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Brief an Merkel China-Korrespondenten beklagen Einschüchterung

26 deutsche China-Korrespondenten haben einen offenen Brief an Kanzlerin Merkel geschrieben: Sie sehen sich bei ihrer Arbeit ständig mit Einschüchterung und Behördenwillkür konfrontiert. Das müsse sich ändern.
26.08.2012 - 14:08 Uhr Kommentieren
„Sensible“ Themen: Chinas Polizisten versuchen Journalisten am Filmen zu hindern. Quelle: dapd

„Sensible“ Themen: Chinas Polizisten versuchen Journalisten am Filmen zu hindern.

(Foto: dapd)

Peking Deutsche Auslandskorrespondenten in China haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgerufen, sich bei ihrem Besuch in Peking in dieser Woche für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. In einem am Sonntag veröffentlichten Brief an die Kanzlerin beklagten 26 Journalisten Einschüchterung und Behördenwillkür. „Polizei und Staatssicherheit behindern unverändert unsere Arbeit und drohen unverhohlen damit, unsere Visa nicht zu verlängern, wenn wir über 'sensible' Themen berichten“, hieß es in dem Schreiben. Gesprächspartner würden unter Druck gesetzt, nicht mit Journalisten zu reden, oder gleich weggesperrt.

Ihrem Brief fügten die Auslandskorrespondenten zahlreicher deutscher Medien Erfahrungsberichte über die erschwerten Arbeitsbedingungen in der Volksrepublik an. Diese zeigen, wie die Journalisten während und nach kritischer Berichterstattung schikaniert und eingeschüchtert werden. Die Journalisten berichteten unter anderem über Einbestellungen ins Außenministerium in Peking oder anschließende Probleme mit den Behörden, beispielsweise in Steuerfragen. Zudem beklagten sie Einflussnahme auf die Besetzung ihrer Büros, etwa durch die geforderte Einsendung von Berichten der zu akkreditierenden Journalisten.

Auch die einheimischen Mitarbeiter der Journalisten und die Heimatredaktionen in Deutschland werden dem Brief zufolge regelmäßig unter Druck gesetzt. „Unsere chinesischen Mitarbeiter werden von der Staatssicherheit aufgefordert, uns auszuspionieren“, schreiben die Korrespondenten. Sie werden demnach zudem aufgefordert, sich nicht mit kritischen Themen zu beschäftigen. Die chinesische Botschaft in Berlin fordere zudem Vorgesetzte in den Heimatredaktionen auf, auf die entsendeten Journalisten Einfluss zu nehmen und „für weniger 'kritische' Berichterstattung zu sorgen“.

Merkel reist Ende der Woche mit mehreren Mitgliedern ihres Kabinetts zu den zweiten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen nach Peking. Außerdem will die Kanzlerin die Hafenmetropole Tianjin besuchen. Erst vor wenigen Tagen hatten sich mehrere Vereinigungen der Auslandspresse in China alarmiert über jüngste Übergriffe auf Reporter geäußert. Bereits im Mai hatten hundert ausländische Journalisten in China eine deutliche Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen im vergangenen Jahr beklagt. Das Außenministerium in Peking wies die Vorwürfe zurück.

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