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Brexit-Streit Diese Kandidaten wollen die britische Premierministerin May ablösen

In Großbritannien wird bereits offen über Mays Rücktritt spekuliert – und über ihre Nachfolge. Zwei der elf möglichen Kandidaten haben besonders gute Chancen.
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Brexit-News: Diese Kandidaten wollen Theresa May ablösen Quelle: AFP
Konkurrenz für Theresa May

Die britische Premierministerin muss um ihren Job fürchten. Gute Chancen soll Kabinettschef David Lidington (links) haben.

(Foto: AFP)

LondonDie britische Premierministerin ist wirklich nicht zu beneiden: Ihr Brexit-Kurs bringt ihr eine Niederlage nach der anderen im Parlament ein. Dass Theresa May sich angesichts des heftigen Widerstands nicht mehr lange im Amt halten dürfte, steht für viele Briten schon lange fest – zumal einige Kritiker offen ihren Rücktritt fordern.

So uneins Großbritannien auch beim Thema Brexit ist: Fragt man die Bevölkerung, ob die Regierungschefin sich gut in den Verhandlungen mit der Europäischen Union (EU) schlägt, ist die Meinung einhellig: Nein, sagten 78 Prozent. Das zeigte kürzlich eine Umfrage von Yougov. Die Liste derjenigen, die als Nachfolger auf den Posten des britischen Premierministers gelten, ist prominent besetzt.

Der Kabinettschef war früher EU-Befürworter. Quelle: dpa
David Lidington

Der Kabinettschef war früher EU-Befürworter.

(Foto: dpa)

David Lidington (aktuell: Kabinettschef)

Der Name des 62-jährigen Kabinettschefs ist in den vergangenen Tagen immer wieder gefallen, wenn über mögliche Nachfolger spekuliert wurde. Aus gutem Grund: Sollten sich die Ereignisse überschlagen und May entmachtet werden oder zurücktreten, würde Lidington in seiner Funktion als Kabinettschef wohl zunächst die Geschäfte führen. Lidington selbst wies Ambitionen auf den Posten mehrfach zurück.

Er stehe „100-prozentig“ hinter der Premierministerin, beteuerte er. Außerdem habe die enge Zusammenarbeit mit May in ihm „jedes letzte bisschen Lust“ auf das Amt genommen. Aus Sicht der Brexit-Befürworter hat er ohnehin einen gewichtigen Makel: Im Laufe seiner langen politischen Karriere hatte er sich als EU-Unterstützer erwiesen und – wie Theresa May – bei dem EU-Referendum 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt. Deswegen sagen Experten, dass er allenfalls vorübergehend seine Chefin beerben dürfte, bis der eigentliche Nachfolger gefunden wurde.

Wahrscheinlichkeit: 7/10

 

Der Landwirtschafts- und Umweltminister trat schon vor dem Referendum für einen Austritt aus der EU ein. Quelle: AFP
Michael Gove

Der Landwirtschafts- und Umweltminister trat schon vor dem Referendum für einen Austritt aus der EU ein.

(Foto: AFP)

Michael Gove (aktuell: Landwirtschafts- und Umweltminister)

Der 51-Jährige ist der Landwirtschafts- und Umweltminister im Regierungskabinett. An dem gebürtigen Schotten haftete lange der Makel des „Königsmörders“. Denn lange galt Gove als enger Vertrauter von Boris Johnson und hatte diesen bei der Wahl zum Premierminister 2016 unterstützt - bis Gove sich plötzlich umentschied und selbst (nicht sehr erfolgreich) kandidierte. Mittlerweile sind einige Parteimitglieder offenbar bereit, ihm diesen Fehler zu verzeihen.

In parteiinternen Umfragen, wer nächster Premier werden soll, landet er regelmäßig unter den ersten fünf. Gove hat seine Lektion offenbar gelernt: Als sein Name nun in der Debatte über Mays Nachfolger kursierte, beeilte er sich, Ambitionen auf den Posten zurückzuweisen. „Es ist nicht der richtige Moment um den Kapitän auszuwechseln.

Was wir jetzt tun müssen, ist den richtigen Kurs festzulegen”, sagte Gove. Für ihn spräche aus Sicht der Brexit-Befürworter, dass Gove schon vor dem EU-Referendum für den Austritt aus der EU eintrat. Doch gleichzeitig warnte er zuletzt davor, die Folgen des Brexit zu unterschätzen und warb für den bei Brexit-Befürwortern so verhassten Deal seiner Chefin.

Wahrscheinlichkeit: 7/10

Der ehemalige Außenminister war einer der Anführer der „Leave“-Kampagne. Quelle: AFP
Boris Johnson

Der ehemalige Außenminister war einer der Anführer der „Leave“-Kampagne.

(Foto: AFP)

Boris Johnson (aktuell: Abgeordneter)

Der Ex-Außenminister ist einer derjenigen, die sich am lautesten für einen kompromisslosen Abschied aus der EU einsetzen. Woche für Woche wettert er in einer Kolumne der EU-skeptischen Zeitung „Telegraph“ gegen den Brexit-Kurs der Premierministerin und versucht, seine Meinung zu verbreiten, dass selbst ein Ende der EU-Mitgliedschaft ohne Abkommen kein Problem für Großbritannien darstellt.

Bei Umfragen unter Parteimitgliedern, wer künftig das Land führen soll, schneidet der frühere Londoner Bürgermeister regelmäßig als Spitzenreiter ab. Doch in den Reihen seiner Abgeordnetenkollegen hält man Johnson für illoyal und populistisch – und das ist ein Problem: Sollte Premierministerin May gehen und ein Nachfolger gesucht werden, wählt die Unterhausfraktion in einer Vorwahl die beiden Kandidaten aus, über die die Basis am Ende abstimmt. Und dort gilt Johnson keineswegs als gesetzt.

Wahrscheinlichkeit: 6/10

Der ehemalige Gesundheitsminister trat die Nachfolge von Johnson als Außenminister an. Quelle: AP
Jeremy Hunt

Der ehemalige Gesundheitsminister trat die Nachfolge von Johnson als Außenminister an.

(Foto: AP)

Jeremy Hunt (aktuell: Außenminister)

Sechs Jahre lang machte sich der heute 52-Jährige als Gesundheitsminister verdient – so lange wie kein anderer Brite vor ihm. Vergangenen Sommer, nachdem Johnson zurückgetreten war, ernannte Premierministerin May Hunt zu seinem Nachfolger im Amt des Außenministers. Auch Hunt hatte zunächst für den Verbleib in der EU gestimmt, sich im Laufe der vergangenen Monate aber immer stärker auf die Seite der Brexit-Befürworter geschlagen, schaffte es aber gleichzeitig, seiner Chefin loyal zu bleiben.

Kritiker monieren deswegen, er werde lediglich weiter den von May eingeschlagenen Weg verfolgen. Gleichwohl soll Hunt schon seit Monaten seinen Wahlkampf vorbereiten und gerade in den Reihen der Brexit-Befürworter einige Unterstützer gefunden haben.

Internationale Schlagzeilen machte seine Forderung, die EU müsse aus der Geschichte der Sowjetunion lernen und dürfe die europäische Gemeinschaft nicht „in ein Gefängnis verwandeln“, wie Hunt auf dem Parteitag der Konservativen sagte. Doch trotz derartiger Fauxpas haftet Hunt der Ruf an, zu uncharismatisch für den Top-Job zu sein.

Wahrscheinlichkeit: 5/10

Der Innenminister hat sich ursprünglich für einen Verbleib in der EU eingesetzt. Quelle: Reuters
Sajid Javid

Der Innenminister hat sich ursprünglich für einen Verbleib in der EU eingesetzt.

(Foto: Reuters)

Sajid Javid (aktuell: Innenminister)

Auch der Name des Innenministers fällt bei Diskussionen über den zukünftigen Regierungschef. Allerdings hat auch er im EU-Referendum für „Remain“ gestimmt, also den Verbleib in der EU. Darüber hinaus musste der Sohn pakistanischer Einwanderer in den vergangenen Monaten immer wieder schlechte Nachrichten über sich lesen: Javid wurde etwa zum Vorwurf gemacht, er habe zu zögerlich reagiert, als über den Jahreswechsel mehrere Dutzend Flüchtlinge mit Booten über den Kanal nach Großbritannien kamen.

Auch dass er damals offenbar nur widerwillig seinen Luxusurlaub in Afrika abgebrochen hatte, um sich dem Thema zu widmen, wurde ihm vorgeworfen. Auch sein Umgang mit der ehemaligen IS-Anhängerin Shamima Begum wurde kontrovers diskutiert, der Javid die Staatsbürgerschaft entzogen hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Javid sich gegen andere Interessenten durchsetzen kann, ist deswegen zuletzt etwas gesunken.

Wahrscheinlichkeit: 5/10

Raab hatte auch schon das Amt des Brexit-Ministers inne. Quelle: Reuters
Dominic Raab

Raab hatte auch schon das Amt des Brexit-Ministers inne.

(Foto: Reuters)

Dominic Raab (aktuell: Abgeordneter)

Spätestens seit den aktuellen Auftritten des 45-Jährigen im Regierungsviertel Westminster, als er über soziale Ungerechtigkeit dozierte, herrscht kein Zweifel daran, dass der ehemalige Brexit-Minister gern seine ehemalige Chefin beerben würde. Raab wurde Juli vergangenen Jahres von May zum Brexit-Minister befördert, nachdem David Davis aus Protest gegen ihren Brexit-Plan zurückgetreten war.

Doch schon wenige Monate später, im November, folgte Raab dem Beispiel seines Vorgängers. Seitdem kritisiert er als Brexit-Hardliner den Kurs der Premierministerin. Er vertritt die Meinung, dass die EU Zugeständnisse machen müsse, damit der Brexit-Deal akzeptabel wäre und prangert die „Starrköpfigkeit“ der EU an. Für den studierten Juristen spricht, dass man ihm eine schnelle Auffassungsgabe und Ernsthaftigkeit nachsagt. Gegen ihn spricht allerdings sein Alter. Er ist erst 45 Jahre alt.

Wahrscheinlichkeit: 4/10

Die absoluten Außenseiter

Es gibt weitere Politiker und Politikerinnen im Londoner Regierungsbezirk Westminster, die sich gerne auf dem Posten von Premierministerin May sehen würden: So soll unter anderem noch Fraktionschefin Andrea Leadsom mit dem Posten liebäugeln, sie hatte 2016 gegen Premierministerin May den Kürzeren gezogen.

Arbeitsministerin Amber Rudd galt lange ebenfalls als potenzielle Nachfolgerin für May. Weil sie sich aber für den Verbleib in der EU einsetzt, sind nun ihre Chancen gesunken. Ihrer Vorgängerin auf dem Posten der Arbeitsministerin, Esther McVey, wird auch Interesse nachgesagt.

Und schließlich wird Jacob Rees-Mogg, der die ultrakonservative Brexit-Gruppe European Research Group (ERG) im Parlament anführt, immer wieder nach seinen Ambitionen gefragt – er weist das aber weit von sich.

Dazu kommt Labour-Chef Jeremy Corbyn. Eigentlich stehen erst 2022 wieder Wahlen in Großbritannien an. Sollte Theresa May aber scheitern, könnte das zu Chaos führen und Neuwahlen auslösen. Das hofft vor allem Corbyn. In den aktuellen Umfragen liegt seine Partei aber hinten: Laut Yougov würden 35 Prozent der Briten für die konservative Regierungspartei stimmen, 31 Prozent für Labour. Angesichts der knappen Werte ist der Appetit in den Reihen der Regierungspartei gering, Neuwahlen zu riskieren.

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1 Kommentar zu "Brexit-Streit: Diese Kandidaten wollen die britische Premierministerin May ablösen"

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  • von diesem ganzen Theater abgesehen, wäre es deutlich hilfreicher, wenn Jornalisten im finanziellen Umfeld von Boris Johnson & co. recherchieren würden, denn hier gilt wahrscheinlich wieder: go where the money is