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Brexit-Referendum Winston Churchill: „Lassen Sie Europa entstehen! “

Winston Churchill hielt 1946 vor Studenten eine seiner größten Reden. Seine Gedanken zur Zukunft Europas wirken aktueller denn je. Die Rede gipfelte in dem Aufruf: „Let Europe arise!“ Die Übersetzung des Originals.
Mit einer Zigarre im Mund grüßt der britische Staatsmann Sir Winston Churchill mit dem berühmten V-Zeichen seine Mitarbeiter, die sich in der Halle seines Amtssitzes in der Downing Street Nr. 10 versammelt hatten. Das war im Jahr 1955. Quelle: dpa
Winston Churchill

Mit einer Zigarre im Mund grüßt der britische Staatsmann Sir Winston Churchill mit dem berühmten V-Zeichen seine Mitarbeiter, die sich in der Halle seines Amtssitzes in der Downing Street Nr. 10 versammelt hatten. Das war im Jahr 1955.

(Foto: dpa)

Herr Rektor, meine Damen und Herren, ich bin heute geehrt worden durch den Empfang in Ihrer ehrwürdigen Universität und durch die Dankadresse, welche mir in Ihrem Namen überreicht worden ist und die ich sehr zu schätzen weiß. Ich möchte heute über Europas Tragödie zu Ihnen sprechen. Dieser edle Kontinent, der alles in allem die schönsten und kultiviertesten Gegenden der Erde umfasst und ein gemäßigtes, ausgeglichenes Klima genießt, ist die Heimat aller großen Muttervölker der westlichen Welt.

Hier sind die Quellen des christlichen Glaubens und der christlichen Ethik. Hier liegt der Ursprung fast aller Kulturen, Künste, philosophischen Lehren und Wissenschaften des Altertums und der Neuzeit. Wäre jemals ein vereintes Europa imstande, sich das gemeinsame Erbe zu teilen, dann genössen seine drei- oder vierhundert Millionen Einwohner Glück, Wohlstand und Ehre in unbegrenztem Ausmaße. Jedoch brachen gerade in Europa, entfacht durch die teutonischen Nationen in ihrem Machtstreben, jene Reihe entsetzlicher nationalistischer Streitigkeiten aus, welche wir in diesem zwanzigsten Jahrhundert und somit zu unserer Lebenszeit den Frieden zerstören und die Hoffnungen der gesamten Menschheit verderben sahen.

Der Tag der Abstimmung in Bildern
Regen in Westlondon
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Im Südosten Großbritanniens sorgten am Wahltag Unwetter für ein Verkehrschaos.

(Foto: Reuters)
Starkregen vor dem Bahnhof Euston
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Die Wassermassen sorgt für zahlreiche Ausfälle im Nahverkehr der Millionenstadt.

(Foto: AFP)
Wahlkampf in Nordlondon
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Olivia Sudjic wirbt für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union.

(Foto: AFP)
Wahlkampf bis zur letzten Minute
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Diese Britin wirbt auf der Liverpool Street in London für einen Verbleib in der Europäischen Union.

(Foto: dpa)
Wahlkampf bis zur letzten Minute
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Auf der Market Street, der wichtigsten Einkaufsmeile Manchesters, kämpften die beiden Lager noch am Nachmittag um die letzten unschlüssigen Wähler

(Foto: Martin Wocher)
Jeder nur ein Kreuz
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Wer sich nicht an die klare Vorgabe hält, könnte den Stimmzettel ungültig machen.

(Foto: Reuters)
Der Stimmzettel
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Das ist die Wahl, vor die die Briten gestellt sind: Soll das Land Mitglied der Europäischen Union bleiben ("Remain") oder die EU verlassen ("Leave").

(Foto: Reuters)

Und welches ist der Zustand, in den Europa gebracht worden ist? Zwar haben sich einige der kleineren Staaten gut erholt, aber in weiten Gebieten starren ungeheure Massen zitternder menschlicher Wesen gequält, hungrig, abgehärmt und verzweifelt auf die Ruinen ihrer Städte und Behausungen und suchen den düsteren Horizont angestrengt nach dem Auftauchen einer neuen Gefahr, einer neuen Tyrannei oder eines neuen Schreckens ab. Unter den Siegern herrscht ein babylonisches Stimmengewirr; unter den Besiegten das trotzige Schweigen der Verzweiflung. Das ist alles, was die in so viele alten Staaten und Nationen gegliederten Europäer, das ist alles, was die germanischen Völker erreicht haben, nachdem sie sich gegenseitig in Stücke rissen und weit und breit Verheerung anrichteten.

Hätte nicht die große Republik jenseits des Atlantischen Ozeans schließlich begriffen, dass der Untergang oder die Versklavung Europas auch ebenso ihr eigenes Schicksal bestimmen würde, und hätte sie nicht ihre Hand zu Beistand und Führung ausgestreckt, so wäre das finstere Mittelalter mit seiner Grausamkeit und seinem Elend zurückgekehrt. Meine Herren, es kann noch immer zurückkehren.

Und doch gibt es all die Zeit hindurch ein Mittel, das, würde es allgemein und spontan von der großen Mehrheit der Menschen in vielen Ländern angewendet, wie durch ein Wunder die ganze Szene veränderte und in wenigen Jahren ganz Europa oder doch dessen größten Teil so frei und glücklich machte, wie es die Schweiz heute ist. Welches ist dieses vorzügliche Heilmittel? Es ist die Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie oder doch so viel davon, wie möglich ist, indem wir ihr eine Struktur geben, in welcher sie in Frieden, in Sicherheit und in Freiheit bestehen kann. Wir müssen eine Art Vereinigte Staaten von Europa errichten. Das Vorgehen ist einfach. Das Einzige, was nötig ist, ist der Entschluss Hunderter von Millionen Männer und Frauen, recht statt unrecht zu tun und dafür Segen statt Fluch als Belohnung zu ernten.

Viel Arbeit, meine Damen und Herren, wurde für diese Aufgabe durch die Anstrengungen der paneuropäischen Union getan, welche Graf Coudenhove-Kalergi so viel zu verdanken hat und welche dem Wirken des berühmten französischen Patrioten und Staatsmannes Aristide Briand seine Richtung gab. Es gibt auch jene riesige Fülle von Grundsätzen und Verfahren, welche nach dem Ersten Weltkrieg mit großen Hoffnungen ins Leben gerufen worden war, ich meine den Völkerbund.

Der Völkerbund hat nicht wegen seiner Grundsätze oder seiner Vorstellungen versagt. Er hat versagt, weil die Staaten, die ihn gegründet hatten, diesen Grundsätzen untreu geworden waren. Er hat versagt, weil sich die Regierungen jener Tage davor fürchteten, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen und zu handeln, solange dazu Zeit blieb. Dieses Unglück darf sich nicht wiederholen. Viel Wissen und Vorarbeit, auf die aufgebaut werden kann, steht deshalb zur Verfügung; und auch teuer erkaufte Erfahrung, um die Handelnden zu ermahnen.

Brexit 2019
„Wir Briten haben unser eigenes Commonwealth.“
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