Comeback der OSZE-Vermittler Leisetreter trifft auf Macho

OSZE-Chef Didier Burkhalter und Kremlchef Wladimir Putin verhandeln über Bedingungen für den Frieden in der Ukraine. Die Männer könnten nicht unterschiedlicher sein, doch genau deshalb gibt es noch Hoffnung.
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Wladimir Putin und Didier Burkhalter: Die Männer suchen in Moskau einen Weg aus der Ukraine-Krise. Quelle: dpa

Wladimir Putin und Didier Burkhalter: Die Männer suchen in Moskau einen Weg aus der Ukraine-Krise.

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ZürichDer Anzug sitzt stets tadellos, der leicht ergrauter Seitenscheitel auch, seinem fließenden Deutsch gibt ein französischer Akzent etwas Farbe. Gestatten: Didier Burkhalter, amtierender Bundespräsident der Schweiz und Vorsitzender der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Der Schweizer ist in der Ukraine-Krise ein wichtiger Krisenmanager – den in Deutschland aber kaum einer kennt.

Das ist dem 54-jährigen Liberalen sicher recht. Aufregung um seine Person sind ihm ein Gräuel. Was nicht heißt, dass ihm die aktuelle Vermittler-Aufgabe nicht Spaß machen würde. Burkhalter gibt dabei aber stets den Teamplayer, dem es um die Sache geht. Als OSZE-Präsident reist Burkhalter am Mittwoch nach Moskau, um den russischen Präsident Wladimir Putin zu einem neuen Anlauf zu Friedensgesprächen in Genf zu überzeugen und wie die Lage vor der Präsidentenwahl am 25. Mai in der Ukraine beruhigt werden kann.

Ob die OSZE aber viel bewirken kann oder zum ohnmächtigen Spielball zwischen Kiew und Moskau wird, ist in der Schwebe. Mit seinem zurückhaltenden Wesen und dem feinen Humor ist Burkhalter vom Charakter her das glatte Gegenteil von Russlands Macho im Kreml. Das OSZE-Amt gibt im Legitimität, die Neutralität seines Landes, dem Nicht-EU-Mitglied Schweiz, verleiht ihm Glaubwürdigkeit; und sein zurückhaltender Charakter prädestiniert Burkhalter geradezu für diesen schwierigen Vermittlerjob.

Was nicht heißt, dass der Westschweizer nicht auch die Gattung Klartext beherrscht. Als im April der Deutsche Bundespräsiden Joachim Gauck seine Sorge über die Abstimmung der Schweiz zur Begrenzung der Zuwanderung ausdrückte, gab ihm Burkhalter eine Lektion in Basisdemokratie zurück: „Europa könnte durchaus etwas mehr Schweiz vertragen.“

Schon vor der Ukraine-Krise hatte sich Burkhalter das Ziel gesetzt, der OSZE unter Schweizer Vorsitz zu mehr Bedeutung zu verhelfen. Während des Kalten Krieges hatte der Vorläufer der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eine wichtige Rolle beim Abbau der Spannungen zwischen Ost und West, doch nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde es ruhig um die Organisation. Mit der Krise in der Ukraine erlangte sie nun wieder eine neue Bedeutung. Insbesondere Deutschland hegt die Hoffnung, dass sie als Vermittler dienen kann, da ihr neben den westlichen Staaten unter anderen auch die Ukraine und Russland angehören. Die Rolle der OSZE wird von Moskau weitgehend positiv gesehen, da in der Organisation das Konsensprinzip herrscht und ihr neben Russland selbst auch die früheren Sowjetrepubliken angehören.

„Unauffällig“, ein häufig genanntes Prädikat
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8 Kommentare zu "Comeback der OSZE-Vermittler: Leisetreter trifft auf Macho"

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  • Interessant an diesem Artikel ist, dass die Militärbeobachter, die angeblich auch von der OSZE sind, gar nicht erwähnt werden. Spät, aber immerhin setzt sich die Wahrheit durch.

  • @falx:
    „Dann stellen wir schnell fest, dass auch hier in der BRD nicht alles Gold ist was glänzt.“
    Hab’ ich nie behauptet.
    Mollath ist übrigens – reichlich spät, aber doch – freigelassen worden.
    Das liegt nicht zuletzt an dem Druck, den Ihre „Mainstreammedien“ unablässig gemacht haben.
    Egal, ob Mainstream-Medium oder andere:
    Ganz grundsätzlich gilt, dass für jeden die Chance, der Wahrheit nahezukommen analog mit dem Grad der gegebenen Meinungs- und Pressefreiheit steigt.

  • Das klingt natürlich reizvoll:
    Hier der distinguiert auftretende soigniert wirkende Herr von der OSZE GmbH & Co KG und dort der Naturbursche Putin, der es auch einmal darauf ankommen läßt, wie man vermuten könnte.
    So jedenfalls könnte das politische Idyll aussehen, um das es hier zu gehen scheint und deren tatsächlicher Impetus berichterstatterisch so lauten könnte:
    Der Westen hat große Angst vorm russischen Bären (kein Grizzly) und die armen US-Politiker wehren sich doch nur mit der EU zusammen in der Ukraine.

    Und während die EU für die US-Armee inzwischen zum territorialen Testgebiet für Flugversuche von global-hawks mutiert (FAZ), bei der die Bundeswehr allerdings darauf achtet, dass die Sensoren dabei abgeschaltet sind, treffen sich zwei ältere Herren im gesetzeren Mannesalter und reden mal miteinander.

    Bei soviel Idyll könnte man zwar kotzen: aber sowas soll uns nicht nur hier ernsthaft verkauft werden.

    Und es wird verkauft und es wird gekauft, was den Vomex indes kaum erträglicher machen kann....

  • @Nettie...mal ganz neutral. Glaubst du das weil du Russland kennst und dort gelebt hast oder weil du es in den Mainstreammedien mitbekommen hast? Und wieso gehst du davon aus, dass es in Deutschland nicht auch zur ein oder anderen Zensur kommt?
    Ich meine schau dir mal den Fall Molath an. Auch hier bei uns werden Menschenrechte verletzt ohne dass es geahndet wird. Wir müssen also nicht nach Russland schauen sondern vielleicht einfach nur mal vor die eigene Haustür. Dann stellen wir schnell fest, dass auch hier in der BRD nicht alles Gold ist was glänzt.

  • Mal ganz unabhängig von der Politik. Ist es wirklich so schlimm, dass es noch Machos gibt? Oder ist Macho überhaupt noch in der heutigen Zeit ein Negativmerkmal?
    Ich jedenfalls finde in fast allen Lebensbereichen eine gesunde Ausgewogenheit ganz gut.
    Stellt euch vor es gäbe nur noch männliche Tukken. Auch kein schöner Gedanke oder!?

    Um jetzt doch nochmal politisch zu werden.
    Ein Land wie Russland, als grötes Flächenland dieser Erde und mit seinen ganzen Facetten, kann sich nichts anderes leisten als einen Macho-Präsidenten.
    Es ist nunmal so, dass ähnlich wie in der Türkei mit dem anatolischen Bereich, Russland nicht nur aus Moskau besteht. Ich denke die Mehrheit der Russen finden ihren Präsidenten ganz "cool" um es mal salopp auszudrücken.
    Die Medien sollten es meiner Meinung nach unterlassen Machos als etwas teufliches darzustellen. Ich bin auch Macho und meine Frau liebt mich schon seit fast 24 Jahren. Den einzigen klapps den Sie von mir mal bekommen hat war beim Doggyst.... na ihr wisst schon ;)

    Gruß

  • Es wird wie in Genf ablaufen. Man wird ein Abkommen finden, an was sich keiner halten muss. Solange die amerikanischen Interessen auf Krawall stehen, wird es weiter zu Eskalationen kommen. Wenn man bedenkt, mit was für einer brutalen Gewalt die Leute in Odessa vorgegangen sind, glaube ich nicht, dass man da noch eine halbwegs friedliche Lösung finden wird. Der Konflikt ist schon programmiert. Die Interessen des Westens sind so weitläufig, dass es nicht nach Ruhe aussieht. Die Verhandlungen sind wie immer Zeitgewinn, um sich in die richtige Position zu bringen. Weltweite Aufrüstung, die militärische Umstellung Russlands und die Propagandaschlacht in den Medien sprechen eine andere Sprache. Die Ukraine ist nur der Auslöser wie seiner Zeit Sarajevo. Die wahren Interessen liegen wie üblich nicht auf dem Tisch der Köche dieses Eklats. Sondern spielen sich weit unter der Oberfläche ab.
    Zum Beispiel: http://www.nachdenkseiten.de/?p=21650#more-21650
    Oder: http://www.schweizmagazin.ch/nachrichten/ausland/19174-Weltbrandstifter-Europa-angekommen.html

  • Die Überschrift des Artikels finde ich nicht sehr sinnvoll. Burkhalter wäre nicht der zurückhaltende Typ den er darstellt, falls er monatelang die Schikanen und Provokationen des Westens hätte ertragen müssen und gleichzeitig der Chef des grössten Landes der Erde sein müssen. Kaum einer Redaktion gelingt es, Putin richtig einzuordnen.

  • Hoffentlich kommt diesmal etwas dabei rum, damit wenigstens an dieser Front Ruhe einkehrt.
    Hört sich jedenfalls vielversprechender an als die vorhergehenden "Quasselrunden".
    Die Frage ist allerdings, ob die Konfliktparteien tatsächlich so "fremdgesteuert" wie behauptet sind, oder ob sie nicht doch eher ihr eigenes Süppchen kochen...
    Nix Genaues weiß man natürlich nicht, aber dass es in Russland mit der Pressefreiheit nicht zum Besten steht und dafür umso mehr Propaganda gibt, ist ja hinlänglich bekannt.

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