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Corona-Maßnahmen Strenger Reisestopp für Weihnachten: Italien schränkt Bewegungsfreiheit der Bürger radikal ein

Skilifte bleiben geschlossen, Kreuzfahrten werden verboten: Italiens Regierung greift im Kampf gegen Corona durch. An den Festtagen dürfen die Bürger ihre Gemeinde nicht verlassen.
03.12.2020 - 23:00 Uhr Kommentieren
Die Italiener dürfen über die Feiertage nicht einmal ihre Gemeinde verlassen. Weihnachten im Kreise der Familie: für viele Bürger in diesem Jahr nicht möglich. Quelle: dpa
Apotheker vor einem Zelt in Rom, das für Schnelltests aufgestellt wurde

Die Italiener dürfen über die Feiertage nicht einmal ihre Gemeinde verlassen. Weihnachten im Kreise der Familie: für viele Bürger in diesem Jahr nicht möglich.

(Foto: dpa)

Rom Keine privaten Reisen, keine Besuche bei entfernt lebenden Verwandten – und das mitten in der Advents- und Weihnachtszeit. Es sind radikale Einschnitte, auf die sich Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und sein Kabinett geeinigt haben. Kern des neuen Dekrets, das ab Freitag in Kraft tritt und die Ausbreitung des Coronavirus bremsen soll: ein umfassender Reisestopp um die Festtage.

„Dieses Weihnachten wird anders sein“, erklärte Conte am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache, die weiße Maske mit der kleinen Italienflagge über dem Mund. Die Maßnahmen seien notwendig, um eine dritte Welle zu vermeiden, „die noch gewaltiger werden könnte als die erste und die zweite“.

Vom 21. Dezember bis zum 6. Januar ist es verboten, sich zwischen den Regionen zu bewegen. Ausnahmen gelten nur für Dienstreisen, Notfälle oder aus gesundheitlichen Gründen. Auch wer seinen Hauptwohnsitz in einer anderen Region hat, darf dorthin zurückkehren. Zweitwohnsitze sind allerdings von der Regel ausgenommen: Die Regierung will damit verhindern, dass sich massenweise Menschen in ihre Urlaubsdomizile an den Küsten und in den Bergen bewegen.

An den Weihnachtsfeiertagen und an Neujahr sind die Einschnitte indes noch tiefer: Die Italiener dürfen dann nicht einmal ihre Gemeinde verlassen. Weihnachten im Kreise der Familie: für viele Bürger in diesem Jahr nicht möglich. Oder nur über einen Umweg. Die Massenbewegungen, so die Befürchtung, könnten sich nun einfach nach vorn verschieben: Der 20. Dezember ist ein Sonntag. Wer keine schulpflichtigen Kinder hat, wird den Weihnachtsurlaub vorziehen und schon am letzten freien Reise-Wochenende quer durch die Republik fahren, um Familie oder Ferienhaus zu erreichen.

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    Trotz des Schlupflochs: Es ist ein tiefer Eingriff in die Bewegungsfreiheit seiner Bürger, den Roms Regierung da durchsetzen will. Und einer, der Ungerechtigkeiten schafft. Eine neue Kluft tut sich hier zwischen Stadt und Land auf. Die Römer können an Weihnachten die 30 Kilometer bis zum Meer fahren – das Strandbad Ostia gehört zur Hauptstadt dazu. Wer stattdessen aus einer kleinen Berggemeinde kommt, darf sich nicht mal wenige Kilometer bis zum nächsten Örtchen bewegen.

    In sozialen Medien wie Twitter macht sich darüber schon Empörung breit. „Gesundheitsschutz muss von gesundem Menschenverstand begleitet werden“, polterte Oppositionsführer und Lega-Chef Matteo Salvini gegen die Pläne. Zumindest an den Feiertagen müsse man mit Müttern, Vätern und Kindern zusammen sein können. Die neuen Regeln würden das Volk spalten und verängstigen.

    Leiderprobte Bevölkerung

    Dabei sind die Italiener straffe Maßnahmen besser gewohnt als der Rest Europas. Der Lockdown im Frühjahr war einer der längsten und härtesten, das Land wurde damals besonders heftig von der Pandemie getroffen.

    Doch auch zu Beginn der zweiten Welle griff die Regierung hart durch: Seit Anfang November ist der Stiefel in farbige Regionen eingeteilt. In roten Zonen dürfen die Bürger ihre Häuser etwa nur verlassen, wenn sie zur Arbeit, zum Supermarkt oder zum Arzt gehen. Dabei muss, wie schon im Frühjahr, immer eine Selbstauskunft mitgeführt werden.

    Wer in der orangen Zone lebt, darf seine Region nicht verlassen. Landesweit gilt eine Ausgangssperre ab 22 Uhr, Restaurants und Bars müssen selbst in den gelben Zonen bereits um 18 Uhr schließen.

    Da sich die Infektionszahlen in vielen Gegenden rückläufig entwickeln, könnten ab dem Wochenende allerdings einige Zonen von Orange auf Gelb springen – und damit viele Italiener erstmals seit Wochen ihre Region verlassen. Der Schritt kommt pünktlich zur „Immacolata“ am Dienstag, Mariä Empfängnis, in Italien Feiertag. Viele Firmen nutzen den Montag davor als Brückentag. Gut möglich, dass dieses eine lange Wochenende die Infektionskurve wieder nach oben treibt.

    Einen erneuten kompletten Lockdown samt Produktionsstopp will die Regierung in jedem Fall vermeiden. Italiens Wirtschaft wird in diesem Jahr Corona-bedingt um 8,9 Prozent schrumpfen, wie die nationale Statistikbehörde an diesem Donnerstag mitteilte. Für das kommende Jahr wird immerhin mit einem Plus von vier Prozent gerechnet.

    Skigebiete dicht, Kreuzfahrten verboten

    Doch in den kommenden Wochen gibt es weitere Einschnitte für die Unternehmen, vor allem in der Tourismusbranche und der Gastronomie: Skigebiete müssen vom 4. Dezember bis zum 6. Januar geschlossen bleiben, erklärte Premier Conte in seiner TV-Ansprache. Auch Kreuzfahrten – seit Mitte August nur unter strengen behördlichen Auflagen möglich – werden für die Zeit rund um Weihnachten komplett verboten. Restaurants dürfen an den Weihnachtstagen und an Neujahr nur mittags öffnen – maximal sind vier Personen pro Tisch erlaubt. Geschäfte können landesweit bis 21 Uhr geöffnet bleiben, an Wochenenden und Feiertagen gibt es aber Einschränkungen für Einkaufszentren, wo dann größtenteils nur Supermärkte und Apotheken öffnen dürfen.

    Strenger werden auch die Regeln für Reisende: Wer ab dem 21. Dezember aus dem Ausland zurückkehrt, egal ob EU oder darüber hinaus, muss sich direkt in Quarantäne begeben. Der Nachweis eines negativen Covid-Tests reicht nicht mehr aus. Teile der Regierung wollten sogar einen kompletten Ausreisestopp verhängen. Nach langen Diskussionen einigte sich das Kabinett aber nur auf die verschärften Rückkehr-Regeln. So können Italiener Ende Dezember zwar in Österreich oder der Schweiz Ski fahren – müssen anschließend aber für zehn Tage in eine verpflichtende Quarantäne.

    Einen Hoffnungsschimmer gibt es zumindest für die Millionen von Schülern im Land, die zuletzt nur im digitalen Klassenzimmer Platz nehmen durften: Am 7. Januar sollen die weiterführenden Schulen wieder öffnen, Conte versprach einen Präsenzunterricht für mindestens 75 Prozent der Jugendlichen.

    Mit all den Maßnahmen hofft die Regierung die dritte Welle abzuwenden. Die zweite hat das Land offenbar überstanden, schon in den vergangenen Wochen konnte das Infektionsgeschehen ausgebremst werden. Der R-Wert, der beschreibt, wie viele Menschen ein Infizierter neu ansteckt, ist innerhalb von vier Wochen von 1,7 auf 1,08 gesunken. Conte sprach am Donnerstag sogar davon, dass der Wert bereits wieder unter der Einser-Marke liege, bei aktuell 0,91.

    Am Donnerstag lag die Zahl der Neuinfektionen bei 23.225 Menschen, 993 Todesfälle wurden innerhalb eines Tages gemeldet – ein neuer, trauriger Rekordwert. Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie mehr als 1,66 Millionen Italiener mit dem Virus infiziert, mehr als 58.000 sind an und mit dem Virus gestorben. Aktuell infiziert sind im Land knapp 760.000 Menschen.

    Mehr: Der bessere Corona-Plan: Was Deutschland von anderen Ländern lernen kann

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