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Großbritannien vor der Wahl Was ein Brexit für die EU bedeutet

Die Parlamentswahl am 7. Mai ist eine wichtige Vorentscheidung für den Verbleib des Landes in der Europäischen Union. Wirtschaft und Politik in ganz Europa fürchten einen Austritt. Aber wie schlimm wäre er?
6 Kommentare

Großbritannien hat die Wahl

London/DüsseldorfValerie schaut auf ihre Fingernägel, dunkellila. Sie rückt die Sicherheitsweste zurecht, neongelb. Und lacht. „Gelb und Lila, Ukip-Farben – schön, nicht wahr?“ Es ist Samstagnachmittag in Margate im Südosten Englands. Die United Kingdom Independence Party (Ukip) hat in eine viktorianische Konzerthalle am Strand geladen. Valerie und ihr Mann Alan bewachen den Eingang.

Jeden mit Einladung lassen sie rein: Paare mit Silberhaar, viele ältere Damen, vereinzelt auch ein paar junge Männer und Frauen. Dann kommt Nigel Farage auf die von roten Vorhängen umrahmte Bühne. Der Zuschauerraum ist abgedunkelt, der Ukip-Chef läuft im grellen Scheinwerferlicht zu großer Form auf. „Willkommen im euroskeptischsten Wahlkreis Großbritanniens“, ruft er aus und: „Wir wollen unser Land zurück!“ Tosender Applaus.

Margate gehört zum Wahlkreis South Thanet, in dem sich Farage am 7. Mai bei den Parlamentswahlen um ein Direktmandat bemüht. Seine Partei wurde zwar bei den Europawahlen im vergangenen Jahr mit 27,5 Prozent stärkste Kraft im Vereinigten Königreich, ist bisher aber nur mit zwei Abgeordneten im Parlament von Westminster vertreten und kommt in aktuellen Umfragen auf 13 Prozent. Wenn in zwei Wochen ein neues Unterhaus gewählt wird, wird sich zeigen, wie viel Farage in den britischen Wählern steckt.

Farage würde am liebsten sofort raus aus der EU, der amtierende Ministerpräsident David Cameron hat für den Fall einer absoluten Mehrheit ein Referendum bis spätestens 2017 über eben diese Frage, den Brexit, angekündigt. Ein solches Referendum hat es 1975 schon einmal gegeben. Damals stimmten die Briten mit großer Mehrheit für Europa, diesmal könnte es anders ausgehen. Nach aktuellen Meinungsumfragen sind derzeit nur noch 40 Prozent der Briten für eine Fortsetzung der Mitgliedschaft, 39 Prozent für einen Austritt.

Die Angst davor geht schon jetzt um, in der britischen Wirtschaft, in der Brüsseler Bürokratie und auch in Deutschland. Doch wäre ein Brexit wirklich der Anfang vom Ende der EU, am Ende schlimmer noch als ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone? Bangen hier nur ein paar Unternehmen um ihren Markt auf dem Festland und eine Handvoll Bürokraten um ihre Jobs? Wäre ein solcher Schritt nicht ein schwerer Schlag gegen die britische Wirtschaft – oder vielleicht doch volkswirtschaftlich durchaus verkraftbar?

Diese Fragen treiben derzeit allerdings nur wenige Inselbewohner um, stattdessen streiten sich die Parteien um Steuer- und Gesundheitspolitik. Anders als die Konservativen lehnt die Labour-Partei unter ihrem jetzigen Spitzenkandidaten Ed Miliband ein EU-Referendum ab. Bei einem Sieg der Linken wäre also der Verbleib in der EU gesichert.

Die Meinungsumfragen deuten seit Monaten darauf hin, dass weder Labour noch die Konservativen eine eigene Mehrheit erreichen. Labour leidet vor allem unter dem Aufschwung der schottischen Unabhängigkeitspartei, die in Schottland fast alle Mandate gewinnen könnte. Cameron und seinen Tories macht Ukip zu schaffen. Die Tories stehen relativ alleine da, sollte es mit dem bisherigen liberaldemokratischen Koalitionspartner nicht mehr reichen, was alle Umfragen vorhersagen.

Ukip dagegen könnte schon mit ein paar Mandaten die konservative Mehrheit ruinieren. Dann könnte sie sich gemeinsam mit der nordirischen Unionspartei als Mehrheitsbeschaffer anbieten. Dafür nennt Farage vor allem eine Bedingung: ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft schon in diesem Jahr.

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6 Kommentare zu "Großbritannien vor der Wahl: Was ein Brexit für die EU bedeutet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Diskussion um ein mögliches Ausscheiden Großbritanniens aus der EU macht deutlich, daß es seit Mitte der 90er Jahre an der erforderlichen Einbindung der Bürger in die weitere Ausgestaltung der EU gefehlt hat. Den Gründervätern der europäischen Integration war stets bewußt, daß die Einbindung der Bürger nicht nur politisch opportun, sondern vielmehr aus Gründen der Legitimation erfoderlich war. Europapolitik ist zu wichtig, als daß man sie nur Brüssel oder den jeweiligen Regierungen der Mitgliedsstaaten überläßt. Weder die übereilte Ausdehnung der EU noch die Einführung der Währungsunion fand jedoch mit der erforderlichen Einbindung der Bürger statt. Auch das europäische Parlament vermag diese Einbindung nicht zu ersetzen.

  • Die EU ist ok, die Eurozone der größte Schwachsinn aller Zeiten, inszeniert vom
    "größten Europäer aller Zeiten" und seiner überversorgten Gangsterbande in Berlin.

  • Letztlich habe die Engländer in Sachen Euro alles richtig gemacht. Abwarten und Tee trinken und siehe da, der Euro ist eine MIßgeburt. Klar hätten wir mit der DM Aufwertungsdruck, aber wir hätten eine eigene Währung und nicht diese vollkommen verfahrene Situation wie heute. Unsere Industrie ist früher mit der DM zurecht gekommen, das wäre sie auch heute. Und Brüssel gehört auch wieder zurechtgestutzt. Nicht abgeschafft, so weit möchte ich nicht gehen. Aber diese ganze Vereinigungseuphorie ist doch von hinten bis vorn nur Unfug. Angefangen von Schengen bis hin zur Dienstleistungsfreiheit etc.. Letztlich ging es doch früher auch, daß man exportieren konnte, also.... Deutschalnd muß wieder unabhängiger werden. Es ist für uns nur schlecht, wenn uns die anderen permanent hereinreden können. In diesem Sinn haben die Engländer recht.

  • Frau Damino sagt es völlig richtig.
    Auch ich beneide England, dass si diesen Schritt evtl. gehen.
    Es wird dann aber nicht das einzige Land bleiben, denn dann werden andere folgen und das ist auch gut so.
    Die EU, die ja nur noch aus Brüssel besteht, ist ein kriminelles Gebilde geworden und gehört abgeschafft

  • Wenn GB aus der EU aussteigt, ist das Kartenhaus EU Brüssel Geschichte und auch bis zu einem Punkt der Lächerlichkeit preisgeben. Die EU wird alles tun um das zu
    verhindern. In Gr wird das vielleicht funktionieren in GB aufgrund des Referendums
    das dann Gültigkeit hat, nicht.
    .

  • Ich beneide GB für die Möglichkeit, aus dieser EU auszusteigen. Keine Haftung für Griechenlandschulden, keine Haftung für sonstige Südländer denen es schlecht geht, keine Finanzierung von irgendwelchen Großmachtphantasien der EU in der Ukraine!
    Und England muß in Zukunft nicht die eigene wirtschaft schädigen weil die EU seltsame Sanktionen gegen Russland erläßt.

    Und wo genau liegt jetzt der Nachteil, wenn man nicht für Herr Draghis schwachsinniges Anleihenaufkaufprogramm haftet?

    Ich beneide das Land um die Möglichkeit, aus diesem EU-Schwachsinn auszusteigen!

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