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Bürgerkrieg in Syrien Erdogan gewinnt Zeit, doch eine Eskalation in Idlib droht weiterhin

Russland, die Türkei und der Iran haben erneut über Syrien verhandelt. Die schwierigen Gespräche enden mit einer vage gehaltenen Erklärung.
Update: 07.09.2018 - 19:17 Uhr Kommentieren
Wladimir Putin, Hassan Ruhani und Recep Tayyip Erdogan trafen sich, um die Lage in Syrien zu besprechen. Quelle: dpa
Syrien-Gipfel in Teheran

Wladimir Putin, Hassan Ruhani und Recep Tayyip Erdogan trafen sich, um die Lage in Syrien zu besprechen.

(Foto: dpa)

MoskauAm Mittag landete der russische Präsident Wladimir Putin mit einer Sondermaschine in Teheran, wo er sich mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan und dem Gastgeber, Irans Präsidenten Hassan Ruhani zu Gesprächen über die Zukunft Syriens traf. Es war bereits das dritte derartige Treffen innerhalb der vergangenen zehn Monate.

Doch dieses Treffen war heikler als die vorangegangenen: Der vor allem dank der massiven Luftunterstützung Russlands wieder erstarkte syrische Präsident Baschar al-Assad bereitet eine Großoffensive gegen die letzte größere, noch nicht unter seiner Kontrolle stehende Provinz Idlib vor. Und das macht die Bruchlinien in der Militärallianz zwischen Russen, Türken und Iranern deutlich.

Eine gemeinsame Idee entwickelten die drei Staatsmänner nicht. Die Türkei konnte Russland und den Iran als Verbündete Syriens nicht von einer Waffenruhe in der Provinz überzeugen. In einer am Freitag in Teheran veröffentlichten Erklärung der Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Wladimir Putin und Hassan Ruhani hieß es, man sei weiterhin entschlossen, Zivilisten zu schützen und die humanitäre Situation zu verbessern. Das Wort Idlib kam darin nur einmal vor.

Idlib liegt im Nordwesten Syriens nahe der Grenze zur Türkei. Drei Millionen Syrer leben dort. Kontrolliert wird die Gegend von verschiedenen Rebellen-Milizen, darunter auch viele islamistische Gruppierungen und Dschihadisten. „Die gesetzliche syrische Regierung hat das Recht und soll im Endeffekt auch das ganze Territorium Syriens unter Kontrolle nehmen“, sagte Wladimir Putin zu Beginn der Verhandlungen.

Doch Erdogan sieht das anders. Ankara hat eigene Ambitionen in Syrien: Im Norden des Landes, angrenzend an Idlib, hält die Türkei den kurdischen Teil der Region Aleppo besetzt. Dieses Territorium werde sein Land vorerst auch nicht räumen, teilte Erdogan mit. Ankara hatte die Besetzung damit begründet, dass das Gebiet als Rückzugsort für militante Kurden diene, die in der Türkei Anschläge verübten.

Und auch in Idlib sind teilweise türkische Einheiten stationiert. Eine von Russland unterstützte syrische Offensive in Idlib würde daher zu einer möglichen Konfrontation führen. Die Türkei fordert daher Zurückhaltung, Ankara begründet dies allerdings mit humanitären Erwägungen.

Die erwarteten schweren Kämpfe in Idlib würden nämlich auch viele zivile Opfer fordern und fast unweigerlich eine neue Fluchtwelle auslösen. Dies ist die größte Befürchtung in Ankara. „Die Bevölkerung von Idlib leidet stark, die Bombardierung ist eine Bedrohung für sie – ich meine die Zivilbevölkerung. Darum wird eine neue Fluchtwelle beginnen“, warnte Erdogan.

Schon jetzt hat es die Türkei schwer, die Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland unterzubringen. Einen weiteren Nachzug von syrischen Migranten will Erdogan daher um jeden Preis verhindern. Der türkische Präsident forderte daher, die Waffenruhe zu stärken.

„Wir wollen nicht, dass Idlib in einen Blutsee verwandelt wird und als Eure Freunde möchten wir, dass Ihr unsere Initiative unterstützt“, bat Erdogan seine Gesprächspartner, die Region „nicht der Gnade Assads zu überlassen.“ Jeder Angriff auf die Region führe zu einer Katastrophe.

Rhetorisch stimmte Putin der Forderung Erdogans zu. „Wir haben konkrete Maßnahmen zur etappenweisen Stabilisierung der Idlib-Zone besprochen, darunter auch die Möglichkeit, diejenigen zum Friedensschluss zu bewegen, die zum Dialog bereit sind“, sagte der russische Präsident.

Erdogans Forderung nach einem Waffenstillstand unterstütze er daher, versicherte Putin. „Aber wir können das ja nicht für sie (die Syrer, Anm. d. Red.) bestimmen und noch viel weniger für die Terroristen, dass sie aufhören zu schießen und Drohnen mit Bomben zu benutzen“, schränkte der Kremlchef sofort ein. Die Schlüsselaufgabe bleibe die Vertreibung der Terroristen aus Idlib, betonte Putin.

Die Formulierung des Kremlchefs lässt viel Freiraum für Spekulationen. Am wahrscheinlichsten ist, dass Erdogan wohl lediglich etwas Zeit gewonnen hat vor einer Offensive. Eine tatsächliche Befriedung der Region Idlib auf diplomatischem Weg ist unwahrscheinlich, auch wenn Putin betonte, er rechne darauf, „dass unser Aufruf zur Versöhnung in der Idlib-Zone gehört wird“.

Dass die russische Luftwaffe ihre Angriffe auf die Region zumindest vorerst einstellen werde, sagte er allerdings nicht. Die Gefahr einer neuen Eskalation bleibt damit unverändert hoch.

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