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Carola Rackete Sea-Watch-Kapitänin pocht auf Deutschlands „historische Verantwortung“

Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete fordert, Migranten aus libyschen Lagern nach Europa zu holen. Die Debatte könnte nun weiter an Fahrt aufnehmen.
Update: 15.07.2019 - 12:47 Uhr 8 Kommentare

So äußert sich Carola Rackete nach der Vernehmung in Italien

Berlin Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete hat Europa zur Aufnahme von Migranten aufgefordert, die sich in Libyen in der Hand von Schleppern oder in Flüchtlingslagern befinden. „Die, die in Libyen sind, müssen dort sofort raus in ein sicheres Land“, sagte Rackete der „Bild“-Zeitung (Montag). „Wir hören von einer halben Million Menschen, die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen.“ Ihnen müsse sofort bei einer sicheren Überfahrt nach Europa geholfen werden.

Migranten werden in Libyen ohne gültige Papiere in Internierungslager mit katastrophalen Zuständen gesteckt. Dort mangelt es an Toiletten, Duschen, Essen, Trinken und die Menschen werden nach Berichten von UN und Hilfsorganisationen teilweise misshandelt.

Rackete sagte, Deutschland und andere europäische Staaten hätten „eine historische Verantwortung an den Umständen in Afrika noch aus der Kolonialzeit“. „Die heutigen Machtverhältnisse sind durch Europa bestimmt worden.“ Deshalb gebe es eine historische Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, „die wegen der Machtverhältnisse oder auch der Klimasituation nicht mehr in ihren Ländern leben können“.

Rackete steht seit Wochen in den Schlagzeilen, weil sie Ende Juni das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

Medienberichten zufolge will die italienische Staatsanwaltschaft Berufung gegen die Freilassung von der Sea-Watch-Kapitänin einlegen.Bis Mittwoch werde die Behörde in Agrigent diese beim Kassationsgericht in Rom - Italiens oberstem Gericht - einreichen, berichteten die Zeitung „La Repubblica“ und die Nachrichtenagentur Adnkronos am Montag.

Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer sagte, die Hilfsorganisation sei zuversichtlich, dass das Kassationsgericht das Urteil zur Freilassung am Ende bestätigt. Es sei nicht wahrscheinlich, dass Rackete wieder festgenommen werde.

„Mit der Blockade muss Schluss sein“

Am Wochenende hatte sich Außenminister Heiko Maas in die Debatte um die Verteilung von Flüchtlingen eingeschaltet. Er plädierte dafür, dass Deutschland und andere aufnahmewillige Staaten eine Vorreiterrolle einnehmen sollten. „Wir brauchen ein Bündnis der Hilfsbereiten für einen verbindlichen Verteilmechanismus“, sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag).

„Wir müssen jetzt mit den Mitgliedsstaaten vorangehen, die bereit sind, Geflüchtete aufzunehmen – alle anderen bleiben eingeladen, sich zu beteiligen.“ Deutschland sei bereit, einen substanziellen Beitrag zu leisten und zu garantieren, immer ein festes Kontingent an Geretteten zu übernehmen.

„Eine Einigung zur Seenotrettung im Mittelmeer darf nicht länger am Streit um die Verteilung der Geretteten scheitern. Mit dieser Blockade muss endlich Schluss sein“, sagte Maas. „Bei jedem Boot wieder ein unwürdiges Geschachere um Menschenleben zu beginnen, kann nicht die Lösung sein.“

Er erwarte, dass die EU-Partner im Umgang mit aus Seenot Geretteten in der kommenden Woche „einen entscheidenden Schritt“ vorankommen. Am Donnerstag beraten die zuständigen Justiz- und Innenminister der EU über das Thema bei einem Treffen in Helsinki.

Mehr: Das juristische Nachspiel ist für Carola Rackete trotz Freilassung noch nicht vorbei. Der italienische Innenminister Matteo Salvini kündigte an, dass die Kapitänin des Landes verwiesen werde.

  • dpa
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8 Kommentare zu "Carola Rackete: Sea-Watch-Kapitänin pocht auf Deutschlands „historische Verantwortung“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum erhält eine Frau Rackete überall Raum für Ihre abstrusen Forderungen. Die Presse macht doch erst diese Frau groß. Warum sollen wir Verantwortung für die Bevölkerungsexplosion Afrikas und Arabiens haben, für deren Misswirtschaft. Hier ist Politik und nicht eine scheinheilige Moral gefragt. Und das Handelsblatt als seriöse Wirtschaftszeitung wird wohl bald den Weg der FAZ gehen! Soll ich gleich die Süddeutsche abonnieren?

  • Das ist nicht Racketes Aufgabe.Sie kann in einer Partei für ihre persönliche Überzeugung werben,um demokratische Mehrheiten zu gewinnen, aber Migrationspolitik geht nicht nach dem 'Wünsch Dir was'-Prinzip.
    Mit freundlichen Grüßen
    Heinz-W.Raderschatt

  • - Nachtrag -

    "Statt nur für marode EU-Staaten Geld zu drucken, könnte die EZB auch noch eine Schippe drauflegen, und das Geld könnte man dann wahrhaftig mit dem Helikopter über Afrika abwerfen."


    Auch hier muss man jedoch den gravierenden Unterschied zwischen Inflation = Ausweitung des Geldangebotes und Teuerung (= "Preisinflation") verstehen!
    Wird mehr Geld gedruckt = inflationiert = das Geldangebot erhöht, führt dies jedoch NICHT im Inland zu Preissteigerungen = Teuerung, wenn dieses Geld im Ausland (hier über Afrika) abgeworfen wird.
    SEHR WOHL kommt es jedoch zu Teuerung und einer Abnahme der Kaufkraft des Geldes, wenn die Erhöhung des Geldangebotes = Inflation ausschließlich das Inland betrifft!

  • @ Jochen Kieper
    Ich denke, dass es keine Lösung sein kann, wenn wir versuchen das Elend dieser Welt zu bekämpfen, indem wir es "importieren".

    Dazu ein Zitat des - im besten Sinne multikulturellen und jeder Ausländerfeindlichkeit erhabenen - größten deutschen Auslandsjournalisten Peter Scholl-Latour:
    >> "Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht etwa Kalkutta, sondern wird selber zu Kalkutta." <<

    Statt nur für marode EU-Staaten Geld zu drucken, könnte die EZB auch noch eine Schippe drauflegen, und das Geld könnte man dann wahrhaftig mit dem Helikopter über Afrika abwerfen. Würde nicht weiter auffallen.
    Dann ist de Wahrscheinlichkeit zudem höher, dass es auch wirklich Bedürftige erhalten, denn die regulären Entwicklungshilfegelder versickern meist in den monströsen Korruptionssümpfen der Machthaber dort...

  • Ich denke, dass es keine Lösung sein kann, wenn wir versuchen das Elend dieser Welt zu bekämpfen, indem wir es "importieren".
    Psychologen würden Frau Rackete möglicherweise auch attestieren, dass Sie ihre Verantwortung für die Welt überschätzt!
    Ohne Zweifel werden die wohlhabenden Nationen etwas tun müssen, um die Situation in der Herkunftsländern zu verbessern, um diese neue Völkerwanderung aufzuhalten. Die letzte Völkerwanderung hat Europa auch grundlegend verändert und zurückgeworfen.

  • Frau Rackete darf die Flüchtlinge sehr gerne nach Deutschland bringen, wenn sie für JEDEN EINZELNEN von ihnen die Lebenshaltungskosten PERSÖNLICH aus ihrem Privateinkommen übernimmt.
    Das will sie jedoch - natürlich - nicht. Sie möchte also nicht nur Menschen aus Seenot retten, sondern die Geretteten selbstverständlich nicht dorthin zurückbringen, von wo sie aufgebrochen sind, sondern eben nach Europa, wo dann Andere für deren Unterhalt aufkommen sollen.
    Noch besser wäre es allerdings, Flüchtlinge aus Libyen auf Obamas und Clintons EIGENEM Besitz unterzubringen - und diese auch die Kosten für deren Lebensunterhalt aus ihrem Privatvermögen bestreiten zu lassen.
    Erst diese Intervention gegen Gaddafi machte nämlich Libyen zu einem "Failed State", und Clinton bekam, was sie wollte: "WE CAME, WE SAW, HE DIED."
    Dann sollen der Friedensnobelpreisträger und die "US-Präsidentin der deutschen Herzen" bitteschön auch die Folgekosten ihrer Taten übernehmen!

  • Sichtweise verständlich. Allerdings gilt das Argument der kolonialen Vergangenheit praktisch für ganz Afrika und große Teile Asiens. Wenn wir dem Arguement folgen, müssten wir somit einen Großteil der Bedrückten dieser Welt in der EU aufnehmen. Wie das möglich sein soll, erkenne ich nicht.

  • Die Politik muss sein, die Menschen in ihre Heimatlaender zurueck zu bringen, und das
    wird auch schon gemacht.