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Live-Reaktionen auf Brexit-Referendum Juncker will den Scheidungsbrief „gerne sofort“

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Nigel Farage: Die EU stirbt

+++ Airbus überprüft Investitionspläne +++

Der Flugzeugbauer Airbus stellt seine Investitionspläne in Großbritannien auf den Prüfstand. Vorstandschef Tom Enders sagte am Freitag, Großbritannien werde sich jetzt „noch mehr auf die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft gegenüber der EU und der gesamten Welt fokussieren. Aber natürlich werden wir unsere Investitionsvorhaben in Großbritannien überdenken, so wie jeder andere auch.“ Er hoffe, dass der wirtschaftliche Schaden durch den Brexit klein bleibe.

+++ Das Auswärtige Amt lädt die EU-Gründerstaaten zu Beratungen nach Berlin ein +++

Außenminister Steinmeier lädt die Außenminister der europäischen Gründerstaaten nach Berlin ein. Am Samstag empfängt Steinmeier seinen französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault, seinen niederländischen Amtskollegen Bert Koenders, seinen italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni, seinen belgischen Amtskollegen Didier Reynders und seinen luxemburgischen Amtskollegen Jean Asselborn zu Gesprächen im Gästehaus „Villa Borsig“ am Tegeler See.

Damit beginnt die Planung für die Zeit nach Großbritanniens EU-Austritt. Das Treffen reihe sich ein in die Tradition der Gespräche der sechs europäischen Gründerstaaten, zu denen zuvor Italien und Belgien eingeladen hatten. Bei dem Treffen werde es um einen Austausch zu aktuellen europapolitischen Themen gehen, so ein Sprecher des AA. Tatsächlich rückt ein Kern-Europa näher.

+++ Nigel Farage: Die EU stirbt +++

Der britische Rechtspopulist Nigel Farage hat nach dem Brexit-Votum in Großbritannien ein Zerbrechen der Europäischen Union vorausgesagt. „Die EU versagt, die EU stirbt“, sagte er am Freitag vor dem Parlamentsgebäude in London. Weitere Austritts-Referenden könnten folgen, möglicherweise in den Niederlanden, in Dänemark, Österreich und Italien. „Wir wollen Freunde und Nachbarn sein“, sagte Farage, der für die eurokritische United Kingdom Independent Party (Ukip) im EU-Parlament sitzt. „Aber ohne Hymnen, ohne Flaggen und ohne nutzlose Präsidenten, die nicht gewählt sind“, sagte Farage.

+++ Polen sieht Votum der Briten als Warnsignal für ganze EU +++

Polen sieht im Ausgang des britischen Brexit-Referendums ein Warnsignal an die gesamte EU. Statt das Votum der Briten zu kritisieren, sollte die Volksabstimmung zum Handeln mobilisieren, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme des Warschauer Außenministeriums. „In mehreren Mitgliedsländern kann Desillusionierung mit der europäischen Integration und sinkendes Vertrauen in die EU beobachtet werden.“ Polen sei bereit, nach den besten Wegen für die künftigen Beziehungen zwischen EU und Großbritannien zu suchen. Auch wenn die Entscheidung bedauerlich sei, habe Großbritannien „als souveränes Land das Recht, über seine Zukunft in der EU zu entscheiden“.

+++ Schäuble: „Europa wird jetzt zusammenstehen“ +++

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich enttäuscht vom Votum der Briten für den Austritt aus der EU gezeigt. „Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, erklärte er am Freitagmorgen in Berlin. Zugleich rief er dazu auf, mit der Entscheidung für den Brexit verantwortungsvoll umzugehen. „Europa wird jetzt zusammenstehen“, betonte der Minister.

Er sei im Kontakt mit seinen Partnern in der Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7), um mit der Situation umzugehen. Schäuble erklärte weiter, das EU-Verfahren für einen Austritt sei „eindeutig geregelt und wird angewendet werden“. Das schaffe Verlässlichkeit. „Gemeinsam müssen wir das Beste aus der Entscheidung unserer britischen Freunde machen.“

+++ Gauck nach Brexit: An europäischer Idee festhalten +++

Bundespräsident Joachim Gauck hat sich betroffen über das britischen Votum für einen Austritt aus der EU geäußert. „Viele gute Europäer haben heute traurige Gefühle“, sagte Gauck am Freitag am Rande einer Veranstaltung in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Jetzt gehe es darum, an der europäischen Idee festzuhalten. Gauck wollte sich später noch ausführlicher zu dem Brexit äußern. Der bulgarische Präsident Rossen Plewneliew sagte, dies sei „ein schlechter Tag für Europa, für die europäische Wirtschaft und für die europäische Demokratie“.

+++ Krisengipfel auch in Rom +++

Der italienische Premier Matteo Renzi hat sofort am am Freitag früh einen Krisengipfel in seinem Amtssitz Palazzo Chigi einberufen, an dem Notenbankgouverneur Vincenzo Visco sowie von der Regierung Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan, Außenminuster Paolo Gentiloni und Industrieminister Carlo Calenda teilgenommen haben. Ein offizielles Statement gab es noch nicht. Den eintägigen Parteitag seiner Partito Democratico (PD), für heute vorgesehen, bei dem die Niederlage bei den Kommunalwahlen diskutiert werden sollte, hat Renzi abgesagt.

+++ Eon hält Folgen in seinem britischen Geschäft für beherrschbar +++

Der Energiekonzern Eon rechnet nach dem Brexit nicht mit großen negativen Folgen für sein wichtiges Geschäft in Großbritannien. „Die Konsequenzen für Eon sind wohl beherrschbar“, sagte Vorstandschef Johannes Teyssen am Freitag in Essen. „Unser Geschäft in Großbritannien ist ein regionales.“ Allerdings liege in der Entwicklung des Pfundes ein Risiko. Eine schwächere britische Währung führt dazu, dass von Gewinnen auf der Insel bei der Umrechnung in Euro weniger übrig bleibt. Teyssen betonte zugleich, dass der Konzern auch Schulden in Pfund habe. Das wirke ausgleichend. Eon hat in Großbritannien rund fünf Millionen Strom- und Gaskunden.

„Das Votum ist eine immense Herausforderung - wirtschaftlich, aber mehr noch politisch“, sagte Teyssen. Es müsse nun nicht nur in den kommenden Monaten geklärt werden, wie die Europäische Union ihr politisches und wirtschaftliches Verhältnis zu dem Vereinigten Königreich gestaltet. „Vielmehr müssen die europäischen Entscheidungsträger überzeugende Wege finden, wie diese Staatengemeinschaft wieder zu einem Anliegen der Menschen wird - auch wenn wir uns daran gewöhnt haben, viele Jahrzehnte in wachsendem Wohlstand und Frieden zu leben. Man darf dies nie für eine Selbstverständlichkeit halten.“

+++ Bundestag kommt zu Sondersitzung zusammen +++

Der Bundestag wird nach Angaben von CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder in der kommenden Woche zu einer Sondersitzung zur Brexit-Entscheidung zusammenkommen. Die Entscheidung sei bedauerlich, die Probleme in Europa würden größer, nicht kleiner. „Ich fürchte, die Bürger in Großbritannien werden das bald zu spüren bekommen“, sagt der CDU-Politiker.

+++ Raghuram Rajan: Brexit wird eine Warnung an EU-Skeptiker +++

Der prominente indische Notenbankchef Raghuram Rajan rechnet mit einer abschreckenden Wirkung des Brexits. „Die Kosten für die Briten dürften so hoch sein, dass sich andere Länder genau überlegen werden, aus der EU auszutreten“, sagte der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds im indischen TV. Die Aussichten für die Insel seien sehr schlecht.

Der Austritt der Briten sei außerdem ein größeres Risiko für die Weltwirtschaft als die Griechenland-Krise. „Das Vereinigte Königreich hat eine der größten Volkswirtschaften der Welt und ist sehr eng an die Eurozone angebunden“, sagte Rajan. „Die Auswirkungen sind größer, als wenn ein kleiner Staat in der Peripherie Pleite gehen könnte.“

Prinzipiell hält der prominente Geldpolitiker die derzeitigen Turbulenzen aber für kontrollierbar. Er rechnet mit entsprechenden Gegenmaßnahmen der Notenbanken. Angesichts der Verwerfungen an den Devisen-Märkten warnte er jedoch vor einem Abwertungswettlauf. Indien sieht er aufgrund guter Fundamentaldaten für unruhige Zeiten gewappnet.

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104 Kommentare zu "Live-Reaktionen auf Brexit-Referendum: Juncker will den Scheidungsbrief „gerne sofort“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Ja, solche Mitbürger gibt es, die der Meinung sind, dass sich Politiker gerne über die Meinung des Volkes hinwegsetzen können."

    @R. Riedl,
    ach Gott, diese selbsternannten armen Opfer angeblicher staatlicher Willkür sind nicht das Volk sondern pro Bürger 1/80.000.000 (in der BRD).

    Wir haben es in Europa trotz schwieriger Geschichte geschaftt, über 70 Jahre Frieden, Freizügigkeit, Wirtschaftswachstum und Menschenrechte zu erhalten. Wer sich sich hier in Europa irgendeiner Form in seiner persönlichen Freiheit oder seinen Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt sieht, dem ist nicht zu helfen. Der oder die soll dann dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst, aber mir nicht mit seinem destruktiven Gerede auf den Geist gehen.

  • Mozart - EU-Requiem
    https://www.youtube.com/watch?v=Zi8vJ_lMxQI

  • Das Schlimme ist ja, dass diese Gutmenschen alles andere als "gute Menschen" sind. Sie heucheln nur penetranter als andere.

  • Herr Kurt [email protected], der Auslöser war Frau Dr. Merkel mit ihrer Politik rund um die Schutzsuchenden.

  • Merkel, Schulz und Juncker enttäuschen mich nicht. Sie sind wie immer komplett vernagelt und haben nichts begriffen. Gut so!
    Die AfD als neue Kanzlerpartei wird zukünftig jede Stimme brauchen.

    Aber meine Gedanken sind jetzt auch bei denen, die sich ein anderes Ergebnis gewünscht haben (auch hier im Forum). Wie verlassen, abgelehnt und nutzlos müssen die sich jetzt vorkommen? Sie sollten es mit englischem Tee versuchen.

  • Diese Erscheinung tritt dann auf, wenn sich der Gutmensch zum Blödmensch wandelt.

  • Brüssel hat das ganz allein verbockt; die Regulierungswut der Technokraten in Brüssel (Gurkenwinkel und Glühbirne lassen grüßen) gepaart mit einem Juncker, der offen zugibt, im Notfall zu lügen, um seine Ziele zu erreichen und absolut asozial ist, da in seinem Zwergstaat für internationale Firmen die Steuer nach gut Dünken minimiert wird und das zu Lasten der übrigen Mitgliedsstaaten.

  • Zitat: "Ohne EU hätten sie heute genau die gleichen Richtlinien hinsichtlich der Glühbirne und der Gurke - nur eben auf nationaler Ebene. "

    Im Fall der Gurke ist das bereits der Fall. Aldi, Lidl und Co und viele Verbände WOLLEN die Regulierung und die Einklassierung der Lebensmittel und fordern Sie weiter von ihren Lieferanten ein ... ganz ohne EU-Verordnung.

    Ich denke, die meisten Kritiker der EU wollen auch nicht wahr haben, wie Verordnungen der EU entstehen. Diese Verordnungen fallen nicht vom Himmel. Da wird nichts "von oben herab" diktiert. Es gibt immer einer Anforderung von Ländern, Verbänden, Lobbyisten ... der dann in einer abgestimmten Form entsprochen wird.

  • Wichtige Entscheidungen trifft selbstverständlich ausschließlich das Politbüro (oder gleich die Staatsratsvorsitzende selber).
    Es reicht, wenn der Pöbel alle vier Jahre ein Kreuzchen macht - ist ja egal wo, denn sozialistisch-kollektivistisch sind die Einheitsparteien ja alle.
    Ja, nur weiter so...

  • Dies ist der größte Tag für Europa seit dem Mauerfall 1989. Die Völker erheben sich über die Diktatur ihrer Peiniger.

    Noch etwas zu dem User "Marcel Europaeer": Der hat hier mal einen Zusammenhang zwischen der massiven Einbruchskriminalität in D und der Öffnung der Ostgrenze allen Ernstes bestritten. Als er mit seinen Argumenten nicht mehr weiterkam, schrieb er, dass sei doch eine "win-win-Situation" für Einbrecher und Opfer. Die Opfer seien doch schließlich versichert und bekämen den Neuwert erstattet. Noch Fragen zu dieser Person?

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