Brief an die Kanzlerin Trump tadelt Merkel und fordert höhere Militärausgaben

US-Präsident Trump fordert die Kanzlerin auf, dass Deutschland seine Verteidigungsausgaben erhöhen soll. Auch anderen Nato-Ländern macht er Druck.
Update: 03.07.2018 - 07:25 Uhr 1 Kommentar
Der US-Präsident kritisierte: „Die anhaltende Etatunterschreitung der Deutschen für die Verteidigung untergräbt die Sicherheit des Nato-Bündnisses.“ Quelle: dpa
Merkel und Trump

Der US-Präsident kritisierte: „Die anhaltende Etatunterschreitung der Deutschen für die Verteidigung untergräbt die Sicherheit des Nato-Bündnisses.“

(Foto: dpa)

New YorkUS-Präsident Donald Trump hat Briefe an die Staatsoberhäupter mehrerer Nato-Verbündeter, darunter Deutschland, Belgien, Norwegen und Kanada, geschrieben. Darin äußert er massive Kritik, berichtet die „New York Times“.

Demnach monierte er in seinem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel erneut, dass Deutschland zu wenig für die eigene Verteidigung ausgebe. Zudem soll er Merkel davor gewarnt haben, dass die Vereinigten Staaten die Geduld verlieren werden, wenn Deutschland nicht bald den gemeinsamen Nato-Sicherheitsverpflichtungen nachkommt.

„Wie wir bei Ihrem Besuch im April besprochen haben, wächst in den Vereinigten Staaten die Frustration, dass einige Verbündete nicht wie versprochen ihre Ausgaben erhöht haben“, schrieb Trump an die Bundeskanzlerin, berichtet die US-Zeitung.

„Die anhaltende Etatunterschreitung der Deutschen für die Verteidigung untergräbt die Sicherheit des Bündnisses und wird als Vorwand für andere Verbündete angesehen, die ebenfalls nicht planen, ihre militärischen Verpflichtungen einzuhalten, weil andere Länder Deutschland als Vorbild ansehen.“

Trump bezieht sich damit auf eine Vereinbarung der Nato-Verbündeten bei einem Gipfeltreffen in Wales im Jahr 2014. Dort verständigten sich die Partner darauf, dass sie bis spätestens 2024 jeweils zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die nationale Verteidigung ausgeben werden. Experten schätzen, dass die deutsche Nato-Quote nach der Haushaltsplanung von derzeit 1,2 Prozent auf 1,3 Prozent 2019 klettern und danach wieder fallen wird.

Laut dem neuen Haushaltsentwurf der Bundesregierung soll der Wehretat im Jahr 2019 auf 42,9 Milliarden Euro steigen, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Das ist ein Plus von vier Milliarden Euro gegenüber 2018 – und 650 Millionen Euro mehr, als Scholz seiner Kabinettskollegin im Frühjahr zugebilligt hatte.

Laut Trump geben die USA mehr Mittel für die Verteidigung Europas aus, obwohl die Wirtschaft des Kontinents, einschließlich Deutschlands, gut laufe und die Sicherheitsherausforderungen zahlreich seien. „Das ist für uns nicht mehr tragbar,“ warnte Trump. Und er sei nicht allein mit seiner wachsenden Frustration: „Der Kongress der Vereinigten Staaten ist ebenfalls beunruhigt.“

Der US-Präsident fuhr in seinem Brief an Merkel fort: „Es wird jedoch immer schwieriger, gegenüber amerikanischen Bürgern zu rechtfertigen, warum einige Länder die gemeinsamen Sicherheitskosten der Nato nicht tragen, während amerikanische Soldaten weiterhin ihr Leben im Ausland opfern oder schwer verletzt nach Hause kommen.“

Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau und Norwegens Premierministerin Erna Solberg erhielten ähnliche Schriftstücke. Die Briefe, die Trump letzten Monat herausgeschickt hatte, sind ein weiteres Zeichen, dass sich die Fronten zwischen dem US-Präsidenten und seinen Verbündeten zunehmend verhärten. Die Briefe an die einzelnen Staatsoberhäupter waren laut „New York Times“ ähnlich formuliert, doch Trumps Brief an Bundeskanzlerin Merkel soll besonders kritisch gewesen sein.

Der Republikaner reist nächste Woche nach Brüssel für den Nato-Gipfel, der am 11. und 12. Juli stattfinden wird. Trump hatte wiederholt die Relevanz des transatlantischen Militärbündnisses in Frage gestellt und behauptet, dass einige Nato-Mitglieder die USA ausnutzen würden.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Trump über Deutschlands angeblich geringe Verteidigungsausgaben beschwert. Vor wenigen Wochen äußerte er seinen Frust per Lieblingssprachrohr. Auf Twitter schrieb der US-Präsident: „Deutschland zahlt ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes (langsam) in Richtung Nato, während wir vier Prozent einer weit größeren Wirtschaftsleitung zahlen. Glaubt irgendjemand, dass das Sinn macht? Wir schützen Europa (was gut ist) mit großen finanziellen Verlusten und werden dann ungerecht im Handel fertiggemacht.“

Startseite

Mehr zu: Brief an die Kanzlerin - Trump tadelt Merkel und fordert höhere Militärausgaben

1 Kommentar zu "Brief an die Kanzlerin: Trump tadelt Merkel und fordert höhere Militärausgaben"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wussten wir schon - Aufruestung fuehrt letztendlich zum Krieg. Wie sagte meine Oma:
    Vertrag Euch, dann habt Ihr keine Feinde!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%