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Bundeswirtschaftsminister Altmaier setzt sich in Vietnam für ein Freihandelsabkommen mit der EU ein

Wirtschaftsminister Altmaier erwartet durch ein Handelsabkommen mit Vietnam enorme Vorteile für die EU. Auch deutsche Unternehmen sehen viele Chancen – und einen neuen Absatzmarkt.
Update: 25.03.2019 - 12:19 Uhr Kommentieren
„Wir sehen Vietnam als Partner“, sagt der Bundeswirtschaftsminister. Quelle: dpa
Peter Altmaier

„Wir sehen Vietnam als Partner“, sagt der Bundeswirtschaftsminister.

(Foto: dpa)

Hanoi, BangkokDass Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) derzeit Vietnam besucht und erst später in diesem Frühjahr nach China reisen wird, mag dem Zufall geschuldet sein, doch die Reihenfolge der Besuche passt in die Zeit. Das Verhältnis zu China ist derzeit nicht ganz ohne Komplikationen.

Man könne es daher auch als politisches Signal werten, wenn Altmaier zunächst den Vietnamesen seine Aufwartung macht. Begleitet wird der Minister von einer Wirtschaftsdelegation, der hochrangige Manager von Dax-Konzernen wie Siemens, SAP und Schaeffler angehören, aber auch viele Mittelständler sind dabei.

„Wir sehen Vietnam als Partner“, sagt Altmaier am Montagmorgen bei seinem Besuch im Ministerium für Planung und Investitionen in Hanoi. Er freue sich auf die künftige Zusammenarbeit. Wenn Altmaier in den vergangenen Wochen auf China zu sprechen kam, bezeichnete er das noch Land als Wettbewerber, nicht als Partner.

Altmaier wurde am Montag nicht müde, die Vorzüge des Landes zu preisen: „Vietnam ist eines der großen Länder der Region“, betont er. Und das Land werde in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, sagt Altmaier. Daher sei Deutschland „gerne bereit, die Zusammenarbeit zu intensivieren“.

Die Wirtschaft begrüßt ausdrücklich, dass Altmaier nach Vietnam gereist ist. „Die deutsche Wirtschaft hat in Asien nicht nur China im Blick“, sagt Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Martin Wansleben dem Handelsblatt.

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Die Unternehmen pflegten „intensive Kontakte auch in andere Regionen des Kontinents“, sagt Wansleben. Vietnam mit seiner jungen, technikaffinen Bevölkerung, einer schnell wachsenden Mittelschicht und der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung sei ein interessanter Partner. Einige Beobachter schreiben Vietnam gar das Potenzial zu, ein „zweites China“ zu werden. Deutschland könnte davon profitieren.

Altmaier weist in diesem Zusammenhang gerne darauf hin, dass es zwischen Deutschland und Vietnam seit Jahrzehnten gewachsene Beziehungen gebe: In der alten Bundesrepublik durch die vietnamesischen „Boat People“, in der DDR durch die vietnamesischen Vertragsarbeiter. Es gibt eine Reihe vietnamesischer Manager, die in Deutschland aufgewachsen oder zur Uni gegangen sind. Für die Intensivierung der deutsch-vietnamesischen Wirtschaftskontakte sei das ein Vorteil.

Doch trotz all dieser positiven Aspekte ist Vietnam ein Partner, mit dem es durchaus auch Probleme gibt. Altmaier lässt das in seinen Gesprächen mit vietnamesischen Partnern nicht unerwähnt. Es habe in der jüngsten Vergangenheit „Schwierigkeiten“ gegeben. Nun aber müsse man den Blick in die Zukunft richten, sagt der Minister.

Das ist, vorsichtig formuliert, leicht untertrieben. Nach der Entführung des vietnamesischen Geschäftsmannes Trinh Xuan Thanh mitten in Berlin durch vietnamesische Agenten vor zwei Jahren lagen die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam auf Eis.

Die Bundesregierung gab ihre harte Haltung erst auf, nachdem der Geschäftsmann nicht zum Tode verurteilt wurde, sondern mit einer lebenslänglichen Haftstrafe davon kam. Hinter den Kulissen wird wohl weiter über eine Auslieferung verhandelt.

Sowohl für die Wirtschaft als auch für die Bundesregierung ist Vietnam aber wegen seiner wirtschaftlichen Erfolge von wachsender Bedeutung: Seit mehr als fünf Jahren wächst Vietnams Wirtschaft um mehr als sechs Prozent pro Jahr. Angetrieben wird die Konjunktur vor allem von den hohen Direktinvestitionen. 2018 erreichte sie mit 19 Milliarden US-Dollar abermals ein Rekord.

Der Bundeswirtschaftsminister im Planungsministerium von Vietnam.
Peter Altmaier

Der Bundeswirtschaftsminister im Planungsministerium von Vietnam.

Die Unternehmen nutzen das südostasiatische Land als günstige Alternative zu China: In Schanghai beträgt der Mindestlohn mittlerweile umgerechnet rund 320 Euro monatlich, in Vietnams Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh Stadt ist er nur etwa halb so hoch.

Zahlreiche deutsche Unternehmen produzieren daher bereits in Vietnam. Beispiel van Laack: Der traditionsreiche Hemdenhersteller aus Mönchengladbach, dem Altmaier am Dienstag einen Besuch an seiner Produktionsstätte in Hanoi abstattet, beschäftigt in Vietnam 500 Menschen. In Zusammenarbeit mit der deutschen Auslandshandelskammer bietet das Unternehmen duale Ausbildungen nach deutschem Muster, etwa zum Modeschneider, an.

Aber auch die ganz großen Namen der internationalen Wirtschaft setzen auf Vietnam. Allen voran Samsung hat das Land für sich entdeckt: Rund 25 Prozent aller Exporte des Landes stammen aus Samsung-Werken. Zwei Drittel seiner Smartphones lässt Samsung hier zusammenschrauben. Aber auch für deutsche Unternehmen wie den Technologiekonzern Bosch, das Medizinunternehmen Fresenius und auch den Textilhersteller Seidensticker ist das Land ein wichtiger Produktionsstandort geworden.

Deutsche Firmen beliefern erste vietnamesische Automarke Vinfast

Zudem wird Vietnam mit fast 100 Millionen Einwohnern als Absatzmarkt immer attraktiver: Deutsche Unternehmen liefern einen Großteil der Produktionsanlagen für die erste Automarke des Landes namens Vinfast, eines der wichtigsten Industrieprojekte des Landes. Siemens soll schon bald eine U-Bahn-Linie durch Ho-Chi-Minh-Stadt bauen.

Trotz der Abkühlung der Weltwirtschaft herrscht bei europäischen Unternehmen vor Ort weiter Zuversicht: Der Geschäftsklimaindex der Europäischen Handelskammer ist zuletzt weiter gestiegen. 75 Prozent der europäischen Unternehmen vor Ort sind laut der jüngsten Umfrage optimistisch in das Jahr 2019 gestartet.

Während die Weltwirtschaft eine Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA fürchtet, könnte Vietnam davon vielleicht sogar profitieren. Ökonomen der japanischen Mizuho Bank gehen davon aus, dass der Konflikt zwischen den beiden Supermächten das Wachstum in Vietnam um 0,5 Prozent zusätzlich steigern könnte. Der Grund: Um die Zölle zu umgehen, könnten chinesische und amerikanische Unternehmen ihre Produktionen in Vietnam ausbauen und von dort aus in die jeweiligen Märkte exportieren.

Doch auch für alle anderen Exportmärkte macht sich das Land bereit. Kaum ein anderes Land ist so vernetzt wie Vietnam: So hat sich Vietnam dem Freihandelsabkommen CPTPP (Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership) angeschlossen. Zu dem Pakt gehören nach dem Rückzug der USA immer noch wichtige Industriestaaten wie Japan, Kanada und Australien.

Mit der EU ist ein Freihandelsabkommen bereits fertig verhandelt, muss von den Europäern aber noch ratifiziert werden. Altmaier gehört zu den Befürwortern einer raschen Ratifizierung. „Ich unterstütze eine möglichst rasche Unterzeichnung des Abkommens“, sagt der Minister. Die Antwort auf die globalen Herausforderungen könne nur ein gemeinsames Eintreten für offenen, freien und fairen Welthandel sein.

Ob sich aber die Hoffnung der vietnamesischen Seite erfüllt, dass das Abkommen sogar noch vor der Europawahl im Mai ratifiziert wird, erscheint im Moment eher unwahrscheinlich. Die EU-Kommission setzt sich dafür ein, dass Ministerrat und Parlament zumindest noch dieses Jahr zustimmen.

Eine Produktionsstätte des Hemdenherstellers in Hanoi. Quelle: dpa
Van Laack

Eine Produktionsstätte des Hemdenherstellers in Hanoi.

(Foto: dpa)

Unumstritten ist das Freihandelsabkommen nicht. Nicht nur der Entführungsfall ist eine Belastung. Die Gegner des Abkommens machen auf die Menschenrechtslage und unterdrückte Gewerkschaften in dem südostasiatischen Staat aufmerksam. Laut Human Rights Watch wurden allein im vergangenen Jahr 42 Dissidenten zu langen Haftstrafen verurteilt.

Wirtschaftlich wird Vietnam zwar immer liberaler. Politisch bleibt das Land aber eine autoritäres Ein-Parteien-System.

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