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Corona-Beschränkungen So feiert Europa Weihnachten inmitten der Pandemie

Italien, Österreich und Schweden verschärfen ihre Corona-Maßnahmen vor den Feiertagen noch einmal drastisch. Andere Länder haben Lockerungen für Weihnachten beschlossen.
19.12.2020 Update: 19.12.2020 - 21:11 Uhr Kommentieren
Die Italiener verbringen Weihnachten im harten Lockdown. Quelle: dpa
Weihnachtsbaum in Rom

Die Italiener verbringen Weihnachten im harten Lockdown.

(Foto: dpa)

Rom, Madrid, Paris, Athen, Wien, Stockholm, London Eingesperrt in den eigenen vier Wänden – und das an Weihnachten. Was wie ein Albtraum klingt, wird für viele Italiener nun bittere Realität. „Wir mussten die Maßnahmen verschärfen, es war eine schwierige Entscheidung“, erklärte Premier Giuseppe Conte seinem Volk am Freitagabend. Große Familienfeiern? Nicht erlaubt. Besuche bei Verwandten in anderen Regionen? Verboten. Ein Neujahrsspaziergang im Park? Fällt aus.

Schon vor zwei Wochen hatte die Regierung weitreichende Reisebeschränkungen für die Weihnachtszeit verkündet: Vom 21. Dezember bis zum 6. Januar dürfen die Italiener ihre Region nur verlassen, wenn sie dafür einen gesundheitlichen oder beruflichen Grund haben.
Nun hat Conte noch einmal extrem nachgeschärft: Ganz Italien geht an den Festtagen und rund um Neujahr wieder in einen harten Lockdown. Und das für insgesamt zehn Tage.

Von Heiligabend bis 27. Dezember, von Silvester bis zum 3. Januar und auch am 5. und 6. Januar, in Italien Feiertag, färbt sich das ganze Land in eine „rote Zone“: Die Bürger dürfen ihr Haus dann nur verlassen, wenn sie einkaufen, den Arzt besuchen, zur Arbeit gehen oder alleine Sport treiben – immer mit einer ausgefüllten Selbstauskunft in der Tasche.

Immerhin: Weihnachts-Feierlichkeiten im kleinsten Rahmen werden möglich sein. Es ist erlaubt, mit maximal zwei Personen und Kindern unter 14 Jahren Verwandte oder Freunde zu besuchen – allerdings pro Tag nur ein Treffen. Und auch die Ausgangssperre bleibt weiter bestehen – spätestens um 22 Uhr müssen alle wieder zuhause sein. Der Einzelhandel bleibt dicht, Restaurants und Bars dürfen nur ausliefern.

Italiens Premier verkündet am Freitagabend den Weihnachts-Lockdown. Quelle: AP
Giuseppe Conte

Italiens Premier verkündet am Freitagabend den Weihnachts-Lockdown.

(Foto: AP)

Vom 28. bis 30. Dezember sowie am 4. Januar gilt ganz Italien als „orangene Zone“. Die Italiener dürfen ihre Häuser dann auch ohne triftigen Grund verlassen, allerdings nicht ihre Gemeinde. Aufgeweicht wurde die Regel nur für Bewohner von Kleinstgemeinden: In Orten, in denen weniger als 5.000 Einwohner leben, dürfen sich die Bürger in einem Radius von 30 Kilometern auch ins Nachbardorf bewegen.

„Wir haben das Ende dieses Albtraums vor uns“, sagte Conte am Ende seiner Erklärung – und meinte damit den Beginn der Corona-Impfungen in Europa am 27. Dezember. Trotzdem sei er weiter sehr besorgt über den Höhenflug der Infektionskurve. Auch wenn der R-Wert, also die Zahl, die ein Infizierter ansteckt, weiter unter eins liegt, ist die Lage angespannt: Am Freitag lag die Zahl der Neuinfektionen bei rund 18.000, 674 Menschen sind innerhalb von 24 Stunden an den Folgen des Virus gestorben.

Schweden rudert zurück

Kein Lockdown, keine Maskenpflicht: Schwedens Corona-Strategie wurde bislang als Sonderweg bezeichnet. Doch damit ist es jetzt vorbei. Angesichts stark ansteigender Infektions- und Todeszahlen führt die Regierung deutlich schärfere Restriktionen ein. „Es wird ein anderes Weihnachten werden“, betonte Schwedens sozialdemokratischer Ministerpräsident Stefan Löfvén am Freitagnachmittag.

Erstmals seit Ausbruch der Pandemie führt das Land eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr ein. An den Schulen kommt der Fernunterricht für Schüler in den höheren Klassen bis mindestens 24. Januar zurück.

Außerdem dürfen nur noch vier Personen in einer Gesellschaft ein Restaurant besuchen. Der Alkoholausschank wird ab 20 Uhr verboten. Geschäfte und Einkaufszentren dürfen nur noch so viele Personen einlassen, dass es „kein Gedränge“ gibt, erklärte Löfvén.

Sollten die neuen Regeln, die zunächst bis zum 24. Januar gelten, nicht eingehalten werden, behält sich die schwedische Regierung auch die Schließung von Geschäften vor. Dass das nicht schon jetzt geschieht, liegt auch an der fehlenden gesetzlichen Grundlage.

Schweden verzeichnet seit mehreren Wochen explodierende Infektionszahlen. Die Intensivabteilungen in den Krankenhäusern arbeiten am Limit. Bislang sind in Schweden knapp 8000 Menschen an oder durch Corona gestorben. Deshalb appelliert die Regierung auch an die Bürger, zu Weihnachten auf Reisen zu Verwandten zu verzichten und möglichst nur engste Familienmitglieder, die im gleichen Haushalt leben, zu treffen.

Frankreich macht sich locker

Zu Weihnachten werden die Franzosen es richtig krachen lassen: Die Regierung hat die seit dem 15. Dezember geltende Sperrstunde zwischen 20 und 6 Uhr aufgehoben – allerdings nur für Heiligabend. Durch ganz Frankreich fahren darf man ohnehin, alle Geschäfte sind geöffnet – einem saftigen Festessen im Familienkreis oder mit Freunden steht damit nichts mehr im Wege.

Die Bestände an Truthähnen und Stopfleber, zwei traditionelle Weihnachtsleckereien, dürften drastisch abschmelzen. Die Apotheker berichten über einen Ansturm auf Schnelltests, die man in Frankreich gratis ablegen kann: Viele Menschen wollen ihre Eltern oder Großeltern besuchen und dabei auf Nummer sicher gehen.

Für den Silvesterabend gilt dagegen, anders als von vielen erhofft, wieder die 20-Uhr-Ausgangssperre. Ein Schlupfloch gibt es allerdings: Es ist nicht verboten, Freunde in der Wohnung zu beherbergen, die nicht bis 20 Uhr nach Hause zurückkommen. Massenfeiern sind aber strikt und unter Strafandrohung untersagt, mehr als sechs Erwachsene sollen sich nicht zusammenfinden, egal an welchem Tag.

In der Öffentlichkeit ist der Genuss von Alkohol verboten, Restaurants können lediglich Speisen zum Mitnehmen anbieten. Bars sind ganz geschlossen.

Frankreichs Präsident ist an Corona erkrankt, wendet sich per Twitter an die Nation. Quelle: Emmanuel Macron via REUTERS
Emmanuel Macron

Frankreichs Präsident ist an Corona erkrankt, wendet sich per Twitter an die Nation.

(Foto: Emmanuel Macron via REUTERS)

Etwas unwohl ist der Regierung wohl mittlerweile bei ihrer relativen Freizügigkeit: Am Freitagabend meldete sich der an Covid erkrankte Präsident Emmanuel Macron per Twitter an die Nation. Mit etwas schwacher Stimme und tiefen Ringen unter den Augen, ungewohnt verletzlich, aber auch weniger gekünstelt wirkend als sonst, forderte er die Franzosen dazu auf, „das Maximum zu unternehmen, um sich und andere zu schützen.“ Das Virus greife wieder um sich, stärker noch als vorher. „Niemand ist dagegen gefeit.“

Österreich geht in den dritten Lockdown

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat am Freitagabend einen dritten harten Lockdown angekündigt, er soll am 26. Dezember beginnen. „In Europa fürchtet man den Winter“, sagte Kurz. Die kalte Jahreszeit könne sich auf die Zahl der Infizierten dramatisch auswirken, falls man nun nichts unternehme.

An Weihnachten selbst gelten die schon zu einem früheren Zeitpunkt festgelegten Regeln: An einer Feier dürfen höchstens zehn Personen teilnehmen, die Ausgangsbeschränkungen sind vorübergehend aufgehoben. Silvesterpartys soll es dagegen keine geben.

Ab dem 18. Januar will die Regierung das soziale und kulturelle Leben zumindest langsam wieder hochfahren. Um aber ein Theater oder Restaurant zu besuchen, müssen die Gäste am Wochenende vorher einen Schnelltest machen lassen. Wer darauf verzichtet, ist noch mindestens eine Woche von Veranstaltungen ausgeschlossen.

In Österreich hatte bereits zwischen dem 17. November und dem 7. Dezember ein harter Lockdown gegolten. Fast alle Läden waren geschlossen, die Schulen gingen erneut zum Fernunterricht über. Die Maßnahmen waren ziemlich erfolgreich: Am 11. November hatte das Land noch rund 9200 Neuansteckungen registriert, bis zum 18. Dezember sank dieser Wert auf rund 2000. Allerdings lag sie damit immer noch höher, als die Regierung erhofft hatte.

Griechenland bleibt im Stillstand

So hell wie in dieser Vorweihnachtszeit war die griechische Hauptstadt Athen wohl noch nie erleuchtet. Abertausende Lichter glitzern im Zentrum, an der Spitze des Weihnachtsbaums auf dem Syntagmaplatz strahlt ein goldener Stern. Athens Bürgermeister Kostas Bakogiannis zieht alle Register: „Gerade zu diesem Weihnachten, das anders ist, brauchen wir alle etwas Freude und Zuversicht, ein Lächeln und ein wenig Licht“, sagt Bakogiannis.

Aber Weihnachtsstimmung will nicht aufkommen. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Die griechischen Medien bereiten ihre Leser wahlweise auf „schwarze Feiertage“ oder ein „Weihnachten in Agonie“ vor.

Die zweite Welle der Pandemie trifft Griechenland mit voller Wucht. Seit Anfang November gab es mehr als doppelt so viele Neuinfektionen wie in den ganzen neun Monaten zuvor. Die Zahl der Todesopfer hat sich sogar verfünffacht – obwohl das Land nun schon seit sechs Wochen im Lockdown ist.

Gastronomie, Geschäfte und die Schulen sind geschlossen. Von 22 bis 5 Uhr gilt eine Ausgangssperre, auch an den Feiertagen. Tagsüber darf man die Wohnung nur mit einem triftigen Grund verlassen, etwa für den Weg zur Arbeit oder für den Gang zum Supermarkt.

Die seit Anfang November geschlossenen Kirchen können zwar zu Weihnachten öffnen, aber die Zahl der Besucher ist begrenzt: Je nach Größe des Gotteshauses haben nur 25 bis 50 Gläubige Zutritt zu den Messen. Auch für private Feiern gibt es Beschränkungen: Höchstens neun Personen aus zwei Familien dürfen zusammen sein. Viele Fachleute halten selbst diese Obergrenze für zu großzügig. Sie warnen, dass nach dem Fest ein neuer Anstieg der Infektionen droht.

Johnson zieht die Notbremse

Eigentlich sollten die Briten vom 23. bis 27.12. „Christmas Bubbles“ aus maximal drei Haushalten bilden dürfen. Es sei "inhuman", den Menschen Familienfeiern an Weihnachten zu untersagen, hatte Premier Boris Johnson noch Mitte der Woche gesagt.

Am Samstag jedoch machte er eine Kehrtwende. Als Grund nannte er eine neue Virus-Variante in Südengland, die deutlich ansteckender sei als zunächst gedacht. Deshalb müssen rund 18 Millionen Engländer in London und Südengland nun zuhause bleiben und dürfen nicht mit anderen Haushalten feiern. Im Rest des Landes hingegen dürfen sich bis zu drei Haushalte am Weihnachtstag treffen. Die schottische Regionalregierung beschränkte die Feier-Erlaubnis ebenfalls auf einen Tag und sprach ein Reiseverbot zwischen Schottland und England aus.

Die Infektionszahlen in Großbritannien steigen seit Anfang Dezember wieder stark an, Virologen hatten daher empfohlen, die Kontaktregeln für Weihnachten nicht zu lockern.

Johnsons Meinungswandel in letzter Minute löste Empörung aus. Viele Familien hätten gern Bescheid gewusst, bevor sie ihre Weihnachtstage planten und Großeinkäufe tätigten. Der Premier muss mit einem Aufstand der Lockdown-Gegner in der konservativen Fraktion rechnen.

Doch wurde zu Johnsons Verteidigung auch darauf verwiesen, dass Regierungen im Rest Europas ebenfalls das gemeinsame Feiern an Weihnachten verbieten. Pro Tag sterben derzeit rund 500 Menschen im Königreich an den Folgen des Virus.

Spanien riegelt die Hauptstadt ab

In Spanien steigen die Infektionen seit Wochenanfang wieder, nachdem sie zuvor stetig gefallen waren. Die Angst ist groß, dass damit bereits eine dritte Welle begonnen hat. Zahlreiche Regionen – in Spanien zuständig für die Gesundheitspolitik – haben deshalb die Vorschriften für Weihnachten verschärft. Die Kanaren, Mallorca, Madrid, Valencia, Galicien und Asturien erlauben statt der zunächst geplanten zehn Personen, die zusammen Weihnachten und Silvester feiern dürfen, nur noch Treffen von maximal sechs.

In der Region Madrid, mit 262 Neuinfektionen in den vergangenen 14 Tagen nach den Balearen erneut am stärksten betroffen, bleiben Restaurants und Geschäfte aber weiterhin geöffnet. Die seit Wochen ab Mitternacht geltende Ausgangssperre wird an den Feiertagen auf 1:30 Uhr angehoben – für Spanien ist selbst das noch vergleichsweise früh, denn das Abendessen beginnt oft nicht vor 22 Uhr. Vom 23.12. bis 6. Januar bleibt die Hauptstadtregion zudem abgeriegelt. Nur Familien dürfen sie für Treffen verlassen oder einreisen.

In Katalonien dürfen Restaurants nur zum Frühstück von 7:30 bis 9:30 Uhr öffnen und zum Mittagessen von 13 bis 15:30 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist nur Lieferservice erlaubt. Vom 21.12. bis 11. Januar werden zudem die 42 Landkreise Kataloniens abgeriegelt – das gilt aber nicht für Familien, die sich zu den Feiertagen besuchen. Weihnachten und Silvester dürfen sich maximal zehn Personen aus zwei Haushalten treffen, an den anderen Tagen sind es sechs.

Belgien verlangt Negativtests

Auch Belgien hat die Corona-Regeln am Freitag noch einmal nachgeschärft, vor allem was die Reisebestimmungen in der Weihnachtszeit angeht. Wer sich länger als 48 Stunden in einem Risikogebiet aufhält, muss verpflichtend eine Woche in Quarantäne. Touristen aus dem Ausland müssen zur Einreise einen negativen Test vorweisen, der höchstens 48 Stunden alt ist. Fluggesellschafen sollen gar keine Gäste mehr ohne Test transportieren. Das Skifahren wird zudem in ganz Belgien verboten.

Mehr: Der Impfplan für Deutschland steht – wer zuerst geimpft wird.

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