Bürgerkriegsland UN will Präsenz im Jemen ändern

Der Jemen kommt nicht zu Ruhe. Wegen eines geplanten Militäreinsatzes in der wichtigen Hafenstadt Hodeida zeigen sich die Vereinten Nationen besorgt.
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Die Region um die wichtige Hafenstadt Hodeida wird von Huthi-Milizen kontrolliert. Quelle: Reuters
Hafenstadt Hodeida

Die Region um die wichtige Hafenstadt Hodeida wird von Huthi-Milizen kontrolliert.

(Foto: Reuters)

SanaaAngesichts einer bevorstehenden Militäroffensive auf die jemenitische Hafenstadt Hodeida wollen die Vereinten Nationen ihre Präsenz in dem Bürgerkriegsland ändern. Derzeit seien noch dutzende UN-Mitarbeiter in Hodeida stationiert, sagte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Montag in New York dem UN-Sicherheitsrat bei einer von Großbritannien einberufenen Sondersitzung. Details zu den neuen Planungen nannte Lowock nicht, die Vereinten Nationen wollten aber grundsätzlich im Jemen bleiben, sagte er.

Zuvor hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wegen der Bombardierung eines Krankenhauses im Nordjemen ihre Tätigkeiten in der Stadt Abs vorerst ausgesetzt. Ein Angriff der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten geführten Militärkoalition habe ein neues Behandlungszentrum getroffen, das sich um Cholera-Patienten kümmern sollte, hieß es am Montag in einer Mitteilung der Organisation.

Da sich noch keine Patienten in der Einrichtung befunden hätten, habe es keine Opfer gegeben. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Internationale Komitee des Roten Kreuzes IKRK 71 Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus dem Jemen abgezogen.

Der Hafen von Hodeida im Westen des Jemens ist zentral für die Versorgung des Bürgerkriegslandes mit Hilfsgütern und Lebensmitteln. 90 Prozent der Versorgung mit Lebensmitteln, Treibstoff und Medizin im Jemen werde importiert und 70 Prozent davon durch Hodeida, sagte UN-Nothilfekoordinator Lowcock dem Sicherheitsrat. „Hodeida ist absolut essenziell für die Erhaltung des Lebens und wenn Hodeida eine Zeit lang nicht effektiv funktionieren würde, wären die Konsequenzen aus humanitärer Sicht katastrophal.“

Der UN-Sondergesandte Martin Griffiths befinde sich in „angespannten Konsultationen“ mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um einen Angriff auf Hodeida doch noch zu verhindern, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Montag. Die USA verfolgten die Entwicklungen im Jemen genau, sagte US-Außenminister Mike Pompeo.

Mit Blick auf die Offensive auf Hodeida zeigte sich auch ein Bündnis internationaler Hilfsorganisationen besorgt. Ein Großteil der dortigen Bevölkerung wäre im Falle einer Attacke betroffen, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die unter anderem von den Organisationen Care, Save the Children und Handicap International unterzeichnet wurde. Die aktuelle Nahrungskrise könnte sich im schlimmsten Fall zu einer Hungersnot ausweiten.

Bereits jetzt hätten 17 Millionen Menschen nicht ausreichend zu essen, hieß es weiter. Die Einfuhr von Nahrungsmitteln habe ein historisches Tief erreicht.

Zuletzt kam es um Hodeida immer wieder zu Kämpfen. Das Bündnis aus Hilfsorganisationen befürchtet, dass die international anerkannte Regierung des Jemens ihre Offensive schon bald auch auf die Stadt ausweiten könnte. Die Region um Hodeida wird von den Huthi-Milizen kontrolliert, die auch große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa besetzt halten.

Aus Sicherheitskreisen heißt es, dass bereits mehr als 600 Kämpfer bei Gefechten an der Westküste ums Leben gekommen sind. In den vergangenen Tagen seien sowohl bei den regierungsloyalen Kräften als auch auf Seiten der schiitischen Huthi-Rebellen heftige Verluste verzeichnet worden. Dutzende Familien wurden nach Angaben von Augenzeugen aus ihren Häusern in die Flucht getrieben.

Der Jemen steckt in einem Bürgerkrieg, in dem die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition seit März 2015 gegen die Huthis kämpft. Die Koalition will die Regierung von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi wiederherstellen, der sich ins Exil begeben hat.

In dem Krieg sind mehr als 10.000 Menschen getötet worden. Mehr als drei Millionen wurden zu Vertriebenen. Die Vereinten Nationen betrachten den Jemen als schlimmste humanitäre Krise der Welt. Mehr als 22,2 Millionen Menschen bräuchten Hilfe. Tausende Zivilisten sind in den vergangenen Jahren an Mangelernährung, Cholera und anderen Krankheiten gestorben oder erkrankt.

  • ap
  • dpa
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