Castro auf Paris-Besuch Auf einen Rum mit Raúl

Nach dem diplomatischen Neustart mit den USA will Raúl Castro auch die Kontakte nach Europa intensivieren. Kubas Präsident besucht daher Paris. Noch ist Kuba als Wirtschaftspartner unbedeutend – bis auf einen Bereich.
Flucht aus dem Paradies
Eine neue Ära
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Eine amerikanische Flagge weht über der wiedereröffneten US-Botschaft. Zehntausende ausländischer Besucher sind in den vergangenen Monaten durch die Pflasterstein-Straßen von Alt-Havanna geschlendert. Zugleich erlebt Kuba einen Exodus wie seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr. Die Menschen versuchen, ihre bevorzugte Behandlung bei der Bewerbung um eine US-Staatsbürgerschaft zu nutzen, solange es diese noch gibt.

Wiederannäherung
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Vor einem Jahr – am 17. Dezember 2014 – verkündeten die Präsidenten Raúl Castro und Barack Obama die Wiederannäherung der seit dem Kalten Krieg verfeindeten Länder. Seitdem hat sich Kuba verändert - zum Guten wie zum Schlechten. Das Land, in dem die Zeit stehengeblieben schien, steht vor tiefgreifenden Änderungen und einer ungewissen Zukunft.

Hoffnung auf mehr Freiheit
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Vor allem bei Menschen, die Geld, Besitz oder Verbindungen haben, ist überschäumender Optimismus greifbar, dazu die Erwartung von mehr Wohlstand und neuen Freiheiten.

Sorgen der Armen
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Bei den anderen – den Armen, den Alten, all jenen, die ihr Leben dem kommunistischen System gewidmet hatten – haben die Ankündigungen der beiden Präsidenten vor einem Jahr Angst und Sorge ausgelöst.

Ende der Isolation
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Hotels, private Pensionen und elegante Restaurants sind voll, Hunderte weitere sollen im kommenden Jahr eröffnet werden. Die lange Isolation des Landes schwindet.

Der Papst zu Gast
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Papst Franziskus (hier mit Fidel Castro) machte im September auf seinem Weg in die USA in Kuba Station. US-Außenminister John Kerry persönlich nahm die Wiedereröffnung der amerikanischen Botschaft im August vor.

Hoffnung auf weitere Ankündigungen
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Alle, die vom Ende der Eiszeit zwischen den USA und Kuba profitiert haben, hoffen zum Jahrestag auf weitere Ankündigungen des Präsidenten, um die Beziehungen weiter zu normalisieren – wie etwa kommerzielle Flüge, direkten Postverkehr oder sogar einen Besuch von Obama in der ersten Hälfte des kommenden Jahres.

ParisKubas Staatschef Raúl Castro trifft am Montag in Paris Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Castro ist bereits am Samstagnachmittag in der französischen Hauptstadt eingetroffen, auch wenn der offizielle Besuch erst am Montag beginnt. Sein älterer Bruder und Vorgänger Fidel wurde vor 21 Jahren vom damaligen Staatspräsidenten François Mitterrand empfangen. Seitdem war keiner der beiden Brüder mehr aus offiziellem Anlass in Paris. Raúl hatte allerdings zweimal inoffizielle Zwischenstopps eingelegt, auf dem Rückweg von Algerien. Im Mai 2015 hatte Hollande Kuba besucht.

Frankreich hat sich mit Raúls Visite wieder einmal eine Premiere gesichert. Deutschlands Nachbar ist der erste EU-Staat, den Fidels jüngerer Bruder besucht. Jünger ist in diesem Fall tatsächlich nur relativ zu sehen, denn Raúl hat mit 84 Jahren auch schon ein fortgeschrittenes Alter erreicht. Den kubanischen Staatsrat führt er offiziell erst seit Februar 2008, als sein Bruder wegen einer schweren Erkrankung die Amtsgeschäfte ruhen lassen musste. Formal ist er nicht mehr Chef der Armee, die er seit 1959 geführt hat. Doch natürlich hört sie noch auf sein Kommando.

Die französische Regierung kündigte an, Ziel des Besuches sei unter anderem, „Frankreichs Rolle als wichtigster wirtschaftlicher Partner Kubas zu bestätigen.“ Das ist allerdings mehr Ziel als Wirklichkeit: Die französischen Ausfuhren nach Kuba sind mit rund 140 Millionen Euro sehr überschaubar. Deutschland liefert mit rund 190 Millionen Euro allerdings auch nicht sehr viel mehr.

Auch die Präsenz französischer Unternehmen auf der Zuckerinsel ist schwach entwickelt. Es gibt lediglich 30 Verbindungsbüros und fünf Gemeinschaftsunternehmen. Das wichtigste allerdings hat es in sich: Gemeinsam mit einem kubanischen Partner stellt Pernod Ricard „Havanna Club“ her, die Mutter aller Rum-Marken. Durch die Wiederannäherung Kubas an die USA ist diese Zusammenarbeit noch wichtiger geworden. Denn die Franzosen hoffen, dass die künftig den weltbekannten Alkohol auch wieder in den USA vertreiben dürfen.

Das ist ihnen aufgrund eines Rechtsstreits noch immer verboten, den Bacardi angestrengt hat, früherer Eigentümer der Markenrechte. Die Familie wurde auf Kuba nach der Revolution enteignet und musste auch auf Havanna Club verzichten. Anfang des Jahres gab es eine erste positive Entscheidung in den USA zugunsten von Pernod Ricard, doch ist der Fall noch lange nicht entschieden.

Potenzial liegt im Tourismus
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