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Corona-Epidemie Wie das Coronavirus die globale Tourismusbranche trifft

Jahrelang boomte das Geschäft mit chinesischen Touristen, doch jetzt fehlen in europäischen und asiatischen Metropolen die Gäste – mit empfindlichen Folgen für die Wirtschaft.
18.02.2020 - 17:28 Uhr 2 Kommentare
Derzeit fehlen die Gäste aus dem Reich der Mitte – nicht nur in Barcelona, sondern an zahlreichen Urlaubszielen in Europa und Asien. Quelle: AFP/Getty Images
Touristen in Barcelona

Derzeit fehlen die Gäste aus dem Reich der Mitte – nicht nur in Barcelona, sondern an zahlreichen Urlaubszielen in Europa und Asien.

(Foto: AFP/Getty Images)

Luzern, Madrid, Tokio, Rom, Bangkok Auf den ersten Blick sieht es in Luzern aus wie an einem ganz normalen Februartag. Doch spätestens am berühmten Löwendenkmal merkt der kundige Besucher: Hier stimmt etwas nicht. Der Platz vor dem Löwendenkmal ist verdächtig leer. Der Busparkplatz und die Altstadt wirken fast verwaist. „Sie sehen es ja selbst“, sagt die Verkäuferin eines Souvenirgeschäfts am Löwendenkmal. „Die Chinesen fehlen. Und wie!“

Luzern gilt als eine der beliebtesten Destinationen für chinesische Touristen in der Schweiz. Im vergangenen Jahr erhitzte eine chinesische XXL-Reisegruppe die Gemüter. Ein chinesischer Beautykonzern hatte rund 12.000 Beschäftigte mit einer Gruppenreise in die Schweiz belohnt, auf den Holzbrücken der Stadt herrschte dichtes Gedränge.

Jetzt fehlen die Gäste aus dem Reich der Mitte – nicht nur in der Schweiz, sondern an zahlreichen Urlaubszielen in Europa und Asien. Die chinesische Regierung hat Gruppenreisen bis mindestens Ende März untersagt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Viele internationale Fluggesellschaften fliegen chinesische Flughäfen nicht mehr an. 

Ob in Rom oder Madrid, Bangkok, Singapur oder Tokio: Jahrelang haben die Destinationen von wachsenden Besucherströmen aus China profitiert. Das Ausbleiben der chinesischen Gäste hat nun spürbare Folgen. Manche Länder mussten wegen der fehlenden Touristen bereits ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigieren.

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    Es geht um viel Geld: 2018 gaben chinesische Touristen weltweit rund 120 Milliarden US-Dollar aus, zeigen Daten der chinesischen Tourismusakademie. Demnach machten mehr als 160 Millionen Chinesen eine Auslandsreise. Sie gelten dabei als außerordentlich konsumfreudig.

    Grafik

    Nach Angaben des spanisch-chinesischen Tourismusverbands etwa geben Reisende aus China in Spanien im Schnitt 2.563 Euro pro Besuch aus – deutlich mehr als Deutsche mit 1.052 Euro und Franzosen mit 651 Euro. Das freut nicht nur Hoteliers und Gastronomen, sondern auch die Schmuck- und Uhrenindustrie.

    Jetzt aber ist in vielen Luxusboutiquen weniger los als sonst. „Normalerweise kommen mehrere, zum Teil große Gruppen Chinesen pro Tag“, sagt eine Verkäuferin bei Gucci an der edlen Calle Serrano im Zentrum von Madrid. „Aber in diesem Jahr waren es deutlich weniger, rund die Hälfte würde ich sagen.“ Genaue Angaben, wie stark die Zahl der chinesischen Touristen im Januar gesunken ist, werden erst im März vorliegen.

    Auch die Exporte sind eingebrochen

    Ähnlich sieht es im Zentrum von Rom aus: Ob bei Valentino an der Piazza di Spagna, bei Gucci, Armani und bei Brioni in der Via Condotti: Gelangweilt stehen die Sicherheitsleute im Eingang und öffnen ab und zu die Tür für Besucher aus Russland und den arabischen Staaten.

    Nicht nur der Tourismus ist eingebrochen, auch die exportorientierte Wirtschaft spürt die ersten Auswirkungen. Und das wird zum Problem für die Politik. „Viele chinesische Touristen kommen nach Italien und kaufen signifikant viele Luxusgüter, außerdem ist China Italiens drittgrößter Lieferant“, sagte Vize-Finanzminister Antonio Misiani.

    Noch härter trifft es die Hoteliers in Asien. Denn rund 89 Prozent der Auslandsreisen von Chinesen führen zu den asiatischen Nachbarn, zeigen Daten der Tourismusakademie. Manche der betroffenen Länder mussten ihre Wachstumsprognosen deshalb bereits nach unten korrigieren.

    So bietet Bangkoks größter internationaler Flughafen dieser Tage ein ungewöhnliches Bild. Normalerweise bilden sich vor den Sicherheitschecks und Passkontrollen lange Schlangen – das südostasiatische Luftfahrtdrehkreuz arbeitete angesichts des thailändischen Tourismusbooms der vergangenen Jahre zuletzt regelmäßig an der Kapazitätsgrenze. Doch nun ist es am Suvarnabhumi-Flughafen ruhig.

    Dabei geben sich Thailands Behörden große Mühe, die chinesischen Urlauber nicht zu verlieren. Im Gegensatz zu anderen Ländern der Region wie Singapur und Australien haben sie sich explizit gegen einen Einreisestopp für Besucher aus China entschieden – was angesichts der Angst vor einer Coronavirus-Epidemie in der Öffentlichkeit teilweise auf Kritik stieß.

    In Urlaubsgegenden wie der Insel Koh Samet sind nun Poster mit Solidaritätsbekundungen für die Bewohner der am stärksten betroffenen Provinz Wuhan zu sehen.

    Das Wachstum in Thailand und Singapur bricht ein

    Die Tourismusbranche gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Thailands. Mehr als jeder vierte Urlauber der rund 40 Millionen Besucher, die pro Jahr nach Thailand kommen, ist inzwischen Chinese. Die Reisenden aus der Volksrepublik machten Bangkok in den vergangenen Jahren zur meistbesuchten Metropole der Welt, noch vor Städten wie London, New York oder Paris.

    Wegen des Reisestopps für chinesische Reisegruppen erwarten Ökonomen in Thailand nun einen Einnahmerückgang von mehreren Milliarden Dollar. Als Folge davon strichen die staatlichen Statistiker am Montag ihre Wachstumsprognose zusammen: Statt 2,7 bis 3,7 Prozent Wachstum erwarten sie nun nur noch zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Zuvor hatte die thailändische Zentralbank ihren Leitzins auf ein Rekordniveau gesenkt, um die angeschlagene Wirtschaft zu stützen.

    Auch Singapur, wo die Regierung Ende Januar ein Einreiseverbot für Besucher vom chinesischen Festland erließ, musste seine Wachstumsprognose wegen der Virusfolgen senken: Erwartet wird nun ein Wachstum zwischen minus 0,5 und plus 1,5 Prozent. Premierminister Lee Hsien Loong warnt bereits vor einer möglichen Rezession.

    Die Tourismusbehörden kürzten ihre Besucherprognose für dieses Jahr um ein Viertel. Es sind nicht nur Chinesen, die fernbleiben, sondern auch andere internationale Geschäftsleute, die Messen und Konferenzen in Südostasiens Finanzzentrum meiden.

    Bei der größten Fluggesellschaft des Stadtstaates, Singapore Airlines, glaubt man nicht, dass sich die Lage schnell bessert: Das Unternehmen kündigte am Dienstag an, seine Flugverbindungen bis Mai wegen der schwachen Nachfrage zu reduzieren. Betroffen sind unter anderem Flüge nach Frankfurt, Jakarta und London.

    Tokio bangt um die Olympischen Spiele

    Wenig besser gestaltet sich die Lage in Chinas Nachbarland Japan. Ladenbesitzer in Tourismusgebieten berichten von dem stärksten Besucherrückgang der letzten Jahrzehnte. Ein schwerer Schlag für Japans Kaufhausketten sowie das Hotel- und Gaststättengewerbe. Denn der Tourismus hat sich seit 2012 zu einer wichtigen Wachstumsbranche entwickelt. Im vergangenen Jahr besuchten fast 32 Millionen Menschen das Land – rund 30 Prozent der Besucher stammten aus China. 

    Doch die größte Sorge der Japaner ist eine andere: Im Sommer richtet das Land die Olympischen Spiele aus. Staat und Unternehmen haben massiv investiert, um die erwarteten Besuchermassen zu bewirten. Sollte sich das Virus weiter ausbreiten, könnte das empfindliche Folgen haben. Noch hoffen die Japaner, dass die Spiele wie geplant stattfinden.

    Mehr: Ökonom Felbermayr über die Folgen des Coronavirus: „Jeden Tag größere Schäden“

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    2 Kommentare zu "Corona-Epidemie: Wie das Coronavirus die globale Tourismusbranche trifft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • So ändern sich die Zeiten: "früher", also zu meiner Jugend, hat man über die japanischen Touristen gelästert.
      Wenn die mal Urlaub hatten (bedeutend weniger als die Deutschen!!), dann mussten sie im Schnelldurchgang halt so vel wie möglich sehen. Nun haben die Chinesen die Japaner "abgelöst", aber die haben im Durchschnitt bestimmt nicht mehr Urlaub als die Japaner.
      Die "Weltmeister" aus Deutschland benötigen dagegen heute selbst für ihren Urlaub vielfach einen Konsumkredit - den gibt es dafür aber nicht mehr lange... ;-)

    • Na das ist doch mehr als Herrlich wenn man nicht überall diese Lauten und unfreundlichen Chinesen hat, z.B. In Neuseeland sind die eine Katastrophe, was war das vor Jahren noch eine Traumdestinition bevor die Chinesen eingefallen sind... endlich mal Entspannung in den sonst von Chinesen völlig überfüllten Destinationen. Ich hoffe das hält noch eine Weile an, ich Fliege Ende April nach Rom für ein paar Tage :-) Wie Früher....

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