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Corona-Bekämpfung Pflegekräfte nur gegen Impfstoff: Philippinen fordern Deutschland zum Tausch auf

Bundesgesundheitsminister Spahn setzt im Kampf gegen den Fachkräftemangel in der Pflege auf die Philippinen. Der Vorschlag von dort stößt allerdings auf Kritik – auch in dem Land selbst.
24.02.2021 - 14:02 Uhr 1 Kommentar
Bisher haben die Philippinen noch keine Coronavirus-Vakzine für ihre mehr als 100 Millionen Einwohner erhalten. Quelle: Reuters
Filipina in Manila

Bisher haben die Philippinen noch keine Coronavirus-Vakzine für ihre mehr als 100 Millionen Einwohner erhalten.

(Foto: Reuters)

Bangkok Das globale Gezerre um knappe Coronavirus-Impfstoffe hat Folgen für Deutschlands Kampf gegen den Fachkräftemangel. Die Philippinen – seit Jahren das wichtigste Partnerland bei der Anwerbung ausländischer Pflegekräfte – verknüpfen ihre künftige Zusammenarbeit mit der Bundesregierung nun mit einer ungewohnten Bedingung: Sie wollen den deutschen Wünschen nach einer Entsendung zusätzlicher Pflegerinnen und Pfleger nur nachkommen, wenn Deutschland im Gegenzug Impfstoffe nach Manila schickt.

Ein entsprechender Vorstoß des philippinischen Arbeitsministers bekam am Mittwoch die Unterstützung von Präsident Rodrigo Duterte: „Wir begrüßen das“, sagte ein Sprecher des Präsidentenpalastes. Zusätzliche Impfstoffquellen zu erschließen sei gut für das Land.

Bisher haben die Philippinen noch keine Coronavirus-Vakzine für ihre mehr als 100 Millionen Einwohner erhalten. Eine Lieferung von mehreren Hunderttausend Dosen aus China wird in dieser Woche erwartet.

Der Plan, mithilfe Deutschlands an mehr Impfstoffe zu kommen, droht damit zur neuen Hürde für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte zu werden. Die von ihm vor anderthalb Jahren ins Leben gerufene Deutsche Fachkräfteagentur für Gesundheits- und Pflegeberufe (DeFa) sollte Gesundheitseinrichtungen dabei helfen, Mitarbeiter aus dem Ausland zu gewinnen, und konzentrierte sich dabei zunächst auf die Philippinen und Mexiko.

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    In beiden Ländern kamen die Anwerbeversuche wegen der Coronakrise aber bereits kurz nach dem Start der DeFa nahezu zum Erliegen.

    Betroffene kritisieren den Vorstoß

    Auf den Philippinen galt monatelang ein komplettes Ausreiseverbot für Auslandseinsätze von Pflegekräften. Seit Jahresbeginn gilt eine neue Regelung, die die Entsendung von maximal 5000 Ärzten und Pflegern pro Jahr erlaubt – deutlich weniger als die 17.000 philippinischen Pflegekräfte, die noch 2019 einen Vertrag bei einem Arbeitgeber im Ausland unterschrieben haben. Nach Deutschland wurden in dem Jahr knapp 800 Pflegekräfte aus den Philippinen vermittelt.

    Nach Angaben der Regierung in Manila haben Deutschland und Großbritannien nun beantragt, auch außerhalb dieses Kontingentes Fachkräfte anwerben zu können. „Der Minister erwägt, diese Ausnahmen zu genehmigen, wenn die beiden Länder unsere Bedingungen erfüllen“, erklärte die für Auslandsentsendungen zuständige Beamtin Alice Visperas mit Blick auf die Impfstoffwünsche.

    Ihren Angaben zufolge, sollen mit den angeforderten Vakzinen zunächst mehrere Hunderttausend aus dem Ausland zurückgekehrte Arbeitskräfte und Personal, das vor der Entsendung steht, geimpft werden.

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    Das Bundesgesundheitsministerium reagierte abweisend auf das Ansinnen aus Manila. Eine offizielle Anfrage habe man noch nicht erhalten, teilte ein Sprecher dem Handelsblatt mit. Deutschland könne eine weltweit faire Verteilung von Impfstoffen aber nicht allein gewährleisten, hieß es, „auch nicht in so einem Rahmen“.

    Das Ministerium verweist stattdessen auf Deutschlands Beitrag zur internationalen Impfinitiative Covax, von der auch die Philippinen profitieren würden. Auch die britische Regierung lehnte es ab, die Anwerbung von Fachkräften mit Impfstofflieferungen zu verknüpfen.

    Kritik an der Initiative der philippinischen Regierung kam auch von direkt Betroffenen: Philippinische Arbeitnehmervertreter warnten davor, Menschen zur Verhandlungsmasse zu degradieren. Jocelyn Andamo, Generalsekretärin der Organisation Filipino Nurses United, sagte: „Wir sind entsetzt darüber, dass die Regierung mit Pflegekräften umgeht wie mit Rohstoffen und Exportprodukten.“

    Mehr: Die Zweifel am chinesischen Corona-Impfstoff wachsen.

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    1 Kommentar zu "Corona-Bekämpfung : Pflegekräfte nur gegen Impfstoff: Philippinen fordern Deutschland zum Tausch auf"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Erst Mexiko, jetzt die Philippinen. Ist wieder ein guter Plan, nur aus eigener Erfahrung kann ich sagen, der Spirit in der Bürokratie des Gesundheitsministeriums ist absolut nicht auf Unterstützung persönlicher und privater Initiativen - bei mir mit einem mittelamerikanischen Land - aus, sondern erklärte mir warum es nicht geht. Hat mehr als ein Jahr gedauert, die entsprechenden Vereinbarungen unter Dach und Fach zu bekommen.
      War der Meinung es wäre gewünscht, an diesem Problem der mangelnden Pflegekräfte ohne Gewinnabsicht etwas beizutragen.
      Ich sage ihnen - das sind nur Lippenbekenntnisse und keine Eigeninitiativen oder Unterstützung zu diesem wichtigen Thema, was uns schon Jahrzehnte begleitet.

      Schlichte Unfähigkeit und mangelnder Lösungswille ist die Einstellung in den leitenden Funktionen - sicher nicht nur des Gesundheitsministeriums.

      Probleme aufzeigen, womöglich noch in Arbeitskreisen darüber reden, aber das Lösen ist nicht die Kernkompetenz, und da mag Ideen und Initiativen des Gesundheitsministers zu unterstellen sein.

      Das Elend in Deutschland geht von der überbordenden Bürokratie aus.

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