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Corona Lockdown light: Israel fährt das öffentliche Leben an den Wochenenden runter

Geschäfte und Museen müssen in Israel an Wochenenden schließen. Von rigiden Maßnahmen wie im Frühjahr sieht sie aber ab. Die Wirtschaft ächzt noch immer unter deren Folgen.
17.07.2020 - 19:16 Uhr Kommentieren
In Israel protestieren Restaurantbetreiber und ihre Gäste gegen einen Lockdown. Quelle: AFP
Tel Aviv

In Israel protestieren Restaurantbetreiber und ihre Gäste gegen einen Lockdown.

(Foto: AFP)

Tel Aviv Nach einem starken Anstieg der Corona-Infektionen setzt die israelische Regierung erneut auf Lockdown-Maßnahmen. Einem Beschluss des Kabinetts zufolge gelten die Regelungen künftig landesweit an Wochenenden. Ausgangsbeschränkungen soll es vorerst nicht geben, dafür müssen aber Geschäfte, Einkaufszentren, Freiluftmärkte, Büchereien, Museen und Touristenattraktionen geschlossen bleiben. Ausgenommen sind Lebensmittelläden und Apotheken. Ab kommendem Wochenende dürfen auch Strände nicht mehr betreten werden.

Das Kabinett beschloss zugleich längerfristige Restriktionen. So gibt es fortan wieder Einschränkungen für Versammlungen und Restaurants. Von führenden Oppositionspolitikern wurden die Maßnahmen scharf kritisiert.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus war in Israel am Donnerstag auf ein Rekordhoch gestiegen. Nach Zahlen vom Freitag wurden für den Tag 1929 Fälle registriert. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland für Donnerstag 583 neue Infektionen innerhalb eines Tages. Deutschland hat etwa neun Mal so viel Einwohner wie Israel.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte zu Beginn der Kabinettssitzung, es werde alles unternommen, um einen generellen Lockdown zu verhindern. Aber: „Es bleiben nicht viele Möglichkeiten, es ist keine normale Situation.“

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    Beschlossen wurde bei der Sitzung ferner, dass Versammlungen von mehr als zehn Personen in geschlossenen Räumen und mehr als 20 Personen im Freien künftig untersagt sind. Ob sich dies auch auf Religionsgemeinschaften bezieht, blieb vorerst unklar. Fitnessstudios müssen schließen. Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen oder zur Lieferung nach Hause anbieten.

    Diese Regelung soll nach einer Vereinbarung von Netanjahu und Verteidigungsminister Benny Gantz ab Dienstagfrüh greifen, um den Gastronomen Zeit zur Vorbereitung zu geben. Ursprünglich sollte sie ebenfalls Freitagnachmittag starten; nach Kritik unter anderem von Branchenvertretern wurde sie nun aber verschoben. Einem Bericht der „Times of Israel“ zufolge wollten Netanjahu und Gantz am Wochenende zudem über mögliche Schließungen von Schulen und Lehranstalten beraten.

    Oppositionsführer Jair Lapid kritisierte das Vorgehen der Regierung scharf. „Ein ganzes Land versucht die Wochenend-Richtlinien zu verstehen, aber es schafft es nicht.“ Die Regierung habe das Vertrauen der Bevölkerung verloren. Er warf ihr vor, Meinungen von Ärzten und Ökonomen ignoriert zu haben.

    Zahlen schnellten in die Höhe

    Der 70-jährige Netanjahu hatte zu Beginn der Pandemie mit strikten Maßnahmen wie einem Lockdown und Ausgangsbeschränkungen auf die Krise reagiert. Mitte Mai lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen in dem Land im niedrigen zweistelligen Bereich.

    Nach umfassenden Lockerungen schnellen die Zahlen jedoch seit Ende Mai in die Höhe. Netanjahu steht zunehmend unter Druck; Experten kritisieren vorschnelle Corona-Erleichterungen. Die Folgen des ersten Lockdowns setzen Israels Wirtschaft zu, die Arbeitslosigkeit liegt bei 21 Prozent.

    Die Wochenend-Einschränkungen sollten von Freitagnachmittag (17.00 Uhr Ortszeit/16.00 Uhr MESZ) bis Sonntagfrüh gelten. Alle Maßnahmen müssen abschließend vom Parlament gebilligt werden.

    Mehr: Zweite Corona-Welle in Israel – Netanjahu hat viel Vertrauen verspielt

    • dpa
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