Brief an Georgios Papandreou „Es gibt ein Leben nach dem Tod“

Die Wahrheit, dass Griechenland sparen muss, ist in eine Unwahrheit umgekippt. Die Zahlungsunfähigkeit rückt näher. Jetzt muss das bisher Undenkbare gedacht werden. Ein offener Brief an den griechischen Premierminister.
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Griechenlands Premierminister Georgios Papandreou (links) im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart im Mai 2010. Quelle: Nikos Chrisikakis / Agentur Focus für Handelsblatt

Griechenlands Premierminister Georgios Papandreou (links) im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart im Mai 2010.

(Foto: Nikos Chrisikakis / Agentur Focus für Handelsblatt)

Sehr geehrter Premierminister,

lieber Herr Papandreou,

mit großem Respekt verfolgt die westliche Welt Ihre Anstrengungen, der Schuldenkrise Herr zu werden. Kein anderes demokratisches Land hat in Friedenszeiten etwas Vergleichbares geleistet: Sie schrumpfen den Staatsapparat, Sie bekämpfen die Korruption, Sie erziehen Ihre Landsleute zur Steuerehrlichkeit. "Ich will den Griechen das Lächeln zurückgeben", haben Sie am Abend Ihrer Wahl gesagt. Aber in Wahrheit wollen Sie den Griechen etwas viel Wertvolleres zurückgeben: ihre Selbstständigkeit. Die haben sie im Zuge der Schuldenkrise verloren. Ihr Koalitionspartner sind die Banken. Ihr Koalitionsvertrag ist auf einen großen Schuldschein geschrieben.

Für mich sind Sie ein moderner Held. Sie versuchen das Unmögliche. Als Sohn eines verfolgten und verfemten Politikers, der von der Militärjunta gejagt wurde, sind Sie mit der Gefahr groß geworden. Als die Offiziere Ihren Vater suchten, der sich auf dem Dachboden versteckte, setzte man Ihnen eine entsicherte Pistole an die Stirn und forderte Sie zum Verrat auf. Sie haben die Anwesenheit Ihres Vater geleugnet, bis der in Sorge um das Leben seines Sohns das Versteck verließ. Später flohen Sie mit ihm nach Amerika, wo Sie Ihre Jugend verbrachten. Ihr Englisch ist exzellent, Ihr Verstand hell, Ihr Wille eisern. Von alledem konnte ich mich überzeugen, als wir uns im vergangenen Frühjahr zum Gespräch in Ihrem Amtszimmer trafen. Sie sind das, was die Amerikaner einen "larger-than-life-character" nennen.

Die Vorgängerregierungen haben Ihr Land in Richtung Ruin getrieben. 340 Milliarden Euro Schulden lasten auf dem griechischen Staat. Das ist das 155-Fache des Gewinns der 60 größten Unternehmen Ihres Landes, das 1,5-Fache dessen, was der Maastricht-Vertrag erlaubt. Diese Zeitung hat vor einem Jahr zum Kauf griechischer Staatsanleihen aufgerufen, um dem Land das zu geben, was es genauso dringend braucht wie Geld: Vertrauen. Wir wollten mithelfen, eine privat finanzierte Lösung zu finden, die ohne das Geld der europäischen Steuerzahler auskommt. Wir wollten auch mithelfen, die Negativspirale aus wachsendem Zweifel und steigendem Zins zu durchbrechen. Alle wollten das, die Ihnen Garantien gaben und Kredite zusagten: die Europäische Union, der Internationale Währungsfonds, die Regierungschefs.

Doch die Spirale dreht sich seither schneller, nicht langsamer. Als wir uns trafen, im Mai 2010, lag der Zinssatz, zu dem man Ihrem Staat auf zehn Jahre Geld lieh, bei acht Prozent. Heute liegt er bei 16 Prozent. Und er dürfte weiter steigen. Schon bei 16 Prozent Zinsen rentiert sich keine Investition, rafft es jeden Hausbauer dahin. Kein Staat der Welt kann 16 Prozent Zinsen zahlen. Die bittere Wahrheit, die Sie und alle, die Griechenland helfen wollten, sich eingestehen müssen, ist: Die Hilfe hilft nicht. Ihr Land gerät immer tiefer in den Schlamassel.

Die Investoren verlangen einen derartig hohen Risikoaufschlag, weil sie sich selbst misstrauen. Bei 16 Prozent ist der Teilverlust des Investments einkalkuliert. Die Investoren betäuben sich mit dem hohen Zinssatz.

Sie als Premierminister versuchen, den Investoren die Angst zu nehmen. Indem Sie immer heftiger sparen, Staatsbetriebe verkaufen, Ihrem Volk immer höhere Steuern abverlangen. Doch Ihr Angstbekämpfungsprogramm ist mittlerweile selbst furchterregend geworden. Das Volk ächzt, die Schulden wachsen, die Wirtschaft schrumpft, so dass Sie aus einem immer kleineren Kuchen immer größere Brocken an die Investoren geben müssen. Um mindestens drei Prozent wird sich 2011 das Bruttosozialprodukt verkleinern. Es müsste aber drei Prozent wachsen, wenn Sie bis 2040 Ihre Schulden wieder auf das erlaubte Limit senken wollten. Das wird immer unrealistischer. Man kann sich keine Muskeln anhungern.

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33 Kommentare zu "Brief an Georgios Papandreou: „Es gibt ein Leben nach dem Tod“"

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  • Mich würde die Antwort auf den offenen Brief interessieren-wenn es überhaupt eine geben wird.
    Wofür wird in dem Brief eigentlich genau plädiert? Klarer Schuldenschnitt oder nur Laufzeitverlängerung bei reduzierten Zinssätzen oder eine Mischung aus beidem? In jedem Fall gilt aber, dass ein Schuldenschnitt allein auch keine Lösung ist, denn damit sind die zugrundeliegenden gravierenden Probleme (mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, falsche Wirtschaftsstrukturen) nicht gelöst.Zudem besteht das Problem des moral hazard: Griechenland wird für seine über Jahrzehnte fehlgeleitete Politik durch einen Schuldenschnitt quasi "belohnt"

  • Herr Steingart, Sie haben praezise formuliert, was viele Griechen denken. Ich bin ein Grieche aus Athen, der bedauerlicherweise feststellen muss, dass es eines auslaendischen Kommentars bedarf, um uns die Augen fuer die Wahrheit zu oeffnen.
    Nach mehr als einem Jahr in tiefer "Schei...", sind wir immer noch nicht in der Lage die Dinge klar zu erkennen - ein typisches Beispiel dafuer ist Herr Magliveras Antwort: ein sentimentaler Brei aus irrelevanten Bemerkungen.
    Herr Steingart, vielen Dank fuer Ihren offenen und ehrlichen Brief.
    Ihrer positiven Meinung ueber Herrn Papandreou kann ich mich allerdings nicht anschliessen, aber vielleicht handelt es sich hierbei um einen Ausdruck Ihrer Liebenswuerdigkeit.

    Stefanos Kokkalis









  • Welcher Quatsch! Papandreou eine "larger than life" Figure. Der Mann ist hoffnuglos dumm und unfähig. Deswegen macht schlussendlich keinen Unterschied, ob Griechenland Insolvenz anmeldet oder nicht. Mit Papandreou an den Helm und mit den Ideen die er (genauso wie fast alle andere Griechische Top-Politiker)steht, gibt's kein Leben nach dem Tod. Er muss weg, neue Ideen mussen her. Das ist die enizige Rettung!
    Ein Griecher

  • Genau das ist dein Problem Die kamen wegen den Buschgeld und den Kadaver DDR Kapital gerecht zu zerlegen. Nun ist der Freizeitpark entstanden willst du das wirklich auch für die Griechen ? Sterbende Orte, wegziehende Jugend. Arbeite mal die Treuhand auf dann stellst du die Strukturen fest die eben das Europa an die Wand fahren

  • Die europäische Währungsunion ist gescheitert, nur will es keiner der verantwortlichen EUromantikern zugeben.
    Viele Fachleute haben schon vor der Euro Einführung gewarnt.
    Der Fehler ist die Einheitswährung Euro selber!
    Eine einheitliche Währung für Volkswirtschaften mit so unterschiedlicher Produktivität, Ausrichtung, Leistungs- fähigkeit und bereitschaft ist ökonomisch gröbster Unsinn.
    Eine Währung hat die wichtige Funktion, Ungleichgewichte in den Außenbilanzen zwischen einzelnen Volkswirtschaften auszugleichen. Der Euro vernichtet dieses Basiselement. Deshalb muß die Anpassung über die Realwirtschaft, sprich Löhne und Preise, erfolgen. Die Folge sind Rezession, wegbrechen der Staatseinahmen, abhängigkeit der schwächeren Ländern von permanenten! Transferleistungen.
    Die EU Diktaturwährung TEuro, versklavt die freien Völker Europas, indem sie die einen zu Almosenempfängern degradiert und die anderen ausplündert.
    Der Euro ist ein frankensteinsches Monstrum, welches nur durch die Politik und unvorstellbare Mengen an Subventionen, siehe ESM, künstlich am Leben erhalten wird.
    Und dies alles zu Lasten des Steuerzahlers!
    Ein freies und gesundes Europa und auch Deutschland braucht keine Währungsunion!!
    Die Verletzung geltenden Rechts mit dem Bruch des Lissabon Vertrages gegen das "No Bail Out" Gesetz Art. 125 AEUV (früher Art. 103 EG) zeigt das wahre Gesicht der EU, die Recht beugt und Gesetze bricht und ändert wie es für sie gerade zweckmäßig ist.
    Über die mafiösen Strukturen innerhalb der EU die Korruption möglich machen (z. B. Ex-Ösi Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ! und andere bereits überführte und zurückgetretene ** Verbrecher) wollen wir hier erst gar nicht reden.
    Die EU ist eine despotische, undemokratische, ja diktatorische Organisationen; ohne jegliche demokratische Legitimierung der Bürger welche von dieser zur Erreichung eigenster Interessen ausgebeutet werden. Der Rettungsschirm ist Augenwischerei, er hilft den Ländern leider nicht wie man sieht!

  • Habe mir gerade auf dem Zensierten Dumm Fernsehn M. Illner angesehen.

    Herrn Kampeter cdu, stand seine Ratlosigkeit wenn es um die Kernprobleme des Euros ging, gerade zu ins Gesicht geschrieben. Es fiel ihm sichtlich schwer, die Leute weiterhin mit Phrasen wie der Euro ist alternativlos, der Euro ist gut für die "BRD", etc. - sie wissen schon, zu belügen. Deshalb ließ er sich wohl zu der einzig wahren Aüßerung verleiten: Der Euro ist ein POLITISCHES Projekt, herbeigeführt von den charakter- und heimatlosen EUrophilen der EinheitsbreiPartei, welche anstatt für ein starkes Deutschland einzutreten, ihr Heil in der EU Diktatur suchen.

    Als dem grünen Giegold nichts mehr einfiel womit er hätte argumentieren können, wurde schnell die "Rechtspopulistenkeule" bemüht um alle Kritiker der Diktatwährung mundtot zu schlagen. Im Anschluß direkt die WelkriegII Keule aus der Ökobaumwolltragetasche herausgezogen und losgebrabelt: Die bösen Deutschen sollten mal wieder erinnern welche Schandtaten sie begangen hätten, wie gut die restliche Welt doch zu ihnen war, und daß die Deutschen doch dankbar sein sollen jetzt alles zurückzahlen zu dürfen.
    Anstatt die realen Probleme zu sehen die vom Euro ausgehen wird populistisch der deutsche Schuldkomplex bemüht!
    Ich dachte, wie krank muß so ein Hirn sein, oder wie oft wurde er im Kindergarten wohl verprügelt, daß so eine die Realitäten leugnende Persönlichkeit daraus werden kann?
    Dieser arme Ignorant kannte beim Reden weder Punkt noch Komma und ließ sich auch von der Moderatorin nicht bremsen!
    Typischer überheblicher, arroganter, realitätsfremder grüner Oberlehrer.
    Leute, wer sowas wählt, ist wirklich verantwortungslos.
    Das muß man jedem mit dem man ins Gespräch kommt klar machen, was die "Grünen" und ihr Gedankengut wirklich sind. Es gibt viele Leute welche die Grünen nur als Naturschutz und Anti Atomkraft Partei begreifen und diese deshalb wählen!

  • @Gabor Steingart.
    Zu schön, um wahr zu sein: "Alle wollten das, die Ihnen Garantien gaben und Kredite zusagten: die Europäische Union, der Internationale Währungsfonds, die Regierungschefs."

    Bis auf diesen Satz ein gut geschriebener Brief. Danke.

  • Martin - dämlicher Schwachkopf!

  • Sehr geehrter Herr Steingart!
    Ich habe Ihren Brief an der Präsident Papandreou gelesen. Ich Denke dass Herr Papandreou als erwachsene diese Anerkennung nicht verdient hat. Er persönlich wüste Bescheid dass alles nicht so reibungslos laufen könnte. In April 2009 wurde über die wirtschaftliche Situation von dem Chef der griechischen Zentral Bank öffentlich gesprochen. Dazu wurde Herr Papandreou ausführlicher informiert, wie alle anderen Wahl-Kandidaten. Nach seinem Wahl-Sieg er hat sich an IWF angewendet. Seine Regierung hat trotzdem weiter behauptet dass genug Geld gibt.
    Griechenland hat genug Geld unter bestimmten Bedingungen die momentan nicht zu schaffen sind. Ein paar Beispiele: Das griechische Finanzamt hat die letzten zwei Jahre mit zwei Monate Verspätung die Einkommen - Steuer Formulare gedrückt. In beiden Fälle waren sie verpflichtet das Geld auszuleihen. Die Finanz Beamten warten entlassen zu werden und arbeiten einfach nicht mehr. Meisten von denen sind seit Monate nicht bezahlt. Was die staatlichen Schulden betrifft, die Krankenkassen und Rentekassen gehen in Konkurs weil der Griechischer Staat die Beiträge der Versicherten seit Jahre nicht weiter gegeben hat. Die Privat Investitionen werden mit Staatspapiere bezahlt. Wer baut eine Autobahn um sonst, oder gegen griechische Staatspapiere? Wer baut ein Unternehmen auf, gegen Schmiergeld die einfach unvorstellbar sei? Ich habe seit 1981 die systematische Auflösung der griechischen Wirtschaft miterlebt. Es ging nicht immer um Konkurrenzunfähigkeit. Das Kapital ist schon in Ausland geflogen. Griechische Investitionen gibt’s schon in England, (Reedereien) Frankreich, (Banken) in der Schweiz, (UBS), und Deutschland. Sogar mein Vater seine Ersparnisse von 25000€ hat in der DB gelegt!
    J. Metaxas

  • Und wie hoch ist die Inflation in Argentinien und Venezuela? Wer bewahrt diese Staaten vor einem Staatsbankrott?? Warum sollten zahlungsfähige Schuldner nicht international verfolgt werden? Andre, der griechenfreundliche Gutmensch, der zum "weiter so" aufruft, wie ein Herr Juncker. Die Realität ist dabei Euch Lügner und Machtneurotiker alle einzuholen und bloßzustellen. Die Kritiker werden mehr, sie werden lauter und sie haben inzwischen prominente und fachlich anerkannte Namen und Gesichter! Selbst ein Herr Steingart bekommt "kalte Füße"...

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