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Brexit Finanzminister Sajid Javid stimmt britische Unternehmer auf harte Zeiten ein

Der britische Finanzminister Sajid Javid schreckt nicht davor zurück, seine Meinung zu sagen. Nun äußerte er sich zu den Hoffnungen der Wirtschaft auf einen sanften Brexit.
20.01.2020 - 16:15 Uhr Kommentieren
Er träumte schon als Jugendlicher von einer Karriere in der Finanzbranche. Quelle: www.imago-images.de
Sajid Javid

Er träumte schon als Jugendlicher von einer Karriere in der Finanzbranche.

(Foto: www.imago-images.de)

London Sajid Javid ist einer der wenigen Minister, die dem geplanten Kabinettsumbau in Großbritannien gelassen entgegensehen dürften: Premierminister Boris Johnson hat bereits öffentlich erklärt, er wolle den Finanzminister nicht vor die Tür setzen. Ein möglicher Grund für diese Festlegung: Javid ist bislang nicht davor zurückgeschreckt, seine Meinung zu sagen – selbst wenn seine Worte für Aufregung sorgen. Wie auch jetzt.

In einem Interview mit der „Financial Times“ hatte Javid, 50, den Hoffnungen der Wirtschaft auf einen sanften Brexit eine Absage erteilt.

Großbritannien werde sich nach dem EU-Austritt und Ablauf der Übergangsfrist Ende 2020 nicht mehr an EU-Regeln halten, bekräftigte Javid. „Es wird keine Angleichung geben, wir werden keine Empfänger von Regeln sein, wir werden nicht im Binnenmarkt sein, und wir werden nicht in der Zollunion sein.“ Das werde Auswirkungen auf Unternehmen haben, räumte er ein, „in die eine oder andere Richtung: Einige werden profitieren, andere nicht.“ Die Unternehmen müssten sich darauf einstellen.

Wirtschaftsvertreter reagierten auf die harten Worte des Finanzministers mit einer Mischung aus Wut und Enttäuschung – aber bei einem Premierminister, der noch vor anderthalb Jahren die Einwände von Unternehmen mit „f*** business“ abgetan haben soll, werden derartige Äußerungen keinen riesigen Ärger mehr auslösen.

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    Es ist nicht das erste Mal, dass Javid, der im Sommer 2019 vom Innen- zum Finanzminister befördert wurde, für Wirbel sorgt. Seine harte Linie als Wirtschaftsminister gegenüber Gewerkschaften vor fünf Jahren ist vielen Briten noch gut im Gedächtnis.

    Auch als 2019 bekannt wurde, dass er in seiner Funktion als Innenminister unter Premierministerin Theresa May die von ihr geplante Reform des Einwanderungsgesetzes abändern wolle, zog das eine öffentliche Debatte nach sich. Und das nicht nur, weil es dazu führen dürfte, dass seine eigene Familie in den 1960er-Jahren nicht nach Großbritannien hätte einwandern können.

    Javid kommt aus bescheidenen Verhältnissen

    Im Glauben, ein Pfund würde ihm das Leben für einen Monat sichern, war Javids Vater Abdul Ghani 1961 von Pakistan mit einem Ein-Pfund-Schein in der Tasche nach Großbritannien ausgewandert. Um seine letztlich siebenköpfige Familie zu ernähren, arbeitete der Senior in einer Fabrik und als Busfahrer, bevor er ein Bekleidungsgeschäft in einem von pakistanischen Einwanderern geprägten Viertel in Bristol aufmachte.

    Javid wuchs so in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung über dem Laden auf, zusammen mit seinen Geschwistern. Er ging auf eine staatliche Schule, wo man ihm vor dem Abschluss dazu riet, einen Laden für TV-Reparaturen aufzumachen. Aber Javid, der schon als Jugendlicher von einer Karriere in der Finanzbranche geträumt hatte und für die Politik der damaligen Premierministerin Margaret Thatcher schwärmte, schlug einen anderen Weg ein.

    Nach einem Studienabschluss in den Fächern Wirtschaft und Politik an der Universität Exeter fing er als Investmentbanker bei der US-Bank Chase Manhattan an. Später wechselte er zur Deutschen Bank in London.

    Im Jahr 2009 ging er in die Politik. Dabei musste er einen harten Gehaltsschnitt verkraften: Berichten zufolge hatte er bei der Bank dreieinhalb Millionen Euro eingestrichen, für den Posten als Abgeordneter bekam er rund 76.000 Euro.

    Doch auch in der Politik machte Javid rasch Karriere. Schon lange wurde gemunkelt, dass er eines Tages als erster Muslim das Amt des britischen Regierungschefs übernehmen könnte. Als er im vergangenen Sommer für den Posten kandidierte, musste er sich aber Boris Johnson geschlagen geben.

    Javid wird zwar von vielen konservativen Politikern wegen seiner neoliberalen Ansichten in der Tradition von Thatcher geschätzt – aber noch immer wird ihm von einigen Brexit-Befürwortern verübelt, dass er trotz seiner langjährigen EU-Skepsis bei dem Referendum vor drei Jahren für den Verbleib in der EU geworben hatte. Zudem wirkt er im Vergleich zu Johnson recht hölzern, sodass Medien lästerten, er müsse aufpassen, dass ihm sein Hund nicht die Show stehle.

    Im Gegensatz zu seinem Herrchen ist „Bailey“ aber aus den Schlagzeilen verschwunden.

    Mehr: Der britische Finanzminister hat die britischen Unternehmen dazu aufgefordert, sich der neuen Realität nach dem Brexit anzupassen. Diese reagierten mit Unverständnis.

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