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Von Zockern und Spekulanten Wetten auf den Brexit

Wer auf einen Ausstieg der Briten aus der EU setzt, kann damit viel Geld verdienen. Mit welchen Anleihen, stabilen Währungen, Gold und direkten Wetten Investoren Kapital aus einem Brexit schlagen können.
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Der Ukip-Parteichef besuchte in London ein Wettbüro von Ladbrokes. Er hat 1000 Pfund auf den Austritt aus der EU gesetzt. Quelle: action press
Nigel Farage wettet auf den Brexit

Der Ukip-Parteichef besuchte in London ein Wettbüro von Ladbrokes. Er hat 1000 Pfund auf den Austritt aus der EU gesetzt.

(Foto: action press)

London Das schummrige Wettbüro von Ladbrokes in einem Londoner Multikulti-Viertel ist zur Mittagszeit gut besucht. Gebannt verfolgen die überwiegend männlichen und farbigen Stammkunden die Wettquoten auf den großen Bildschirmen. Ein Mann schiebt dicke Geldbündel durch den Schalter. Er versucht sein Glück bei der Fußball-EM.

Auch auf den Brexit kann man hier Wetten abschließen. „Im Vergleich sind die Wettsummen aber eher klein“, erzählt der Ladenmanager hinter dickem Sicherheitsglas. „Die meisten, die politische Wetten abschließen, kommen nicht hierher, sondern stimmen im Internet ab.“ Der Trend aber ist überall eindeutig: „Die Mehrheit setzt auf Remain.“

Die Chance auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU lagen bei Ladbrokes, der zu den führenden britischen Wettanbieter zählt, am Mittwoch bei 76 Prozent. Die Quote dafür stand bei 1/4 - das heißt: Wer vier Pfund setzt und Recht behält, bekommt ein Pfund Gewinn und seinen Wetteinsatz zurück, also insgesamt fünf Pfund. Wer dagegen auf einen Brexit setzt, kann weit mehr verdienen: Bei einem Pfund Einsatz sind drei Pfund Gewinn drin - aber nur wenn die Briten wirklich für einen Austritt stimmen.

Insgesamt sehen die britischen Buchmacher die Brexit-Gegner wieder deutlich in der Überzahl. „Am Donnerstag noch waren die Chancen auf einen Brexit auf 40 Prozent gestiegen, jetzt liegen sie wieder bei 24 Prozent“, sagt Wettexpertin Jessica Bridge von Ladbrokes. Der Mord an der Labour-Abgeordneten und EU-Befürworterin Jo Cox hat die Stimmung wieder in Richtung Verbleib gedreht.

Das EU-Referendum ist die größte politische Wette der britischen Geschichte. Die Buchmacher lagen bei den letzten politischen Entscheidungen meist goldrichtig - während sich viele Meinungsforscher blamierten. Denn letztere befragen nur eine relativ kleine Gruppe, die offenbar nicht immer repräsentativ ist. Bei den Wettquoten, die sich zudem meist in Echtzeit verfolgen lassen, geht es ums private Geld – da wettet man auch mal, dass der geliebte Fußballclub verliert. Realismus schlägt Hoffnungsdenken.

So lagen die Demoskopen beim Schottland-Referendum 2014 voll daneben, als sie eine Abspaltung vorhersagten – anders als die Buchmacher. Auch bei den Unterhauswahlen im Mai 2015 blamierten sich die Meinungsforscher, indem einige Labour-Kandidat Ed Miliband zum Sieger erklärten.

Die Zocker bei den Buchmachern dagegen glaubten: David Cameron bleibt in der Downing Street wohnen – und behielten Recht. „Meinungsforscher schauen nur auf eine Momentaufnahme. Aber Menschen ändern ihre Meinung, da spiegeln die Wettquoten ein viel konsistenteres Meinungsbild wider“, erklärt Bridge von Ladbrokes.

James Bonds neues Girl – die EU
Victoria Beckham
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Wie ihr Ehemann will auch Victoria Beckham für „Remain“ stimmen. Sie wehrte sich zudem auf Instagram gegen ein zwanzig Jahre altes Zitat über das britische Pfund, das die „Leave“-Kampagne für ihre Zwecke verwendete.

(Foto: Screenshot Instagram)
David Beckham
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Die britische Fußball-Ikone meldete sich am Dienstag zu Wort und offenbarte sich als „Remain“-Befürworter: „Für unsere Kinder und deren Kinder sollten wir die Probleme dieser Welt gemeinsam angehen und nicht alleine. Aus diesen Gründen werde ich für einen Verbleib stimmen.“

(Foto: dpa)
Gary Linecker
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Der Fußball-Kommentator und ehemalige englische Nationalspieler hat sich am Mittwoch als EU-Befürworter zu erkennen gegeben.

Michael Caine
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Der zweifache Oscar-Preisträger gehört wohl zu den bekanntesten Schauspielern Großbritanniens. Am Donnerstag will er für den Brexit stimmen.

(Foto: Reuters)
Emma Watson
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Der "Harry Potter"-Star hat sich nicht dazu geäußert, wie sie am Donnerstag abstimmen wird. Allerdings rief sie via Twitter ihre Landsleute dazu auf ihre Stimme abzugeben.

(Foto: Reuters)
Julian Fellowes
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Der Oscar-prämierte Autor ist Schöpfer der Erfolgsserie „Downton Abbey“ und zudem Mitglied im britischen Oberhaus. Der Adlige will am Donnerstag mit „Leave“ stimmen.

(Foto: AP)
Juergen Teller
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Der deutsche Künstler ist Wahl-Londoner – als EU-Bürger ist das kein Problem. Juergen Teller entwarf eine Kampagne gegen den Brexit.

(Foto: dpa)

„Im Informationszeitalter sind die Wettmärkte zu sehr zuverlässigen Propheten geworden“, urteilt Leighton Vaughan Williams, Professor am Betting Research Institute an der Nottingham Business School. Er glaubt an die Weisheit der Vielen. „Wenn Meinungsforscher und Buchmacher das Gegenteil sagen – dann sollte man immer auf die Buchmacher hören.“

Politische Wetten sind ein Millionengeschäft
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Brexit

3 Kommentare zu "Von Zockern und Spekulanten: Wetten auf den Brexit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nach meinem Verständnis der Sachlage werden die Quoten der Buchmacher im Sekundentakt dem Wettverhalten der Kunden angepasst. Wenn zu Beginn 1 Million Euro auf Remain und 100000 Euro auf Brexit gesetzt werden, so wird die Quote bei <10 zu 1 angesetzt. Von dort an wird sie dynamisch angepasst. Auf diese Weise verdient der Wettanbieter seine Marge und verliert in keinem Fall Geld. So gesehen repräsentieren die Quoten der Buchmacher eine Art Schwarmintelligenz des Geldes. Würde heute jemand 1 Milliarde Euro auf Brexit setzen würden die "Vorhersagen der Buchmacher" sich automatisch zu dessen Gunsten wenden. Anders als bei den meisten Fußballspielen sind Brexit Gegner und Befürworter nicht gleichermaßen mit Geld ausgestattet, zudem steht viel mehr auf dem Spiel, weshalb ich die Quoten der Buchmacher bei dieser Abstimmung nicht überbewerten würde.

  • ............was soll denn das ganze Speckulieren.......wer ein bischen von Psychologie gehört und verstanden hat.....kann doch davon ausgehen, daß die Briten drinbleiben werden.....wissen sie doch, dass der Laden Europa eine gewisse Stabilität....Strahlkraft...und auch Anziehungskraft in Form von Wirtschaftspotenzial besitzt....im Konzert der großen Märkte.....und man nicht so einfach einen eigenen Weg gehen möchte und wird......also... es wird sich nix (nichts) ändern....

  • Viel zu schwierig, einfach auf das fallende Pfund setzen, bleiben die Briten drinn ist es egal, gehen die raus gibt es den Reibach.

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