konfrontationskurs mit Brüssel zu sein.

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