Brics-Gipfel in Ufa Russland, China und Co. kritisieren den Westen

Scharfe Abrechnung mit dem Westen: Die aufstrebenden Schwellenländer China, Russland, Indien und Brasilien kritisieren das Krisenmanagement der EU und der USA – und nehmen Anlauf für eine neue Weltordnung.
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Russlands Präsident Putin begrüßt sein iranisches Pendant Hassan Ruhani. Quelle: ap
Brics-Treffen in Ufa

Russlands Präsident Putin begrüßt sein iranisches Pendant Hassan Ruhani.

(Foto: ap)

UfaMit massiver Kritik an der Politik des Westens haben die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) auf ihrem Gipfel im russischen Ufa eine enge Partnerschaft vereinbart. Ziel der neuen Strategie-2020 sei es, Wachstum und Konkurrenzfähigkeit der Brics in der Weltwirtschaft zu erhöhen, sagte Kremlchef Wladimir Putin als Gastgeber des 7. Brics-Gipfels am Donnerstag in der Industriemetropole. In ihrer Abschlusserklärung kritisieren die fünf Staaten auch die „neoliberale Globalisierung“, weil diese weltweit Arbeitsplätze sowie Ökosysteme vernichte.

Im Kommuniqué von Ufa vereinbarten die Staaten das Ziel, eine neue „multipolare politische Weltordnung“ aufzubauen, ohne sich einem Diktat des Westens und „diskriminierenden Wirtschaftssanktionen“ zu beugen. Angestrebt werde eine gerechtere Ordnung der internationalen Beziehungen, heißt es in dem 18-Punkte-Papier. Laut Deklaration sehen sich die Brics-Staaten als „Struktur einer neuen globalen Steuerung“. Chinas Staatschef Xi Jinping nannte den Prozess „unumkehrbar“.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

Die Erklärung hebt auch die neue Brics-Entwicklungsbank sowie die Währungsreserve hervor. Sie sollen zusammen ein Volumen von 200 Milliarden US-Dollar erreichen und ein Gegengewicht zu dem vom Westen dominierten Internationalen Währungsfonds (IWF) bilden. Damit wollen die Schwellenländer den Reformdruck auf IWF und Weltbank erhöhen.

Nach Darstellung von Putin haben die Brics-Staaten unter anderem engere Kooperationen bei Investitionen und Handel, aber auch in Energie- und Kulturfragen sowie bei humanitären Problemen vereinbart. Die Brics kritisieren die USA und die EU für ihre Politik in ökonomischen Krisenzeiten. „Wir können nicht zustimmen, dass die Maßnahmen einer harten Wirtschaftsführung, die zu Misserfolgen in Europa und in den USA geführt haben, „Wege aus einer Krise“ sind“, heißt es in der Erklärung.

Themen am zweiten und letzten Tag des Brics-Gipfels waren auch die Finanzkrise in Griechenland sowie der Ukraine-Konflikt. Die Brics-Staaten wollten sich künftig mehr als bisher mit politischen Fragen befassen, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow. „Aber die Politik wird nicht die wirtschaftlichen Fragen überdecken - wie das bei der G7 passiert ist“, sagte der Diplomat mit Blick auf die Gruppe der großen sieben Industrienationen.

Russland war wegen seiner umstrittenen Politik im Ukraine-Konflikt von den G7 ausgeschlossen worden. An den Brics-Gipfel schließt sich nahtlos das Treffen der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) an. Daran nahmen auch die Präsidenten Afghanistans und Irans teil.

  • dpa
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