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Christchurch Neuseeland verbietet Besitz von Hochleistungswaffen

Nach den Anschlägen in Christchurch verschärft die neuseeländische Premierministerin das Waffenrecht – und bietet eine Amnestiefrist an.
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Bei dem Terrorangriff auf zwei Moscheen vergangene Woche sind 50 Menschen ums Leben gekommen. Quelle: AFP
Menschen trauern um Terroropfer

Bei dem Terrorangriff auf zwei Moscheen vergangene Woche sind 50 Menschen ums Leben gekommen.

(Foto: AFP)

WellingtonNeuseeländischen Schützen ist es ab sofort verboten, Sturmgewehre und halbautomatische Waffen zu besitzen. Das hat Premierministerin Jacinda Ardern am Donnerstag in Christchurch bekannt gegeben. Die Regierung ziehe damit Konsequenzen aus dem Terrorangriff auf zwei Moscheen durch einen rechtsextremen Australier. Dabei kamen vergangene Woche 50 Menschen ums Leben, 30 weitere wurden verletzt.

„Jede halbautomatische Waffe, die bei dem terroristischen Anschlag benutzt wurde, wird verboten“, so Ardern. Das entsprechende Gesetz werde bis zum 11. April in Kraft treten.

Die Regierung kündigte auch ein Rückkaufprogramm an. Wer seine Waffen der Polizei aushändigt, soll dafür entschädigt werden. Für Gewehre, die illegal erworben worden seien, gelte eine Amnestiefrist – also eine problemlose Rückgabe. Schätzungen zufolge sind in Neuseeland über eine Million Schusswaffen in Privatbesitz.

Der rund 40 Minuten nach der Tat festgenommene 28-jährige Mann hatte seine Waffen legal erworben. In Neuseeland ist es möglich, bereits ab dem 16. Lebensjahr einen Waffenschein zu beantragen. Laut Ardern habe der in Neuseeland lebende Australier die Leistung der Waffen durch ein Großmagazin erhöht.

Vorbild Australien

Neuseeland folgt mit dem Entscheid seinem Nachbarn Australien. Nachdem im Jahr 1996 auf der Insel Tasmanien ein Amokläufer 35 Menschen erschossen hatte, führte die Regierung ein Rückkaufprogramm ein. Der Widerstand war vor allem in ländlichen Gebieten groß. Das Argument der Gegner: wegen eines einzelnen Kriminellen würden alle gesetzestreuen Schützen kollektiv bestraft.

Heute sind die strengeren Vorschriften kaum noch ein Thema. Wer in Australien ein Gewehr besitzen will, muss konkrete Gründe dafür haben, beispielsweise einen Beruf in der Landwirtschaft ausüben. Halbautomaten sind für den Privatbesitz komplett verboten, Handfeuerwaffen nur für bestimmte Berufe und Mitglieder registrierter Schützenclubs zugelassen.

Harte Haftbedingungen in der Isolierzelle

Der Mann, dem der folgenschwerste Amoklauf der jüngeren Geschichte Neuseelands angelastet wird, sitzt Berichten zufolge in einer Isolierzelle im Gefängnis von Christchurch. Er habe keinen Zugang zu Fernsehen, Radio und Zeitungen, so die Behörden. Doch der Mangel an Kontakt zur Außenwelt sei nicht sein größtes Problem, so der ehemalige Strafgefangene Paul Wood gegenüber der Tageszeitung NZ Herald. Den Gefangenen erwarte eine „miserable und einsame Existenz“.

„Für den Rest seines Lebens wird er die Wahl haben zwischen extremer Einsamkeit, die mit langer Isolation kommt, und konstanter Angst vor einer Attacke, wenn er mit anderen Häftlingen zusammen ist“, so Wood, der wegen Mordes an einem Drogenhändler zehn Jahre in Haft saß und heute als Berater arbeitet.

Der mutmaßliche Amokläufer werde 23 Stunden am Tag in einer Zelle eingeschlossen sein, in der es außer einer Toilette und einem an der Wand festgeschraubtem Bett aus Stahl praktisch nichts gebe. „Die Wärter dürften angehalten sein, nicht mit ihm zu sprechen“, so Wood weiter. „Im Moment dürfte es für ihn unglaublich einsam sein, hirntötend banal und langweilig.“

Laut Wood gebe es im Gefängnis schon jetzt Leute, „die es nicht erwarten können, sein Leben so miserabel zu machen wie nur möglich“. Gemäß dem Ex-Sträfling wäre es für den Australier eine bessere Option gewesen, „Selbstmord durch die Polizei zu begehen“ – sich also gegen die Festnahme zu wehren und dabei erschossen zu werden.

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