Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Theresa May

Angesichts zunehmenden Widerstands gegen ihre Regierungsführung kämpft sie für ihren Brexit-Plan.

(Foto: AP)

Brexit „Es ist ein Moment tiefer nationaler Schande“

Proteste, Frust, Verwirrung – Brexit sorgt für Chaos in Großbritannien. Stimmen für Mays Rücktritt werden lauter, auch in der internationalen Presse.
Kommentieren

New YorkIn Großbritannien debattiert das Parlament an diesem Montag über das weitere Vorgehen beim geplanten EU-Austritt. Einige Minister sollen unbestätigten Medienberichten zufolge den Rücktritt von Premierministerin Theresa May anstreben.

Einem Bericht der „Sunday Times“ zufolge verliert May den Rückhalt in den eigenen Reihen. Elf Minister ihres Kabinetts wollten der Premierministerin den Rücken kehren. Zwei als mögliche Nachfolger genannte Kabinettsmitglieder, Mays faktischer Stellvertreter David Lidington und Finanzminister Philip Hammond, bekräftigen am Sonntag allerdings ihre Unterstützung für May.

Die Premierministerin steht zudem vor einer dritten Abstimmungsniederlage im Parlament mit ihrem Austrittsabkommen. Zwei Mal, Mitte Januar und Mitte März, war sie damit bereits gescheitert.

Am Samstag protestierten zudem über eine Million Menschen in London gegen den geplanten EU-Austritt und forderten ein zweites Referendum. Es war eine der größten Demonstrationen in der Geschichte des Landes. Gleichzeitig setzte eine Online-Petition für den „Exit vom Brexit“ mit rund fünf Millionen Unterstützern eine neue Rekordmarke.

Der weitere Kurs der britischen Regierung ist ungewiss. Doch in einem Punkt ist sich die internationale Presse sicher: May steht unter gewaltigem Druck – die Premierministerin kämpft um ihr politisches Überleben.

Großbritannien hat jegliche Zielstrebigkeit verloren, schreibt die „New York Times“. Jeder Aspekt des Lebens sei von der „Giftigkeit“ des Brexits durchdrungen: Beim Abendessen mit Freunden und Familie, im Kino, beim Gang durch den Supermarkt, beim Kauf von Medikamenten. „Brexit ist unausweichlich.“

„Wir würden einen Deal bevorzugen, der tatsächlich nicht existiert und für den es keine Zeit mehr zum Verhandeln gibt, weil wir unsere ganze Zeit damit verbracht haben, einen Deal zu bekommen, den wir nicht wollen, was bedeutet, dass wir uns jetzt darauf vorbereiten, der Erniedrigung eines Deals auszuweichen, den wir nicht mögen, indem wir den Ruin eines Nicht-Deals akzeptieren, den wir auch nicht mögen. Wir befinden uns in fast jedem Sinne in einem Flugzeug ins Nirgendwo, und weil wir nirgendwo hin können, müssen wir uns selbst davon überzeugen, dass nirgendwo genau da ist, wo wir sein wollen.“

Der Autor des Meinungsstücks geht mit seinem Heimatland hart ins Gericht: „Dies ist keine Zeit des Nationalstolzes, sondern ein Moment tiefer und anhaltender nationaler Schande.“

„Bloomberg“ – Theresa May steht vor dem Endspiel

Die britische Premierministerin verliert zunehmend die Kontrolle über den Brexit-Kurs, schreibt „Bloomberg“.

Der angebliche Staatsstreich schien am Sonntag abgewendet, als Finanzminister Hammond und andere Kabinettskollegen - darunter Gove und Lidington, May öffentlich unterstützten. „Dennoch ist die Regierung bei weitem nicht vereint.“ Hammond weigerte sich, ein zweites Referendum auszuschließen. Seine Aussagen könnten die Regierung weiter spalten, meint das US-Finanzmedium.

„Sunday Times“ – May trägt Verantwortung für Brexit-Chaos

Die britische Premierministerin zeigt kaum Bereitschaft zum Nachgeben, schreibt die britische Zeitung „Sunday Times“. Die Zukunft Großbritanniens scheint ungewiss.

Die Demonstranten, die am Samstag durch London marschierten, glauben, „das Momentum auf ihrer Seite zu haben und dass ihnen ein längerer Aufschub des Brexits in die Karten spielen würde“. Unterdessen könnte sich das Parlament hinter einem „Norwegen plus“-Plan vereinen, den EU-Befürworter vor dem Referendum kritischer sahen als die Brexit-Anhänger.

„Für das Durcheinander, in dem wir uns befinden, kann man vielen Menschen Vorwürfe machen, doch Theresa May steht ganz sicher an der Spitze der Liste.“

„Berliner Morgenpost“ – Brexit-Theater schreckt EU-müde Kräfte in Europa ab

„Theresa May hat mit ihrer Politik in keinem Punkt das für einen Brexit Erforderliche erreicht“, schreibt die „Berliner Morgenpost.“ „Sie ist damit als Premierministerin von Großbritannien am Ende. Nicht erst seit gestern, sondern schon seit Wochen. Gelänge ein Putsch aus der eigenen Partei und sie muss zurücktreten, wäre ein unwürdiges politisches Siechtum endlich beendet.“ Mays Rücktritt sei mehr als überfällig.

Bis heute gäbe es noch immer keinen geregelten Plan für Großbritanniens EU-Austritt. „Zoll, Visabehörden, Wirtschaft und Banken sorgen sich zu Recht vor heillosem Chaos. Wenn nicht noch ein großes Wunder geschieht, wird aus dem geplanten, selbstbewussten Schritt ein unwürdiger Abgang in letzter Minute. Das stolze Königreich trudelt seit Monaten wie ein instabiles Schwellenland führungslos in eine ungewisse Zukunft.“

Ein einziger kleiner Lichtschimmer in dem Drama sei die „abschreckende Wirkung, die das Brexit-Theater auf andere EU-müde Kräfte in Europa“ haben könnte. „So populistisch kann eigentlich keine Partei sein, um angesichts des quälenden Brexits noch einen Austritt aus der Europäischen Union zu preisen.“

„Sun“ – May muss ihren Rücktritt bekanntgeben

„Die Zeit ist um, Theresa“, schreibt die Zeitung „The Sun“. Die britische Zeitung lobt Mays Errungenschaften in dem Meinungsartikel, warnt aber, dass die Premierministerin den Rückhalt des Volkes und nun auch die Unterstützung ihrer eigenen Partei verloren hat.

In dem Leitartikel heißt es, der bereits zwei Mal im Unterhaus abgelehnte Brexit-Vertrag von Premierministerin May habe nur dann eine Chance, doch noch von den Abgeordneten genehmigt zu werden, wenn die Regierungschefin auch ein Datum für ihren Rückzug nenne.

„Corriere della Sera“ – Großbritanniens Demütigung

„Eine solche Demütigung, wie sie derzeit London erlebt, hat man das letzte Mal während der Suez-Krise 1956 gesehen“, argumentiert die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ am Sonntag.

„Damals hat man erkannt, dass Großbritannien nicht mehr die Großmacht war, die es glaubte zu sein. Das zeigt, wie Jahrzehnte der Mystifizierung selbst die ruhmreichste Nation in eine Sackgasse führen kann: Das Land war das erste, das für die Abspaltung von der Europäischen Union gestimmt hat. Aber erst jetzt wird klar, dass es nie wusste, wie es dies erreichen kann.“

„CNN“ – Gebt den Briten Mitgefühl, aber nicht der britischen Regierung

„Die europäischen Bürger bedauern uns, dass wir bald Ex-EU-Mitglieder sein werden“, meint der britische CNN-Korrespondent Nic Robertson. Selbst Irland, welches „am härtesten“ von einem EU-Austritt Großbritanniens betroffen wäre, habe Mitleid mit die Briten.

„Aber während wir als Volk noch immer das Mitgefühl vieler der halben Milliarde EU-Bürger haben, geht es der britischen Regierung nicht so gut. Vor allem Premierministerin Theresa May ist in den Mittelpunkt der Frustrationen vieler ihrer EU-Partner gerückt.“

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Brexit - „Es ist ein Moment tiefer nationaler Schande“

0 Kommentare zu "Brexit: „Es ist ein Moment tiefer nationaler Schande“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.