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Chef der US-Internetbehörde im Interview „Ernste Risiken“: USA warnen Deutschland vor Huawei

US-Telekommunikationschef Ajit Pai dringt auf einen Ausschluss chinesischer Anbieter beim Aufbau des deutschen 5G-Netzes. Im Interview spricht er auch über die Besitzverhältnisse bei Huawei.
26.09.2019 - 19:29 Uhr 1 Kommentar
Huawei gilt als führend beim neuen Mobilnetz-Standard. Quelle: Ulrich Baumgarten/Getty Images
5G-Antenne

Huawei gilt als führend beim neuen Mobilnetz-Standard.

(Foto: Ulrich Baumgarten/Getty Images)

Berlin Vor einem Jahr noch stand der Name Huawei schlicht für eine Technologie-Marke, heute ist er die Chiffre für einen internationalen Streit. Weil sie Spionage und Sabotage fürchten, drängen die USA ihre Verbündeten, den chinesischen Konzern aus den Mobilfunknetzen der neuen Generation (5G) herauszuhalten.

Doch die Europäer zögern. Sie fürchten, in den Wirtschaftskrieg zwischen Amerikanern und Chinesen hineingezogen zu werden. Einer der zentralen Akteure der Kontroverse ist Ajit Pai. Als Chef der US-Telekommunikationsaufsicht ist er für die Sicherheit der amerikanischen Netze verantwortlich. Kürzlich war Pai in Berlin, um für Amerikas Position zu werben.

Er warnt die Bundesregierung davor, das Angebot der Chinesen anzunehmen: „Wir glauben, dass selbst mit einem No-Spy-Abkommen die Risiken zu groß sind“, sagte FCC-Chef Ajit Pai im Interview dem Handelsblatt: „China hat ein nationales Sicherheitsgesetz, das jedes Unternehmen unter chinesische Rechtsprechung verpflichtet, Anweisungen der Sicherheitsorgane zu befolgen.“ Huawei sei nicht vertrauenswürdig.

Das Unternehmen gilt als führend beim neuen Mobilnetz-Standard 5G, der ein neue Kapitel der Vernetzung aufschlagen soll. Auch in der Bundesregierung gibt es die Sorge, dass Huawei eine Gefahr darstellen könnte, vor allem im Auswärtigen Amt. Das Wirtschaftsministerium dagegen fürchtet Wettbewerbsnachteile, wenn Huawei ausgeschlossen wird. Nach Handelsblatt-Informationen will man nun zunächst versuchen, die Risiken zu kontrollieren, etwa mit technischen Lösungen.

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    Dass dies möglich ist, glaubt Pai nicht: „Es fällt sehr schwer, sich vorzustellen, dass eine Regierungsbehörde, egal wo, in der Lage wäre, jedes einzelne Update in Echtzeit zu überprüfen, um Sicherheitsrisiken aufzuspüren.“ Huawei habe enge Kontakte zu Chinas Parteistaat, warnt Pai: „Die Besitzverhältnisse sind undurchsichtig. Die Mitarbeitergesellschaft, der angeblich das Unternehmen gehört, ist nicht unbedingt unabhängig von der Regierung.“ 

    Den USA lägen Erkenntnisse vor, nach denen Regierungsmitarbeiter im Konzern platziert seien. Die deutsche Regierung hat entscheiden, dass bei der Auftragsvergabe für 5G nur vertrauenswürdige Anbieter zum Zuge kommen. Doch wie dieses Kriterium definiert wird, ist noch offen.

    Lesen Sie hier das komplette Interview:

    Der FCC-Chef kritisiert die undurchsichtigen Besitzverhältnisse bei Huawei. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
    Ajit Pai

    Der FCC-Chef kritisiert die undurchsichtigen Besitzverhältnisse bei Huawei.

    (Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

    Herr Pai, Sie reisen um die Welt und warnen vor den Risiken von Huawei. Die Technik der Chinesen soll schon in zwei Dritteln aller kommerziell eingeführten 5G-Netze außerhalb Chinas stecken. Gewinnt China das 5G-Rennen gegen den Westen?
    Die Vereinigten Staaten sind in einer Führungsposition bei 5G. Die FCC hat das zur Verfügung stehende Funkspektrum erweitert und hilft so beim Aufbau der Netze. Dabei setzen wir auf vertrauenswürdige westliche Anbieter. Das hat uns erlaubt, bei kommerziell genutzter 5G-Infrastruktur deutlich weiter zu sein als andere Länder. Wir sehen, dass das Interesse an den 5G-Frequenzen gewaltig ist. Unternehmen geben Milliardenbeträge aus. Bis zum Jahresende wollen wir 200.000 Small Cells installiert haben, die den Kern der 5G-Netze bilden.

    Warum dann die Kampagne gegen Huawei?
    Wir wollen kein einzelnes Land oder gar ein einzelnes Unternehmen herausgreifen. Aber wir ermutigen unsere Bündnispartner, bei der Wahl der 5G-Ausrüster risikobasiert zu entscheiden. Ein Verfahren, das Risiken in Telekommunikationsnetzen und Lieferketten in den Blick nimmt, ist unserer Auffassung nach der beste Weg, die neue Netzinfrastruktur aufzubauen.

    Die deutsche Regierung hat sich auf einen Sicherheitskatalog für 5G-Netze verständigt. Besonders wichtig ist die Vertrauenswürdigkeit der Netzausrüster. Kann ein chinesisches, kann Huawei dieses Kriterium erfüllen?
    Wir glauben, dass es ernste Risiken gibt. China hat ein nationales Sicherheitsgesetz, das jedes Unternehmen unter chinesischer Rechtsprechung verpflichtet, Anweisungen der Sicherheitsorgane zu befolgen. Das geltende Recht verbietet es den Unternehmen zudem, Dritte über solche Anfragen zu informieren. Das macht es sehr schwer, Vertrauen in die Integrität technischer Ausrüstung und Dienstleistungen zu haben. Dieses Risiko betonen wir in Gesprächen mit unseren Partnern.

    Huawei-Technologie steckt seit Jahren in 4G-Netzen, nicht nur in Europa, auch in den USA. Warum schlagen Sie erst jetzt Alarm?
    Einige amerikanische Telekommunikationsunternehmen haben Komponenten dieser Firma eingesetzt. Die Sorgen darüber nehmen wir sehr ernst. In der US-Regierung wird jetzt darüber diskutiert, die Anbieter zu verpflichten, solche Komponenten auszuwechseln. Der Kongress prüft parallel einen parteiübergreifenden Vorschlag, Anbietern beim Austausch der Bauteile finanziell zu helfen.

    Sie waren kürzlich für Gespräche in Berlin. Wurde Ihre Warnung erhört?
    Ich würde es unseren deutschen Verbündeten überlassen, ihre Position zu beschreiben. Was ich meinen Gesprächspartnern versichert habe: Unser Verhältnis zu Deutschland ist für uns eine der wichtigsten internationalen Partnerschaften. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik sind alte Freunde. In einer schwierigen neuen Sicherheitsumgebung ist es wichtig, die enge Kooperation beizubehalten.

    Grafik

    Das scheinen nicht alle in der US-Regierung so zu sehen. Es gab Drohungen, den Austausch von Geheimdiensterkenntnissen einzustellen, sollte Huawei-Technik in deutschen 5G-Netze gelangen.
    Die Zusammenarbeit der Geheimdienste liegt nicht in meiner Zuständigkeit. Aber was ich sagen kann, ist Folgendes: Ich habe nach meinen Gesprächen schon den Eindruck, dass die Sicherheitsaspekte beim Netzausbau ernst genommen werden. Wir müssen Sicherheit von Anfang an mitdenken – und nicht nachträglich versuchen, sie zu integrieren. Jedes Land kann natürlich selbst entscheiden, aber wir wollen, dass die deutsche Regierung weiß: Wir sind bereit, sie zu unterstützen. Wir hängen da alle gemeinsam drin. 5G verspricht enorme Geschwindigkeit und Innovationssprünge. Aber in dieser neuen Technologie, die alles mit allem verbindet, stecken auch potenzielle Gefahren.

    Gerade im Bundeswirtschaftsministerium gibt es die Sorge, dass sich die Markteinführung von 5G bei einem Verzicht auf Huawei erheblich verzögert – und Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückfällt.
    Ich habe von dieser Sorge gehört. Aber in den USA sehen wir keine Anzeichen dafür, dass man sich zwischen Schnelligkeit und Sicherheit entscheiden müsste. Für unsere Telekommunikationsanbieter geht es mit Volldampf voraus. Sie geben Milliarden für Frequenzen aus, rüsten sich bei vertrauenswürdigen Lieferanten aus und unternehmen damit die nötigen Schritte, um Amerikas Führungsanspruch in der nächsten Generation der Konnektivität voranzutreiben. Einer der Gründe meines Deutschlandbesuchs war es, zu zeigen, wie man Investitionen, Innovationen und Sicherheit verbindet.

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    1 Kommentar zu "Chef der US-Internetbehörde im Interview: „Ernste Risiken“: USA warnen Deutschland vor Huawei"

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    • "Huawei ist nicht vertrauenswürdig. Westliche Anbieter sind sehr gut."
      -Typ der die Netzneutralität verkauft hat

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