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Cecilia Malmström Warum die EU-Handelskommissarin von Donald Trump übergangen wird

Eigentlich sollte die EU-Handelskommissarin mit dem Weißen Haus verhandeln. Stattdessen sind drei deutsche Autobosse geladen.
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„Europa ist meine Heimat“, sagt die EU-Kommissarin. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Cecilia Malmström

„Europa ist meine Heimat“, sagt die EU-Kommissarin.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Düsseldorf, StockholmAls Plüschtier, Plastikspielzeug, Zahnbürste oder Schachspiel: Cecilia Malmström liebt Pinguine. Ihr ganzes Haus in Brüssel ist voll davon, zum Entzücken ihrer zwei Kinder und dem Entsetzen ihres Ehemanns. Ihre Leidenschaft für die Tiere erklärt sie mit deren Gabe, bittere Kälte aushalten zu können und zugleich „sozial, loyal und monogam“ zu sein. „Und sie scheinen so viel Spaß zu haben, wenn sie auf dem Eis ins Meer rutschen“, sagte die Schwedin einmal.

Als EU-Handelskommissarin kann Malmström Kälteresistenz in diesen Tagen besonders gut gebrauchen. Es herrscht Eiszeit zwischen den USA und der EU. Das Thermometer dürfte am Dienstag auf einen neuen Tiefstand fallen, wenn die deutschen Chefs von BMW, Daimler und VW im Weißen Haus auftreten. Präsident Donald Trump und seine Berater hatten sie eingeladen, um mit ihnen über die angedrohten Strafzölle auf Autoimporte zu sprechen.

Eigentlich müsste am Dienstag Malmström neben Trump stehen. Die EU-Kommission ist für Zoll- und Handelsfragen zuständig, nicht hingegen ein einzelner EU-Mitgliedstaat und erst recht nicht ein von Trump ausgesuchtes Managergremium. Malmström ist gegen den Besuch der Autobosse, aber sie kann nichts dagegen tun. Die Reise sei eine Panikaktion der deutschen Hersteller, sagt man hinter vorgehaltener Hand in Brüssel.

Die promovierte Politologin Malmström hat sich als Handelskommissarin immer für ein geeintes Auftreten der EU-Länder ausgesprochen. Ihre Sorge: Washington könnte hohe Wirtschaftsvertreter als Hebel gegen die Verhandlungsmacht der EU-Kommission einsetzen und die EU spalten.

Zu US-Präsident Trump äußert sich Malmström meist diplomatisch-zurückhaltend. „Wir führen konstruktive Gespräche“, ist das Einzige, was man aus der Kommissarin herauslocken kann. Aber: „Sollte Trump Ernst machen, schlagen wir zurück“, sagte die 50-Jährige vor wenigen Wochen.

Erfahrungen mit nationalen Alleingängen hat Malmström in der Vergangenheit reichlich gemacht. Die in Stockholm geborene und in Göteborg aufgewachsene Politikerin war von 1999 bis 2006 EU-Parlamentarierin, musste ständig Forderungen aller EU-Mitgliedsländer unter einen Hut bringen. Ob Transatlantisches Freihandelsabkommen oder Flüchtlingskrise, ob Regulierung des Internets oder die unter Trump eskalierten Handelskonflikte – immer wieder musste Malmström Kompromisse suchen, ohne sich dabei gleichzeitig zu sehr zu verbiegen.

Schon als Jugendliche trat sie in die kleine liberale Partei in Schweden ein und lernte früh, sich durchzusetzen. Nach sieben Jahren im Europaparlament wurde sie 2006 Europaministerin der damaligen bürgerlichen Regierungskoalition unter Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt. Nach vier Jahren in Stockholm ging es zurück nach Brüssel, wo sie vier Jahre lang EU-Kommissarin für Innenpolitik war. Seit 2014 ist sie zuständig für Handelspolitik.

„Europa“, so hat sie einmal gesagt, „ist meine Heimat.“ Tatsächlich ist sie in den Augen nicht nur vieler Schweden eine Idealbesetzung für den Job in der belgischen Hauptstadt. Im Gegensatz zu einigen ihrer Kollegen in der Kommission kann sie auf Englisch, Französisch und Spanisch perfekt kommunizieren. Und auch Deutsch und Italienisch sind ihr nicht fremd. Diese Sprachbegabung verhalf ihr vor der politischen Karriere zu einem Job beim schwedischen Kugellagerhersteller SKF, für den sie in Paris, Stuttgart und Barcelona arbeitete.
Aus der Innenpolitik in ihrem Heimatland hält sich die liberale Politikerin heraus. Selbst jetzt, wo neun Wochen nach den Parlamentswahlen immer noch keine Regierung steht, übt sie sich in Zurückhaltung. Dabei erwägt ihre liberale Partei die Unterstützung einer rot-grünen Minderheitsregierung und könnte dadurch an politischer Bedeutung gewinnen.

Es gibt Stimmen in ihrer Heimat, die in Malmström eine Kompromisskandidatin für das Amt der Regierungschefin sehen. Mit ihr könne die parlamentarische Pattsituation vielleicht überwunden werden. Malmström hüllt sich in Schweigen. Auch eine Tugend der Pinguine: Geduld.

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