Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Christine Blasey Ford Die Frau, die mit ihrer Klage das politische Washington aufwühlt

Die US-Psychologie-Professorin belastet Trumps Wunschkandidaten Brett Kavanaugh für das Oberste Gericht schwer. Die Anhörung wird zum Spektakel.
1 Kommentar
Er wird beschuldigt, mindestens eine Frau sexuell genötigt zu haben. Quelle: AP
Brett Kavanaugh

Er wird beschuldigt, mindestens eine Frau sexuell genötigt zu haben.

(Foto: AP)

WashingtonUS-Präsident Donald Trump ist fest entschlossen, seinen Kandidaten für das wichtigste Richteramt der Nation ins Amt zu bringen. Sein Team spricht von einer „Hetzkampagne“ gegen den Topjuristen Brett Kavanaugh und betont: „Das Weiße Haus steht komplett hinter ihm.“

Was war passiert? Der 53-Jährige sollte in diesen Tagen auf Lebenszeit ans Oberste Gericht, den Supreme Court, befördert werden. Doch seine Ernennung ist ungewiss – Kavanaugh soll mindestens eine Frau sexuell genötigt haben. Angestoßen hat die Debatte die 51-jährige Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford. Jetzt meldete sich eine zweite Frau: Deborah Ramirez.

Ford beschuldigt Kavanaugh der versuchten Vergewaltigung. Beide sollen sich als Teenager auf der Highschool-Party eines Klassenkameraden in Maryland begegnet sein. Ford beschreibt detailliert, wie der damals 17-jährige Kavanaugh sie – die damals 15 Jahre alt war – aufs Bett gepresst haben soll, ihre Kleidung heruntergerissen und ihren Mund mit der flachen Hand zugehalten haben soll.

Ihr gelang die Flucht, erinnert sich Ford. „Ich habe mein ganzes Leben mit dieser Geschichte gelebt“, sagt sie heute. Auch Ramirez, die zweite Frau, die sich jetzt gemeldet hat, erzählt von sexueller Gewalt. Kavanaugh soll sie als 18-Jähriger an der renommierten Yale-Universität überrumpelt und ihr seinen entblößten Penis ins Gesicht gedrückt haben.

Beide Frauen müssen einigen Mut aufbringen. Seit Ford mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen ist, hat die Debatte beängstigende Züge angenommen. Die Psychologin bekommt Todesdrohungen, ihr E-Mail-Konto wurde gehackt, ihre Familie musste ins Hotel umsiedeln.

Die Psychologie-Professorin belastet den Kandidaten für das Oberste Gericht der USA. Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com
Christine Blasey Ford

Die Psychologie-Professorin belastet den Kandidaten für das Oberste Gericht der USA.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Die Mutter zweier Töchter und passionierte Surferin lebt und lehrt in Palo Alto. Neben ihrer Dozentinnentätigkeit arbeitet sie als Beraterin für Pharmaunternehmen, ihr Schwerpunkt ist Traumabewältigung. Ford gilt als glaubwürdig: Sie hat sich einem Lügendetektortest unterzogen und vertraute sich ihrem Ehemann in einer Therapiesitzung an.

Ihr Leben in Kalifornien sei ein „Neustart“ gewesen, sagt Ford, sie habe lange versucht, mit ihrer Erfahrung abzuschließen. Doch dass ihr Peiniger als höchster Richter über die Geschicke des Landes entscheiden soll, das könne sie nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren.

Es steht Aussage gegen Aussage

Führende Konservative, allen voran Donald Trump, diskreditieren die Vorwürfe als linksliberale Fantastereien. Sie sehen in Ford eine Saboteurin, die auch noch mit den Demokraten sympathisiert. Trump-Gegner dagegen liefen bei der Emmy-Verleihung in Hollywood mit „I believe Christine Blasey Ford“-Ansteckern herum – obwohl Aussage gegen Aussage steht, Kavanaugh die Anschuldigungen vehement verneint („Eine Schmierenkampagne, schlicht und einfach.“).

Bei Republikanern und Demokraten geht es längst nicht mehr um die Sache, sondern um einen erbitterten Machtkampf. Beide Seiten führen die glänzenden Karrieren ihrer Schützlinge an, als ob Intellekt und Uniabschlüsse vor Fehlverhalten schützen würden.

Die Republikaner müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, sich gegen ein Opfer sexueller Nötigung zu stellen und die Benennung eines wichtigen Richters über moralische Bedenken zu heben. Und die Demokraten kämpfen mit einem Glaubwürdigkeitsproblem, da sie einen einstigen Präsidenten schützten, dem mehrere Frauen Fehlverhalten vorgeworfen haben: Bill Clinton.

Am kommenden Donnerstag wird der nominierte Richter im Kongress zu den Vorwürfen Stellung nehmen, auch eine Aussage Fords wird erwartet. Die Sitzung wird im Fernsehen übertragen. Erinnerungen an die Befragung von Anita Hill werden wach, die den damaligen Supreme-Court-Kandidaten Clarence Thomas im Jahr 1991 schwer belastete. Er wurde trotzdem ernannt und sitzt bis heute auf der Richterbank.

27 Jahre später wird die Anhörung ebenfalls zum Spektakel stilisiert werden. Persönliche Fragen muss Kavanaugh nicht unbedingt beantworten.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Christine Blasey Ford - Die Frau, die mit ihrer Klage das politische Washington aufwühlt

1 Kommentar zu "Christine Blasey Ford: Die Frau, die mit ihrer Klage das politische Washington aufwühlt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Frau Meiritz, Sie "vergessen" zu erwähnen, das Sen. Feinstein den entscheidenden Brief wochenlang in der Schublade gehalten hat, bevor sie die sensible Angelegenheit zeitlich geschickt veröffentlichte. Ebenso lassen Sie aus, dass Prof. Ford sich weder an den Ort., noch an das Jahr(!) des angeblichen Angriffs erinnern kann. Ferner sagen Sie nicht, dass der einzige direkte ( von Prof. Ford) benannte Zeuge (Mark Judge), sich an den Vorfall nicht erinnern kann. Zu guter letzt wird ebenso nicht erwähnt, dass drei weitere indirekte Zeugen ( von Prof Ford benannt) sich ebenfalls weder an die Party noch an den Vorfall erinnern können. Auf der anderen Seite wird aber erwähnt, dass Prof. Ford sich ihrem Ehemann und Therapeuten offenbart hätte ( als ob das irgendetwas beweist) und sie sich einem Lügendetektortest unterzogen hat. Sehr einseitige Berichterstattung. ......Übel. ....Übrigens: Alles das beweisst gar nichts. Weder dass Prof. Ford lügt, noch dass BK sich mit 17(!) auf sie geworfen hat, noch das BK lügt. Wenn Vorwürfe aber ausreichen (greift zunehmend um sich), um das Laben und die Karriere eines Menschen zu zerstören, dann sollten wir uns wirklich Sorgen machen, Frau Meiritz. Mit solchen Artikeln wird diese Tendenz unterstützt.