Causa Chaschukdschi Von Uber über AOL bis zu Milliardär Branson – Unternehmen gehen auf Distanz zu Saudi-Arabien

Namhafte Unternehmen ziehen Konsequenzen aus dem mysteriösen Verschwinden des Journalisten Chaschukdschi: Sie stellen ihr wirtschaftliches Engagement in Saudi-Arabien vorerst ein.
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Der US-Multimilliardär legt sein Engagement in Saudi-Arabien auf Eis. Quelle: AP
Richard Branson

Der US-Multimilliardär legt sein Engagement in Saudi-Arabien auf Eis.

(Foto: AP)

DüsseldorfDas Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten und Regierungskritikers Dschamal Chaschukdschi hat inzwischen erste wirtschaftliche Auswirkungen für das Königreich. Zahlreiche Investoren und US-Medien stellen öffentlichkeitswirksam ihre Engagements in Saudi-Arabien ein. Der größte Name: Milliardär Richard Branson.

Wie andere Unternehmer zieht er Konsequenzen aus dem mysteriösen Verschwinden des Journalisten. So hat Branson die Gespräche mit Saudi-Arabiens Staatsfonds und seiner Virgin Group über geplante Investitionen und Kooperationen gestoppt.

Was Chaschukdschi in der saudischen Botschaft Türkei passiert sei, „ändere – so es sich bewahrheitet – die Bereitschaft von jedem von uns im Westen, Geschäfte mit der saudischen Regierung zu machen“, schreibt Branson auf der Homepage der Virgin Group.

Das Schicksal von Chaschukdschi ist weiter ungeklärt. Ton- und Videoaufnahmen sollen der „Washington Post“ zufolge belegen, dass Chaschukdschi vor eineinhalb Wochen im saudischen Konsulat in der Türkei gefoltert und ermordet worden ist.

Leiche zerstückelt?

Das Blatt, für das Chaschukdschi in der Vergangenheit selbst schrieb, beruft sich dabei auf Informationen türkischer und US-amerikanischer Offizieller. Die Leiche des Journalisten ist demnach mit einer Knochensäge zerstückelt worden und die Reste mutmaßlich in Koffern aus dem Konsulat geschafft worden.

Branson ist nicht der einzige Unternehmer, der wegen der Causa Chaschukdschi auf Distanz zu Riad geht: Saudi-Arabien laufen die namhaften Investoren der großen Investoren-Konferenz „The Future Investment Initiative“ (FII) davon: AOL-Gründer und Tech-Investor Steve Case hat mitgeteilt, dass er wegen des Falls Chaschukdschi nicht an der Konferenz, auch „Davos in the desert“ genannt, teilnehmen werde. Auch Uber-CEO Dara Khosrowshahi und der Inhaber der LA Times, Patrick Soon-Shiong, wollen nicht mehr zu der Konferenz nach Riad reisen.

Die Konferenz findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und soll Unternehmenschefs, Investoren, Prominente und Medienvertreter zusammenbringen. Die saudische Königsfamilie finanziert das Netzwerk-Event, das vom 23. bis 25. Oktober in Riad stattfinden soll. Als Redner stehen unter anderem Softbank-CEO Masayoshi Son und JP-Morgan-Chase-Chef Jamie Dimon im Programm. Der Chef von Viacom, Bob Bakish, der auf der Konferenz ebenfalls sprechen sollte, sagte bereits ab.

Auch US-Medien ziehen sich zurück: „Ich werde nicht mehr an der Future Investment Initiative in Riad teilnehmen“, twitterte „New York Times“-Kolumnist und CNBC-Moderator Andrew Ross Sorkin. Er sei „schrecklich beunruhigt“ über das Verschwinden Chaschukdschis.

Medienpartner kündigen Kooperation

Die „New York Times“ selbst will nicht mehr als Medienpartner der Konferenz auftreten. Die Mitgründerin der „Huffington Post“, Arianna Huffington, ist ebenfalls unter den Entscheidern, die drohen, die Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien auf Eis zu legen. Und Economist-Chefredakteurin Zanny Minton Beddoes hat bereits mitgeteilt, sie werde nicht mehr teilnehmen. Bei Fox, der „Financial Times“, Bloomberg und CNN werde die Lage noch geprüft, berichten US-Medien.

Besonders schmerzen dürfte die Saudis allerdings Bransons Rückzug. Er habe die saudischen Behörden um weitere Informationen gebeten. Zudem sollten die Saudis ihre Haltung zu Chaschukdschi klarstellen, schreibt der Brite. Solange die Ermittlungen nicht abgeschlossen und der Aufenthaltsort Chaschukdschis ungeklärt seien, „werde ich mein Engagement in beiden Tourismusprojekten ruhen lassen“, schreibt Branson.

Virgin soll zudem derzeit keine weiteren Gespräche mit dem saudischen Staatsfonds über geplante Investitionen in die Unternehmensgruppe führen. Die Saudis wollten sich mit 1,5 Milliarden US-Dollar an den Raumfahrt-Firmen aus Bransons Konglomerat beteiligen. Das Geld sollte in Virgin Galactic und Virgin Orbit fließen, die an kommerziellem Weltraumtourismus arbeiten beziehungsweise Satellitenstarts abwickeln.

Dabei war deren Interesse an seinem Raumfahrtunternehmen für den Multi-Unternehmer vor einem Jahr genau recht gekommen. Immer wieder hatte sich der Zeitplan für die Touristenflüge ins All verzögert. Die saudische Geldspritze sollte Bransons Plan vom Weltraumtourismus nach zahlreichen Rückschlagen wieder in greifbare Nähe rücken.

Kooperation für Tourismus-Projekt auf Eis gelegt

So habe er selbst ursprünglich große Hoffnungen in die saudische Regierung mit Kronprinz Mohammed bin Salman an der Spitze gesetzt, und sei erfreut gewesen, die Leitung der zwei Tourismusprojekte am Roten Meer zu übernehmen, heißt es in Bransons Schreiben weiter.

Er habe gern praktische Hilfestellung geben und auch dabei helfen wollen, die Umwelt in der Region zu schützen. Daraus wird nun erstmal nichts. Die Kooperation war im vergangenen Jahr geschlossen worden, sie hätte in zwei Wochen in der saudischen Hauptstadt Riad starten sollen.

Und auch Donald Trump äußert sich zu den Geschehnissen: Im US-Kongress wächst zwar der Widerstand gegen ein Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien im Umfang von 110 Milliarden Dollar, doch der US-Präsident sieht allerdings keinen Anlass, das Geschäft zu stoppen. Saudi-Arabien würde das Geld in einem solchen Fall in Russland oder China ausgeben, sagte Trump.

Mit Agenturmaterial.

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  • ...mit Knochensäge zerstückelt...dagegen wirkt Sigmar Gabriels Kritik an der saudiarabischen Führung, die man den Deutschen bis heute nicht verziehen hat, recht zahm...ich würde mir bei den deutschen Firmen auch so ein Standing wünschen.

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