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Brexit Großbritannien verlässt die EU – So feiern die Brexiteers

Großbritannien ist in der Nacht offiziell aus der EU ausgetreten. In der Hauptstadt feiern die Brexit-Anhänger den „Tag der Unabhängigkeit“. Die EU-Freunde bleiben lieber fern.
01.02.2020 - 01:59 Uhr Kommentieren
Freude über den Brexit: Ein Befürworter schwenkt die britische Flagge. Quelle: Reuters
Brexit

Freude über den Brexit: Ein Befürworter schwenkt die britische Flagge.

(Foto: Reuters)

London „Auf diesen Tag habe ich so lange warten müssen, jetzt sind wir endlich unabhängig“, jubelt der 53-jährige Mike und schwenkt eine mehrere Meter hohe Stange mit der britischen Flagge an der Spitze. Wie tausende andere ist er am Freitagabend vor das Londoner Parlament gekommen, um den Brexit zu feiern.

Um 23 Uhr Ortszeit – Mitternacht in Brüssel – endete die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU, 47 Jahre nach dem Beitritt und 1317 Tage, nachdem eine knappe Mehrheit von 52 Prozent der Briten bei einem Referendum für den Ausstieg gestimmt hatte.

Zum ersten Mal in der Geschichte der EU ist ein Land ausgetreten. Und während auf der kontinentaleuropäischen Seite des Kanals zumeist Bedauern über die Entscheidung Großbritanniens herrscht, freuen sich die Briten – zumindest im Londoner Regierungsviertel.

„Ich bin so glücklich“, sagt so der 48-jährige Mark, der ein Schild mit der krakeligen Aufschrift „Ruht in Frieden, Remainer“ vor sich hält. „Es war mir wichtig, heute hierher zu kommen“, sagt er. „Eigentlich ist das heute ja nur symbolisch, es wird sich ja erst mal nichts ändern, wegen der Übergangsfrist und so, richtig feiern können wir erst am 31. Dezember. Aber trotzdem.“

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    Viele der Feiernden auf dem Parlamentsplatz haben sich für die Gelegenheit mit Flaggen und Plakaten ausgerüstet. Auch der 52-jährige Lee: Sein Jackett sieht aus, als wäre es aus dem „Union Jack“ genäht, auch seine Schuhe weisen das charakteristische Muster der britischen Flagge auf.

    „Endlich sind wir nicht mehr an die EU gefesselt“, sagt er, „die mochten uns doch eh nie. Ich bin normalerweise kein sehr emotionaler Mensch, aber zum Abschied werde ich Tränen in den Augen haben“, sagt er, wenige Minuten vor dem entscheidenden Moment. Auf das normalerweise graue Gebäude in der Downing Street Nummer 10, Amts- und Wohnsitz des britischen Premierministers, wird derweil ein Countdown projiziert, der die Minuten bis 23 Uhr herunter zählt.

    Virtueller „Big Ben“ läutet Brexit ein

    Zur vollen Stunde wird ein Bild des Elisabeth Tower mit der Uhr eingeblendet, hinter dessen Fassade sich die berühmte Glocke Big Ben befindet. Der charakteristische Bong des Big Ben ist zu hören: Elfmal erklingt er – auf dem europäischen Kontinent ist es nun Mitternacht.

    Brexit-Partei feiert ihr erreichtes Ziel

    In der Realität ist der Turm vor dem Parlament von einem Gerüst verhüllt, die Glocke bleibt stumm. Nicht einmal eine Petition von Brexit-Fans, die nicht akzeptieren wollten, dass der Glockenschlag wegen Renovierungsarbeiten ausbleiben sollte, konnte daran etwas ändern. Dafür hat eine Gruppe Briten auf dem Parlamentsplatz einen „Little Ben“ aufgestellt: Einen Papp-Turm mit dem aufgemalten Bild des Turms und ausgestattet mit einer kleinen Glocke, die konstant läutet.

    „Independence now“ und „Bye-bye EU“, grölen die versammelten Brexit-Freunde begeistert, als es 23 Uhr wird. Jubelgesänge werden angestimmt, bengalische Feuer angezündet. Die Stimmung erinnert an ein Fußballstadion – und als Fan der EU wäre man klar in der falschen Fankurve.

    „Wir lieben nicht die EU, wir lieben aber Europa“

    Eine Französin will trotzdem ein Zeichen setzen: Mit einem Zettel, auf dem „Keep calm and Love the EU“ steht, stellt sich die 32-jährige Marion an den Rand des Platzes vor dem Parlament, direkt neben das Bronze-Denkmal von Winston Churchill, über den die Feiernden eine Flagge geworfen haben.

    „Ich bin traurig“, sagt sie, „gerade diejenigen, die für den Brexit sind, werden diejenigen sein, die darunter leiden müssen“. Während sie mit einem japanischen Fernsehteam spricht, schaltet sich einer der Umstehenden ein: „Wir lieben nicht die EU“, sagt ein Mann mit einem „Union-Jack“ in der Hand, „wir lieben aber Europa“.

    Dass EU-Freunde an diesem Abend einen schweren Stand haben, bekommt eine kleine Gruppe Menschen zu spüren, die, eine EU-Flagge schwenkend, in Richtung Parlament läuft. Ein Polizist in Neon-Weste begleitet sie. Er fordert hektisch Verstärkung an, als Passanten beginnen, die Brexit-Gegner als „Abschaum“ zu beschimpfen. Die herbeigeeilten Polizisten schaffen es, die Gruppe zu stoppen und zur Umkehr zu bewegen. Ein junges Pärchen hat die Szene beobachtet. „Ich stehe eigentlich nicht hinter dem Brexit“, sagt der junge Mann dann, „aber ich mag ihn. Irgendwie ist er sexy“.

    Mehr: Nach dem offiziellen Austritt aus der Europäischen Union beginnt nun die Übergangsphase. Lesen Sie die aktuellen Nachrichten im Liveblog.

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