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CO2-Emissionen Mit diesem Plan will Brüssel Europa bis 2050 klimaneutral machen

Schon in 30 Jahren soll Europa unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Brüssel schätzt den Finanzbedarf dafür auf 290 Milliarden Euro – jährlich.
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Einige Branchen könnten durch die CO2-Einsparung verschwinden. Quelle: Getty Images
Treibhausgase

Einige Branchen könnten durch die CO2-Einsparung verschwinden.

(Foto: Getty Images)

Brüssel An Alarmsignalen mangelte es zuletzt wahrlich nicht. Verheerende Waldbrände nach jahrelanger Dürre in Kalifornien, in Deutschland war das laufende Jahr bislang das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich das Weltklima um 1,2 Grad erwärmt.

„Die Botschaft der Wissenschaft ist klar: Die Welt erwärmt sich sehr schnell“, sagte EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete dem Handelsblatt. Darauf müsse Europa reagieren – und zwar zügiger und entschiedener als bisher. „Unsere Schlussfolgerung ist eindeutig: Ein klimaneutrales Europa ist der richtige Weg“, so Arias Cañete.

Schon 2050 solle die EU unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Ein tief greifender Wandel in allen EU-Staaten ist dafür erforderlich. Er betrifft jeden einzelnen Bürger, aber auch einzelne Branchen: Cañete schließt nicht aus, dass ganze Industriezweige verschwinden.

Nach dem Willen der Kommission soll Europa bereits in gut 30 Jahren nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen, als von der Natur oder künstlichen Kohlenstoffspeichern aufgenommen werden kann. Es ist das erste Mal, dass die Brüsseler Behörde ein solch ehrgeiziges, wenn auch unverbindliches Ziel für die Staatengemeinschaft ausgibt.

Im Auftrag der Staats- und Regierungschefs der EU hat sie untersucht, wie der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid langfristig drastisch reduziert werden kann.

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Am Mittwoch soll die Strategie vorgestellt werden. Anschließend sollen sich die Fachminister der Mitgliedstaaten und im Mai schließlich der EU-Gipfel damit befassen. Mehrere Regierungen standen zuletzt eher auf der Bremse. So sprach sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dagegen aus, das EU-weite Reduktionsziel für 2030 von 40 Prozent anzuheben.

Ziele über den internationalen Verpflichtungen

Die EU würde ihren internationalen Verpflichtungen auch Genüge tun, wenn sie den CO2-Ausstoß bis Mitte des Jahrhunderts im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent senken würde. Aber die Kommission spricht sich für eine vollständige Dekarbonisierung aus. Das Ziel sei erreichbar mit der Technologie, die bereits vorhanden sei oder derzeit entwickelt werde, so Arias Cañete: „Wir haben all die Werkzeuge, um ehrgeizig zu sein.“

Damit will die Behörde die Entschlossenheit der EU unterstreichen. Europa könne Vorreiter für eine klimaneutrale Wirtschaft sein und anderen Ländern Wege aufzeigen, wie dies kosteneffizient möglich sei und Wachstum und Beschäftigung fördere.

Einige Sektoren, die an fossilen Energieträgern wie Erdöl oder Kohle hingen, könnten dem Wandel zwar zum Opfer fallen. Anderswo aber entstünden Arbeitsplätze, beim Ausbau erneuerbarer Energien und der Verbesserung der Energieeffizienz etwa. „Der Vorteil als Vorreiter ist, dass wir in neuen Technologien führend sein werden und Arbeitsplätze in den grünen Sektoren der Wirtschaft schaffen“, sagt Arias Cañete.

Unter dem Strich erwartet die Kommission daher einen leicht positiven Effekt in Höhe von rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2050. Um den Wandel sozialverträglich zu gestalten, müsse die EU aber bereits jetzt wichtige Weichen stellen, fordert Arias Cañete: „Wir müssen frühzeitig analysieren, welche Qualifikationen künftig gebraucht werden, welche Regionen betroffen sein werden und wie wir unsere finanziellen Instrumente einsetzen, damit niemand zurückgelassen wird.“

Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, müssen die EU-Staaten aber noch erheblich mehr tun. Bislang haben sie den CO2-Ausstoß lediglich um gut ein Fünftel reduziert, im Vergleich zu 1990. Werden die jüngst gemeinsam in Brüssel vereinbarten Maßnahmen umgesetzt, etwa zum Ausbau der erneuerbaren Energien, der Steigerung der Energieeffizienz oder der Reform des Emissionshandels, sollte der Ausstoß bis 2030 um rund 45 Prozent und bis 2050 um rund 60 Prozent sinken. Die Lücke zu den angestrebten Netto-Nullemissionen ist also noch groß.

Um sie zu schließen, müssten Unternehmen, Bürger und öffentliche Hand enorme Summen mobilisieren: Die Kommission schätzt den Bedarf an zusätzlichen Investitionen auf bis zu 290 Milliarden Euro jährlich. Durch die sinkende Abhängigkeit von importiertem Öl oder Gas könnte die EU aber zugleich viel Geld einsparen: Derzeit überweisen die Europäer 266 Milliarden Euro an ihre Energielieferanten, rund 70 Prozent davon könnten eingespart werden, rechnet die Kommission vor. Überdies könnten die Kosten der durch Luftverschmutzung verursachten Gesundheitsschäden um mehr als 200 Milliarden Euro pro Jahr gesenkt werden.

Manche Emissionen sind unvermeidbar

Die Klimaneutralität Europas bedeutet aus Sicht der Kommission aber nicht, das sämtliche Wirtschaftszweige kein CO2 mehr ausstoßen dürfen. In manchen Industrieprozessen und in der Landwirtschaft seien manche Emissionen schwierig zu vermeiden, räumt Arias Cañete ein. So fällt etwa bei der Produktion von Stahl unweigerlich CO2 an. Diese Emissionen müssten durch sogenannte CO2-Senken ausbalanciert werden, etwa durch Aufforstung der Wälder.

Die Kommission sieht auch ein gewisses Potenzial in technischen Lösungen zum Auffangen und Speichern von CO2. Allerdings ist auch in der Brüsseler Behörde der Glaube an das Potenzial dieser Speicher weit geringer als noch vor wenigen Jahren. Bislang ist es nicht gelungen, marktreife Lösungen zu etablieren.

Den Löwenanteil der benötigten CO2-Einsparungen könne laut Kommission künftig Strom aus erneuerbaren Energien liefern. Bis etwa Flugzeuge oder Frachtschiffe batterieelektrisch angetrieben werden könnten, werde allerdings noch Zeit vergehen. Für diese kämen etwa fortgeschrittene Biokraftstoffe oder E-Fuels als Übergangslösungen in Betracht.

Zusätzlich müssten die EU-Staaten den Energieverbrauch um die Hälfte senken. Dazu müsste vor allem der Bestand an alten, schlecht gedämmten Gebäuden deutlich schneller saniert werden als bisher. Dies könne ohne das Zutun der Bürger nicht gelingen, mahnt Arias Cañete. Sie könnten ihren Beitrag leisten, wenn sie ihr Haus renovierten, sich ein neues Auto oder neue Elektrogeräte kauften. „Die Entscheidungen der Bürger werden entscheidend sein, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen.“

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1 Kommentar zu "CO2-Emissionen: Mit diesem Plan will Brüssel Europa bis 2050 klimaneutral machen"

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  • Schon wieder wird eine 'Rettet das Klima - Sau' durch's - diesmal europäische - Dorf getrieben. Zwei grundsätzliche Sachverhalte werden auch hier nicht hinsichtlich der Erfolgsaussicht gewichtet:

    - das exponentielle Wachstum der Erdbevölkerung
    - die Unbezahlbarkeit des ausschließlich auf regenerativen Energieressourcen und Effizienzsteigerung basierenden global (!) wirksamen Lösungsansatzes

    Da werden die allein in Europa bis 2050 jährlich (!) anfallenden Kosten, immerhin 290 Milliarden €, in den Ring geworfen, als handele es sich um einen Clubbeitrag. Wir reden von global wirksamer Klimarettung! Europa zählt 750 Millionen Einwohner. Das entspricht. einem Zehntel der aktuellen Weltbevölkerung. 2050 erheben 10 Milliarden Menschen Anspruch auf auskömmliche Trinkwasser-, Nahrungs- und Energieversorgung (UN-Millenniumziel)! Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Bevölkerungszuwachs überwiegend die Dritte Welt betreffen wird. Allein die Bevölkerung Schwarzafrikas wird bis 2050 um 1 Milliarde zunehmen. Auch die will auskömmlich versorgt werden! Wird das UN-Ziel nicht erreicht, wird migriert!

    Stellt sich die Frage: Wie soll das auf der Basis der Nutzung ausschließlich regenerativer Energieressourcen darstellbar sein? In wenigen Jahren wird man verwundert feststellen, dass es ohne Nutzung fossiler, alternativ nuklearer Energieträger nicht gehen wird. Fazit: Der aktuell als allein seligmachend angesehene 'Regenerative Lösungsansatz' führt in die Irre, sprich Ausweglosigkeit. Zielführender wäre die simultane Fokussierung auf die Entwicklung umweltneutraler Nutzungsverfahren fossiler Energieträger. Auf diesem Gebiet hätte Deutschland bereits heute Erfgolgversprechendes zu bieten (PtL- und BtL-Konzepte). Erstaunlicherweise erfährt 'Hambis' Rettung hierzulande in Politik und Medien größere Aufmerksamkeit als die Nutzbarkeit zielführender Lösungsansätze. Merke: Es war noch nie ein Fehler, zwei Eisen im Feuer zu haben!

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