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Nach dem Brexit Briten wollen Steuern für Unternehmen drastisch senken

Ein EU-Austritt würde die britische Wirtschaft hart treffen. Finanzminister Osborne will daher Unternehmen mit aller Kraft im Land halten. Dazu plant er unter anderem eine drastische Senkung der Körperschaftssteuer.
Update: 04.07.2016 - 14:31 Uhr
„Wir müssen das Beste aus der Hand machen, die uns ausgeteilt wurde“ Quelle: AP
George Osborne

„Wir müssen das Beste aus der Hand machen, die uns ausgeteilt wurde“

(Foto: AP)

London Mit einer drastischen Steuersenkung will Großbritannien nach dem Brexit-Votum Unternehmen im Land halten. Finanzminister George Osborne wolle die Körperschaftsteuer über die bereits geplanten Kürzungen hinaus auf unter 15 Prozent senken, erklärte das Finanzministerium am Montag in London. Dieser Satz wäre im Vergleich der großen Volkswirtschaften der Erde der niedrigste und dürfte in der EU auf Kritik treffen.

Osborne hat seit 2010 bereits mehrfach die Steuern für Unternehmen gekürzt. Damals belief sich die Körperschaftsteuer noch auf 28 Prozent, inzwischen sind es nur noch 20 Prozent. Bis 2020 sollte sie bisher schrittweise auf 17 Prozent sinken - das wurde bereits lange vor dem Referendum vor anderthalb Wochen beschlossen.

Mit einer neuen Zielmarke von unter 15 Prozent hätte Großbritannien den niedrigsten Satz unter den wichtigsten Volkswirtschaften und würde sich damit Irland annähern. Dort liegt die Körperschaftsteuer bei 12,5 Prozent.

Die britische Wirtschaft müsse sich mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf das Ausscheiden aus der EU vorbereiten, sagte Osborne der "Financial Times". "Wir müssen den Horizont und den Weg vor uns in den Blick nehmen und das Beste aus dem Blatt machen, das uns ausgeteilt wurde."

Mit den Plänen reagiert Osborne auf Befürchtungen, Unternehmen könnten nach dem Brexit-Votum wegen der Unsicherheit über die künftigen Beziehungen Großbritanniens mit der EU das Land verlassen. Mehrere große britische Unternehmen haben seit der Brexit-Entscheidung bereits vor schrumpfenden Gewinnen gewarnt.

Unternehmen, die den Brexit schon heute spüren
Vodafone
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Der Mobilfunk-Riese Vodafone denkt nach dem Brexit-Referendum laut über die Verlegung seines Hauptsitzes aufs europäische Festland nach. „Die Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU war ein wichtiger Faktor für das Wachstum eines Unternehmens wie Vodafone“, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens von Mittwoch. Noch sei es zu früh, Schlüsse für den langfristigen Standort des Hauptsitzes zu ziehen, aber es werde entschieden, was zweckmäßig für das Interesse von Kunden, Aktionären und Angestellten sei. Vodafone beschäftigt rund 13.000 Menschen in Großbritannien und hat Sitze in London und Newbury.

(Foto: Reuters)
Ryanair
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Wegen des Brexit-Votums will sich Billigflieger Ryanair verstärkt auf Kontinentaleuropa konzentrieren. Es sei „höchst unwahrscheinlich“, dass im kommenden Jahr auch nur eines der 50 neuen Flugzeuge in Großbritannien stationiert werde, sagte Firmenchef Michael O‘Leary (M.). „Wir werden all unser Wachstum in die Europäische Union umleiten.“ Bisher hat die irische Ryanair einen beträchtlichen Teil ihrer Flotte in Großbritannien stationiert. Der eingebrochene Pfund-Kurs werde die Bilanz belasten, die in Euro abgerechnet wird. Für Ryanair ist Großbritannien bislang der größte Markt.

(Foto: dpa)
Easyjet
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Die zweitgrößte europäische Billig-Airline Easyjet kassierte bereits die Prognose für das laufende Quartal. Wegen des Brexit könnten sich weniger Menschen im Sommer für eine Flugreise entscheiden. Zudem dürften gestiegene Treibstoffpreise und ungünstige Wechselkurse das Ergebnis im Ende September endenden Geschäftsjahr mit etwa 25 Millionen britischen Pfund (31 Millionen Euro) zusätzlich belasten. Easyjet-Chefin Carolyn McCall (Foto) versucht nun, an anderen Stellen im Unternehmen zu sparen. Laut Medienberichten vom Freitag erwägt der Billigflieger auch, den Firmensitz in ein anderes EU-Land zu verlagern. Das Unternehmen habe mit Luftfahrtbehörden mehrerer Länder bereits Sondierungsgespräche aufgenommen, meldet der Sender Sky News.

(Foto: Reuters)
IAG
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Die Entscheidung der Briten zum Austritt aus der EU durchkreuzt die Gewinnpläne der Fluggesellschaft British Airways und ihres Mutterkonzerns IAG. Schon in den Wochen vor dem Referendum habe sich der Ticketverkauf schwächer entwickelt als erwartet. Angesichts des Votums für den Brexit und der daraus entstandenen Marktturbulenzen werde der operative Gewinn in diesem Jahr zwar immer noch deutlich steigen, aber nicht mehr so stark wie im Jahr 2015. Zu IAG gehören neben British Airways auch die spanischen Fluglinien Iberia und Vueling sowie die irische Gesellschaft Aer Lingus.

(Foto: Reuters)
Virgin
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Der Brexit wird das Land nach Einschätzung des britischen Milliardärs Richard Branson (Foto) in eine Rezession stürzen und zum Verlust Tausender Arbeitsplätze führen. „Wir steuern auf ein Desaster zu. Ich glaube nicht, dass die Bürger schon begriffen haben, was für einen Schlamassel ihr Votum auslösen wird“, sagte der Gründer der Virgin-Gruppe . Seine Fluggesellschaft habe nach dem Brexit-Entschluss bereits einen „sehr großen“ Deal abgesagt, der etwa 3000 Arbeitsplätze geschaffen hätte. Sein Unternehmen habe seit der überraschenden Brexit-Entscheidung etwa ein Drittel an Wert eingebüßt. Tausende und Abertausende Stellen würden dadurch verloren gehen.

(Foto: AFP)
Airbus
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Der Flugzeugbauer stellt seine Investitionspläne in Großbritannien auf den Prüfstand. Vorstandschef Tom Enders (Foto) sagte, Großbritannien werde sich jetzt „noch mehr auf die Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft gegenüber der EU und der gesamten Welt fokussieren. Aber natürlich werden wir unsere Investitionsvorhaben in Großbritannien überdenken, so wie jeder andere auch.“ Er hoffe, dass der wirtschaftliche Schaden durch den Brexit klein bleibe.

(Foto: dpa)
Siemens
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Der deutsche Industriekonzern Siemens friert seine Investitionspläne im Windkraftgeschäft in Großbritannien ein, bis es mehr Klarheit über die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU gebe. Siemens hatte 2014 zugesagt, 160 Millionen Pfund in zwei Werke bei Hull zu investieren. „Die Regierung muss jetzt schnell handeln und die Natur der britischen Handelsbeziehungen zu der EU und anderen Handelspartnern festlegen, damit es klare Aussichten gibt, um künftige Investitionen zu ermutigen“, erklärte das Unternehmen.

(Foto: Reuters)

Angesichts der Anzeichen, dass sich das britische Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamen werde, seien "steuerliche Anreize und Maßnahmen" nötig, damit Großbritannien für Unternehmen ein "attraktiver Ort" bleibe, sagte Analyst Scott Corfe. Eine Senkung der Körperschaftsteuer würde die Regierung zwar zunächst Geld kosten. Mittel- und langfristig würden aber die Einnahmen steigen, da die Senkung die wirtschaftliche Aktivität ankurbele.

Bei der oppositionellen Labour-Partei stießen Osbornes Pläne auf Kritik. Anstelle das gesamte Land in ein "riesiges Steuerparadies" und einen "Spielplatz für Ultra-Reiche" zu machen, müsse der Finanzminister die "echten Probleme" in den Griff bekommen, forderte der Labour-Finanzexperte John McDonnell.

Und auch innerhalb der EU dürften die Pläne Großbritanniens kaum auf Begeisterung stoßen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte, es sei Ziel der Bundesregierung, "dass es auch im Bereich Steuern in einem Binnenmarkt fair zugeht". Sollte Osborne in der kommenden Woche seine Pläne im EU-Finanzministerrat vorstellen, werde sich daran sicher eine Diskussion anschließen.

  • afp
  • dpa
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