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Bric-Kooperation Schwellenländer trumpfen auf

Die Präsidenten der Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China wollen ihre Wirtschaftskraft jetzt auch in politische Macht ummünzen. Gestärkt durch die globale Krise werden sie künftig enger zusammenarbeiten - und die Industriestaaten unter Druck setzen.
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Die Bric-Präsidenten wollen künftig stärker zusammenarbeiten. Quelle: ap

Die Bric-Präsidenten wollen künftig stärker zusammenarbeiten.

(Foto: ap)

SAO PAULO. Brasilien, Russland, Indien und China haben sich in kurzer Zeit nicht nur wirtschaftlich stärker integriert als erwartet - sie wollen auch politisch an einem Strick ziehen. "Die Brics haben erkannt, dass sie gemeinsam ein größeres weltpolitisches Gewicht in die Waagschale werfen", sagt Douglas Smith, Chefökonom der Standard Chartered Bank für Lateinamerika.

Bereits zum zweiten Mal treffen sich heute die vier Präsidenten der Staaten zum politischen Gipfel in Brasília. Vor allem China setzt sich für eine engere Zusammenarbeit ein, das als größtes der Bric-Länder bisher eher zurückhaltend aufgetreten war. "Gemeinsam mit den drei Partnern kann China in der G20 seine Interessen besser durchsetzen", sagt Jiang Shixue von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, der den Gipfel in Brasília als Vorbereitung für das Treffen der G20 im Juni in Kanada einschätzt.

Bis auf Russland sind die Brics weitgehend unbeschadet durch die Krise gelangt und bauten ihr Gewicht in der Weltwirtschaft noch weiter aus. Für China ist das Bric-Forum auch willkommene Chance, den Forderungen der USA nach einer stärkeren Verantwortung in der Weltpolitik und-wirtschaft auszuweichen. "Trotz unseres großen Wachstums sind wir immer noch ein Entwicklungsland und das drückt sich auch in unserer Außenpolitik aus", sagte Qiu Xiaoqi, Chinas Botschafter in Brasília.

"Der Fakt, dass die vier Staaten sich treffen, zeigt, dass wir im Internationalen Währungsfond, der Weltbank und den Vereinten Nationen noch keine optimale Global Governance besitzen", sagt Jim O?Neill. Der Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs hatte 2003 die vier Emerging-Markets unter der Abkürzung Bric als die künftig stärksten Wachstumspole der Weltwirtschaft zusammengefasst. "Auch wenn ihr politisches Potenzial limitiert ist, wegen ihrer verschiedenen Interessen, sind sie heute ähnlich stark oder gar wichtiger als etwa die G7", sagt O?Neill.

Für das Treffen in Brasília erwarten Experten, dass die Bric-Staats- und Regierungschefs ihre Forderungen nach einem größeren Mitspracherecht in den internationalen Finanzinstitutionen wie dem IWF erheben werden. Um die Bric-Staaten nicht von anderen großen Schwellenländern zu isolieren, hat der brasilianische Präsident Luis Inácio Lula da Silva vor dem Treffen gestern einen Sondergipfel mit den Kollegen Jacob Zuma (Südafrika) und Manmohan Singh (Indien) veranstaltet.

Auf weitergehende Forderungen, wie etwa die Beteiligung Indiens und Brasilien im Weltsicherheitsrat der Uno werden sich die Bric-Präsidenten jedoch nicht einigen können: Russland und China haben kein Interesse daran, den Sicherheitsrat zu erweitern. Basis für den wachsenden politischen Einfluss der Gruppe sind der wirtschaftliche Erfolg und die zunehmende Integration der Staaten: In nur zehn Jahren haben sie ihren Anteil am Welthandel auf heute 25 Prozent mehr als verdoppeln können. Sie stellen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung und 14 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft. In den letzten Jahren haben sie mit ihrem Wachstum mehr als die Hälfte zur weltweiten BIP-Zunahme beigetragen.

Neu ist, dass die Staaten sich untereinander stärker integrieren. Nach einer neuen Uno-Studie wird China bereits in vier Jahren Europa als den zweitwichtigsten Wirtschaftspartner Lateinamerikas nach den USA überholen. Das brasilianische Außenministerium erwartet, dass der Handel mit den Bric-Staaten dieses Jahr allein um 20 Prozent wachsen wird.

In Südamerika dominiert China bereits jetzt die Außenwirtschaftsbeziehungen. China sichert sich auf dem Kontinent zunehmend Rohstoff- und Energiequellen für seine wirtschaftliche Entwicklung. Alleine in Brasilien haben chinesische Konzerne in Stahl und Ölunternehmen seit Jahresanfang zwei Mrd. Dollar investiert. Indische Konzerne investieren in Südamerika bisher vorwiegend in Industrieunternehmen (Stahl, PKW) und Informationstechnologie. Russland baut neben Investitionen in Öl und Gas vor allem seine Rüstungsindustrie aus. In Brasilien wollen russische Staatskonzerne militärische Fahrzeuge produzieren.

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