Bundeswehrwaffen im Irak Opposition will nicht mehr an Peschmerga liefern

Auf Waffenmärkten im Irak sind Gewehre und Pistolen der Bundeswehr aufgetaucht. Die Opposition fühlt sich bestätigt – und fordert einen sofortigen Stopp aller Lieferungen an die Peschmerga-Truppen.
Nach Informationen von NDR und WDR sollen die deutschen Waffen von Peschmerga-Kämpfern verkauft worden sein, die seit Monaten keinen Sold erhalten hatten. Quelle: dpa
Einweisung der Peschmerga

Nach Informationen von NDR und WDR sollen die deutschen Waffen von Peschmerga-Kämpfern verkauft worden sein, die seit Monaten keinen Sold erhalten hatten.

(Foto: dpa)

BerlinIm irakischen Kurdengebiet werden Waffen zum Kauf angeboten, die aus einer Lieferung der Bundesregierung an die kurdische Autonomieregierung stammen könnten. In den Städten Erbil und Suleymanija hätten Reporter von NDR und WDR auf Waffenmärkten Sturmgewehre des Typs G3 und eine Pistole des Typs Walther P1 mit der Gravierung „Bw“ für Bundeswehr gefunden, berichtete der NDR am Donnerstagabend.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, sagte am Freitag in Berlin, es spreche viel dafür, dass zumindest zwei der in dem Beitrag gezeigten Waffen aus einer deutschen Lieferung von 2014 stammten. Es gebe aber keine Hinweise auf einen „systematischen Missbrauch“ der Waffen, die von Deutschland für den „aufopferungsvollen Kampf“ der Peschmerga gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geliefert wurden. Die Opposition im Bundestag forderte einen sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an die Peschmerga-Truppen.

Das sind die gefährlichsten Länder der Welt
Libyen
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Das Land ist vom Krieg zerrissen. Seit dem Sturz von Diktator Muhammad Gaddafi gilt Libyen als sogenannter „failed state“. Eine funktionierende Regierung gibt es nicht, Investoren machen um das Land einen großen Bogen. Mittlerweile ist das Land auch ins Visier der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ gerückt. Kein Wunder also, dass Libyen laut der aktuellen Karte des Gesundheitsrisikos von „International SOS“ auch hinsichtlich der medizinischen Versorgung eines der gefährlichsten Länder der Welt ist.

Sierra Leone
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In kaum einem anderen afrikanischen Land wütete hat das Ebola-Virus so brutal, wie im westafrikanischen Sierra Leone, eines der ärmsten Länder der Welt. Die fehlende medizinische Versorgung und das zu späte Einschreiten der internationalen Staatengemeinschaft haben erst möglich gemacht, dass das Virus derart tödliche Ausmaße annahm. Die Ebola-Epidemie konnte mittlerweile eingedämmt werden. Dennoch ist Sierra Leone nach wie vor kein risikoloses Reiseziel.

Liberia
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Wie Sierra Leone leidet auch Liberia unter der Ebola-Epidemie. Auch hier wurde zu spät reagiert. Zur fehlenden medizinischen Versorgung kommen noch katastrophale hygienische Zustände und die fehlende Sensibilisierung der Bevölkerung hinzu. Viele Liberianer blieben in Kontakt mit erkrankten Angehörigen und weigerten sich, auf Beerdigungszeremonien zu verzichten, weshalb sich das Virus immer weiter verbreiten konnte.

Simbabwe
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Während Simbabwes Diktator Robert Mugabe in Saus und Braus lebt, lässt er seine Bevölkerung in bitterer Armut darben. Eine absurd hohe Inflation, eine hohe Sterblichkeitsrate und fehlende öffentliche Investitionen – das alles interessiert den greisen Diktator wenig. Zwar leidet Simbabwe nicht unter dem Ebola-Virus, angesichts der Armut des Landes ist es als Reiseziel allerdings nicht empfehlenswert.

Syrien
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Der Bürgerkrieg in Syrien hat bisher Tausende Menschenleben gekostet. Frieden ist nicht in Sicht. Besonders problematisch ist, dass die ungeordneten Verhältnisse in Syrien eine Brutstätte für Terrorismus sind. Für Reisende ist das Land daher besonders gefährlich. Auch die desolate Gesundheitsversorgung macht Syrien zu keinem sicheren Reiseziel.

Irak
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Irakische Fußballfans in den Straßen der Hauptstadt Bagdad: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sorgt in dem krisengeschüttelten Land für bürgerkriegsähnliche Zustände. Wilde Flüchtlingslager, eine schlechte medizinische Infrastruktur und die erhöhte Unsicherheit durch Anschläge und Bombendrohungen machen die Lebensumstände im Irak besonders prekär. Das ist keine Reise wert.

Gaza
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Zerstörungen in Gaza: Palästina ist nicht sicher. Insbesondere der Gazastreifen gilt als Pulverfass. Hier kommt es immer wieder zu Scharmützeln zwischen der radikal-islamischen Hamas und der israelischen Armee. Außerdem sorgen die durch das jüngste Bombardement zerstörten Gebäude für Gefahr. Aufgrund zerstörter Leitungen, Schwelbränden und offener Kanalisationen empfiehlt sich das eingemauerte Gaza derzeit umso mehr nicht für Reisende aus dem Ausland.

Nach Informationen von NDR und WDR sollen die deutschen Waffen von Peschmerga-Kämpfern verkauft worden sein, die seit Monaten keinen Sold erhalten hatten. Demnach wurden Sturmgewehre des Typs G3 aus dem Baujahr 1986 im Kurdengebiet für 1450 bis 1800 US-Dollar angeboten. Eine P1 in Originalverpackung sei für 1200 Dollar zu haben gewesen.

Laut Bundesverteidigungsministerium haben die Peschmerga bislang 20 000 Sturmgewehre und 8000 Pistolen aus den Beständen der Bundeswehr erhalten. Flosdorff sagte, „bei dieser großen Zahl von Waffen in diesem unübersichtlichen Gebiet“ könne niemand eine vollständige Kontrolle garantieren. Die nächste Waffenlieferung an die Peschmerga sei für Ende des ersten Quartals geplant.

Sollte es Hinweise geben, dass Waffen in die falschen Hände geraten seien, dann müsse dies schnell und konsequent aufgeklärt werden, betonte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer. Der Verbleib der Waffen werde auch Thema bei einem Gespräch mit dem Vertreter der kurdischen Regionalregierung in Berlin sein. Dieser sei wegen Berichten über die angebliche Zerstörung von Häusern von Arabern für Freitagnachmittag ins Auswärtige Amt einbestellt worden.

Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Agniezka Brugger, sagte, Befürchtungen ihrer Partei hätten sich nun bestätigt: „Die Menschen im Irak brauchen nicht noch mehr Waffen, sondern umfassende politische und wirtschaftliche Unterstützung.“ Alexander Neu (Linke) sagte, es sei nicht auszuschließen, dass letztlich auch der IS oder andere Islamistengruppen in den Besitz deutscher Waffen gelangen könnten.

  • dpa
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